Neben dem Tourismussektor werden insbesondere für erneuerbare Energien sowie für exportorientierte Produzenten von elektronischen Maschinen, Autoteilen und für Düngemittelhersteller sehenswerte Wachstumsraten erwartet. Auch die Bekleidungsproduzenten in Marokko blicken positiv auf die kommenden Monate.

Durch seine attraktive Lage am Atlantik und am Mittelmeer ist Marokko ein beliebtes Reiseziel bei Touristen. Doch nicht nur in der lokalen Tourismuswirtschaft läuft es aktuell gut. Marokko ist auch kontinuierlich auf dem Weg vom Agrarland zur Dienstleistungs- und Industriegesellschaft, wenngleich es noch einige Hürden zu bezwingen gibt.

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Das afrikanische Land ist noch immer stark abhängig von der Agrarwirtschaft. 40% der Marokkaner sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Darüber hinaus verfügen die Marokkaner über die größten Phosphatvorkommen der Welt, aus denen u.a. auch Dünge- und Futtermittel hergestellt werden. Phosphat ist deshalb ein wichtiges Exportgut.

Die Ausfuhr von landwirtschaftlichen Gütern nach Deutschland ist von 2016 auf 2017 um 15% gestiegen. Insgesamt wurden Waren im Wert von mehr als 175 Mio EUR exportiert. Der Agrarsektor ist allerdings stark vom Wetter abhängig. Wetterkapriolen können sich daher schnell negativ auf die Wirtschaftsleistung und den Konsum im Königreich auswirken.

Tourismussektor im Aufwind

Der Tourismus zählt neben der Agrarwirtschaft zu den wichtigsten Einnahmequellen Marokkos. Das Land, das auch als „Tor zu Afrika“ gilt, profitiert von zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie der kontrastreichen Natur, den bunten Märkten oder der Medina von Marrakesch, um nur einige zu nennen, die 2018 viele Touristen anzogen. Insbesondere deutsche Weltenbummler haben Marokko für sich entdeckt. Der Flugverkehr zwischen Deutschland und Marokko legte im vergangenen Sommer laut Statistischem Bundesamt um mehr als 20% zu.

Doch es gibt noch weitere Wachstumstreiber. Neben dem Tourismussektor werden insbesondere für erneuerbare Energien sowie für exportorientierte Produzenten von elektronischen Maschinen, Autoteilen und für Düngemittelhersteller sehenswerte Wachstumsraten erwartet. Auch die Bekleidungsproduzenten blicken positiv auf die kommenden Monate.

Vorteilhafter Industriestandort

Darüber hinaus machen die moderne Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, die niedrigen Herstellungskosten sowie die Nähe zu Europa das Land interessant für hiesige Unternehmen. Die marokkanische Regierung hat Investitionsanreize und Steuervorteile für die Kfz-Industrie geschaffen, wodurch auch vermehrt Zulieferer- und Montagefirmen ins Land gekommen sind. Zudem hat sich Marokko seit der Jahrtausendwende immer stärker zum Zentrum für Flugzeugteilebauer entwickelt. Inzwischen produzieren auch die weltweit größten Anbieter in dem nordafrikanischen Land. Viele kleine und mittlere Unternehmen sind ihnen gefolgt, um die großen Abnehmer aus kurzer Distanz zu beliefern.

Casablanca ist die größte Stadt in Marokko und gilt gleichzeitig als das wirtschaft­liche Zentrum des Landes. In der Rangliste der wichtigsten Wirtschaftszenten belegt die Stadt, die durch den gleichnamigen Hollywoodfilm von 1942 große Berühmtheit erlangte, immerhin Platz Nummer 32 – bezogen auf Afrika sogar Platz 1 – nicht zuletzt durch einige wichtige ortsansässige Lebensmittel- und Automobilher­steller.

Weltwirtschaft trübt Wachstumserwartungen

Atradius geht für das Jahr 2019 von einer leicht zunehmenden Wirtschaftsleistung Marokkos (Wachstum des realen BIP von 3,3%  gegenüber 2,9% im Vorjahr) aus. Die Risikoanalysten haben in einer aktuellen Auswertung sowohl die marokkanischen Wachstumsbranchen als auch mögliche Gefahren, die sich negativ auf die Wirtschaft auswirken könnten, untersucht.

Getrübt wird die Wachstumsprognose von den verhaltenen Aussichten in der Weltwirtschaft, von der der nordafrikanische Staat stark abhängig ist. Insbesondere eine negative Entwicklung in Europa könnte den Tourismus und die Exporte für die Automobilindustrie beeinträchtigen. Auch ein steigender Ölpreis würde sich negativ auswirken ebenso wie eine verringerte Ertragskraft im produzierenden Gewerbe aufgrund des Wettbewerbs mit asiatischen Anbietern.

Hohe Abhängigkeit von Importen

Bis heute kommt ein Großteil der Investitionen vom Staat. Marokkos Leistungsbilanz ist strukturell negativ. Die Importe sind doppelt so hoch wie die Exporte. Die Wirtschaft wächst nicht stark genug, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen. Insbesondere die junge marokkanische Bevölkerung leidet darunter. Die Jugendarbeitslosigkeit bricht einen Negativrekord. Ebenso gibt es in vielen Teilen des Landes Probleme in der Infrastruktur, abgesehen von einigen regierungsgetriebenen Prestigeprojekten.

Konstitutionelle Monarchie birgt mittelfristig Potential für Unruhen

Momentan ist die politische Situation weitgehend stabil. König Mohammed VI. regiert das Land seit 1999. Allerdings haben die Spannungen im Land zugenommen – bedingt durch die anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit, die Einkommensungleichheiten in der Bevölkerung, die staatliche Sparpolitik und ein sehr geringes Bildungsniveau. Viele junge Marokkaner machen sich auf den Weg in die EU, wo sie sich bessere Jobchancen erhoffen. Ebenso ist die Korruption in dem Land weiterhin hoch.

Auch der islamische Extremismus birgt weiterhin eine Gefahr für die Tourismus-branche in dem weitgehend muslimischen Staat. Unter anderem geht ein Risiko von marokkanischen Kämpfern aus, die aus Libyen und Syrien zurückkehren. Daher ist die Regierung bestrebt, die Einwohner und Touristen mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen zu schützen.

Absicherung geboten

Aus Risikosicht bleibt eine Forderungsabsicherung bei Geschäften in dem aufstrebenden afrikanischen Staat, der Chancen birgt, aber gleichzeitig auch wirtschaftliche Unwägbarkeiten zeigt, wichtig. Sollten Sie Exporte in die MENA-Region planen, sind wir ein wichtiger Partner für Sie, denn wir sichern Ihre Exporte ab und treten im Schadensfall ein. Unsere Risikoexperten greifen auf eine Vielzahl an Informationen zurück, die einen sicheren Markteintritt sicherstellen, so dass Sie sich ganz auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

thomas.langen@atradius.com

www.atradius.de

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