In der Produktentwicklung für unsere Auslandsmärkte gehen wir auf die unterschiedlichen kulturellen Gewohnheiten und klimatischen Bedingungen ein. In Skandinavien werden die Taschen der Arbeitshosen fast schon als Werkzeugkasten genutzt. In den angelsächsischen Ländern wiederum sind Werkzeuggürtel verbreiteter.

Ein Produkt für den Endkunden, international und emotional verstärkt, macht sich bereit für den Weltmarkt. Die Arbeitsbekleidung von engelbert strauss ist auf dem Weg zur internationalen Marke. Im Interview mit dem ExportManager beschreibt Henning Strauss, Geschäftsführer der engelbert strauss GmbH & Co. KG, seinen Ansatz.

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Herr Strauss, Ihr Unternehmen ist vielen Fußballfans aus der Stadionwerbung bekannt. Wie gut hat diese Werbung auch international für Sie funktioniert?

Im Sport sponsern wir ereignisbezogen hochwertige Begegnungen, live und vereinsneutral. Viele Handwerker sind sportbegeistert. Mit unserem Engagement im Fußball erreichen wir so einen großen Teil unserer Zielgruppe, auch europaweit. Sowohl die Spiele der Nationalmannschaft als auch des DFB-Pokals finden international große Beachtung und sind somit gute Plattformen, sich auch auf internationaler Ebene zu präsentieren.

Die Bundesliga hat am letzten Spieltag ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Meisterschaft erlebt. Wie läuft der Titelkampf in der Berufsbekleidungsbranche? Sind Sie schon deutscher Meister?

In der Arbeitswelt gibt es ein sehr umfassendes Spektrum an Anbietern. Allerdings gibt es kaum ein Unternehmen, welches über eine ähnlich hohe Markenbekanntheit verfügt wie wir. Insbesondere mit unserem vertikalen Vertriebskonzept setzen wir uns von anderen Anbietern ab.

Uns interessiert natürlich besonders Ihr Auslandsgeschäft. Sie fertigen ja im Ausland und holen sich immer wieder Anregungen und Werbeträger in den USA (Stichwort: Metallica). Welchen Beitrag leistet das Auslandsgeschäft zum Umsatz? Gibt es irgendwo im Ausland, gemessen an den Marktanteilen, Topplatzierungen?

Sowohl im In- als auch im Ausland sind wir in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Aufgrund dieser erfreulichen Entwicklung liegt der Anteil des Auslandsgeschäfts am Umsatz im unteren zweistelligen Prozentbereich. Besonders beliebt sind unsere Produkte in Ländern mit einer starken Handwerks- und Zunftkultur, insbesondere in den europäischen Nachbarländern und den Staaten Osteuropas.

Sie bauen derzeit in der Nähe Ihres Stammsitzes Biebergemünd die CI-­Factory. Was ist dort geplant? Wie passt die CI-Idee zur Markenstrategie von engelbert strauss?

In der CI-Factory dreht sich alles um gebrandete Firmenkleidung. Das Thema Customizing ist im Haus traditionell von großer Bedeutung. Wir möchten die Mitarbeiter eines Unternehmens künftig noch stärker dabei unterstützen, die Einzigartigkeit ihrer Unternehmenskultur in textiler Form zum Ausdruck zu bringen. Das schaffen wir durch einzigartiges Branding und eine noch größere Produktauswahl. Besonderes Highlight der CI-Factory ist die gläserne Hightech-Schuhproduktion. Das Konzept von personalisierten Arbeitsschuhen ist in dieser Form weltweit einzigartig.

Die Geschmäcker sind verschieden: Was Kunden in den USA gut finden, muss Chinesen nicht gefallen. Wie entwickeln Sie Ihre Produkte für unterschiedliche Auslandsmärkte?

In der Produktentwicklung für unsere Auslandsmärkte gehen wir auf die unterschiedlichen kulturellen Gewohnheiten und klimatischen Bedingungen ein. In südlicheren Ländern sind leichtere Stoffe beliebt, während es im Norden gerne robustere Materialien sein dürfen. Wir beobachten außerdem, dass der Wunsch nach umfangreicheren Details und funktionalen Features in nördlicheren Ländern besonders ausgeprägt ist. So werden die Taschen der Arbeitshose in Skandinavien fast schon als Werkzeugkasten genutzt. Entsprechend konzipiert ist unsere neue „motion ten“-Kollektion mit den am Bund fixierten Werkzeugtaschen. In den angelsächsischen Ländern wiederum sind Werkzeuggürtel verbreiteter.

Gibt es einen Austausch zwischen Ihrer Belegschaft in Deutschland und der in anderen Produktionsländern? Stellen Sie sich auch personell international auf?

Wir stehen in engem Austausch mit unseren Produktionsstätten. Im Jahr 2018 haben wir unsere Produkte weltweit in 31 Ländern hergestellt – sowohl in Europa als auch in Asien und Afrika. Mit den meisten unserer Produktionspartner verbindet uns eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit unserem Partner an umfangreichen Praktikaangeboten für Studenten aus Asien. Zudem werden sprachliche und interkulturelle Kompetenzen im Haus sehr geschätzt.

Im internationalen Geschäft gewinnen die großen Plattformanbieter aus den USA (Amazon) und China (Alibaba) immer mehr an Bedeutung. Sind diese Plattformen für Sie eine Option als Vertriebskanal, oder setzen Sie auf eigene Lösungen? 

Wir sind Vertikalisten: Wir produzieren, vertreiben und vermarkten unsere Produkte selbst. Die Vorteile sind vielfältig. Wir haben alle Kompetenzen auf unserer Seite. Der Kunde bekommt die Beratung immer aus erster Hand. Besonders für die Branche ist hier die Art des Vertriebs: In unseren workwearstores® taucht der Kunde in eine ganz eigene Welt ein. Das ist die komplette Markenwelt von engelbert strauss, eine einzigartige Produktpräsentation.

Was sind Ihre nächsten Schritte im Ausland? Was würden Sie anderen Unternehmen raten, um international erfolgreich zu sein?

Unsere Wertschöpfungskette ist sowohl auf Einkaufs- als auch auf Verkaufsseite bereits heute sehr weitreichend international vernetzt. Neben weiteren europäischen Vertriebsgesellschaften fördern wir den internationalen Vertrieb auch durch die Stärkung der Exportabteilung am Hauptsitz. Wir möchten uns als eine weltweit für ihr besonderes Design geschätzte Marke weiter etablieren. Dafür erfinden wir uns nicht nur jeden Tag neu, wir begeistern uns vor allem auch für die Qualität unserer Produkte und unsere coolen Designs.

Herr Strauss, vielen Dank für das Gespräch!

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gunther.schilling@frankfurt-bm.com

www.frankfurt-bm.com

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