Auf der Strecke zwischen Europa und China entstehen mit den Infrastrukturprojekten und neuen Industrieanlagen Absatzchancen. In Ländern wie Kasachstan oder Armenien hat man es aber nicht mehr mit dem US-Dollar, sondern mit lokalen Währungen und relativ kleinen Devisenmärkten zu tun.

Die Industrieregionen Chinas sind bereits seit einigen Jahren durch Zugverbindungen mit Deutschland verbunden. Nun fahren auch Lkw über Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan den chinesischen Grenzort Khorgos an. Über die Marktchancen und die lokalen Zahlungsmöglichkeiten sprachen wir mit Markus Renkes, Head GTB FX Germany, Deutsche Bank.

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Herr Renkes, wie schätzen Sie den Absatzmarkt China 2019 ein?

China ist unter anderem für die Automobilindustrie mit Abstand der größte Markt und ein wichtiger Produktionsstandort. Durch den aktuellen Handelskonflikt mit den USA wird der Warenaustausch belastet. Daher sucht China nach einem intensiveren Handel mit seinen Nachbarstaaten und Europa.

Welche Rolle spielt die neue Seidenstraße für den Handel mit China?

Die Seidenstraße war traditionell die Landverbindung von Europa über Zentralasien nach China. In der Belt-and-Road-Initiative, wie die chinesische Initiative für eine neue Seidenstraße auch genannt wird, soll neben dem Landweg auch eine neue Seeverbindung gestärkt werden. Doch der Gütertransport auf dem bestehenden Seeweg zwischen China und Europa ist eng mit den USA und dem US-Dollar verbunden. China möchte die Abhängigkeit vom US-Dollar lockern. Daher geht der Trend hin zum Landweg.

Was bedeutet das für deutsche ­Exporteure?

Auf der Strecke zwischen Europa und China entstehen mit den Infrastrukturprojekten und neuen Industrieanlagen Absatzchancen. In Ländern wie Kasachstan oder Armenien hat man es aber nicht mehr mit dem US-Dollar, sondern mit lokalen Währungen und relativ kleinen Devisenmärkten zu tun.

Welche Vorteile bieten Projekte entlang der Seidenstraße?

Die Landverbindungen schaffen schnellere Transportmöglichkeiten. Inzwischen ist man bei einer Lieferzeit von elf bis 14 Tagen. Man spart auf den Transportwegen über Land vier Wochen gegenüber dem Seeweg ein. Die Logistikketten gehen immer mehr dazu über, noch schneller zu liefern. Das Lager ist der Transportweg. Und das betrifft nicht nur den Export Richtung China, sondern auch den Import von dort und von den neuen Produktionsstandorten auf der Strecke.

Welche Länder sind dort besonders interessant?

Vor allem in Kasachstan entwickeln sich interessante Strukturen. Unternehmen haben dort Fabriken aufgebaut und wollen Zahlungen in Tenge vornehmen, unabhängig von den lokalen Banken. Einige Firmen beteiligen sich neu an Infrastrukturprojekten, andere sind schon seit Jahren vor Ort. Aber auch in der Ukraine, der Türkei oder dem Irak haben Kunden operative Einheiten und wollen in lokaler Währung zahlen. Und sie wollen die Erlöse wieder repatriieren. Unsere Kunden stehen oft vor den folgenden  Fragen: Wie können wir Gelder in diesen Ländern investieren? Wie können wir die Wechselkurse absichern? Und: Wie bekommen wir das Geld wieder aus dem Land nach Deutschland?

Wie wirken sich Währungsverluste auf den Umsatz aus? Wo sehen Sie die größten Risiken?

Unsere Kunden haben oft das Problem, das Geld außer Landes zu bekommen. Sie wissen, dass sie Kursverluste erlitten haben. Trotzdem ist entscheidend, das Geld nach Deutschland zurückzuholen. In verschiedenen Ländern entlang der Seidenstraßen muss man, neben anderen regulatorischen Anforderungen, Kapital, das man im Land investiert, bei der Zentralbank registrieren, um das Kapital und die Gewinne zu einem späteren Zeitpunkt wieder außer Landes bringen zu können.

Welche Regulierungen sind dabei zu beachten, und wie wirkt sich das auf die Devisenmärkte in diesen Ländern aus?

In Kasachstan und der Türkei haben wir funktionierende Kapitalmärkte. Aber zum Beispiel in Armenien ist das Geschäft mit Fremdwährungen wie US-Dollar, Euro gegen den Armenischen Dram stark bestimmt von den lokal ansässigen Banken. Bedingt durch die eingeschränkte Liquidität, kann der Spread zwischen Ankauf und Verkauf breit gestellt sein, was im Vergleich mit den bekannten hochliquiden Märkten in Europa, den USA und Asien außergewöhnlich ist. Wenn wir Fremdwährungstransaktionen in solchen kleinen Märkten durchführen, müssen wir die Summen marktschonend platzieren. Großbeträge können Marktbewegungen auslösen, und den Markt schnell illliquide machen

Wie sieht das Währungsmanagement in anderen Ländern entlang der Seidenstraße aus?

Als Bank sind wir in Asien sehr gut aufgestellt, beispielsweise auch in Vietnam. Wir werden den Vietnamesischen Dong ab dem zweiten Quartal 2019 auch selbst handeln und unseren Kunden über unsere digitale Plattform direkt Liquidität zur Verfügung stellen. Die Unternehmen nutzen das Angebot in Richtung Vietnam und Philippinen, um Geld dorthin zu bringen aber auch zu repatriieren.

Wie gehen Sie dabei vor? Arbeiten Sie  mit lokalen Partnern zusammen?

Wir arbeiten mit einem großen globalen Partner zusammen. Dabei bleiben wir erster und einziger Ansprechpartner für unsere Kunden. Wir blicken auf den Markt und prüfen, ob wir alles selbst machen wollen. Das Konzept der Zahlung in lokaler Währung haben wir zusammen mit unserem Partner entwickelt. Selbst eine Bank vor Ort zu gründen muss sich lohnen. In Vietnam haben wir das gemacht. Doch in zahlreichen Ländern entlang der Seidenstraße nutzen wir unseren Partner.

Vielen Dank für das Gespräch!

markus.renkes@db.com

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