Die mittelständische Unternehmensgruppe Faist zählt mit ihren 320 Mitarbeitern weltweit zu den führenden Herstellern auf
dem Gebiet akustischer Systeme für Energieanlagen. Ihre Windkanalanlagen und Messräume haben das Unternehmen weltweit bekanntgemacht. Durch lange Zahlungsziele auf der Abnehmerseite entsteht ein laufend zu finanzierender Liquiditätsbedarf. Die notwendige Liquidität wird durch den regelmäßigen Verkauf von Forderungen bereitgestellt.

Von Karin Sollena, Produktspezialist Trade Finance, Deutsche Bank AG

Die Herausforderung

Die Faist Anlagenbau GmbH und die Faist Air Intake Systems GmbH liefern ihre Schallschutzanlagen und Akustikmessräume unter anderem an große Kunden weltweit. Einige Abnehmer stellten nun ihre Zahlungsbedingungen um und verlängerten in diesem Zuge die Zahlungsziele mit Zwischenzahlungen auf bis zu 15 Monate nach Lieferung. Für die Unternehmensgruppe ergab sich dadurch ein dauerhaft erhöhtes Working Capital, welches es zu finanzieren galt. Gesucht wurde eine Finanzierungslösung mit positiver Auswirkung auf Bilanz, Risiko und Liquidität. Gleichzeitig war, bedingt durch das zugrundeliegende ausländische Recht, ein stiller Forderungsankauf, d.h. ohne Benachrichtigung der Abnehmer, nicht möglich.

Die Lösung

Der Verkauf von Forderungen aus Lieferung und Leistung ohne Rückgriff auf regelmäßiger Basis hilft zum einen bei der Finanzierung des Working Capitals und schützt zum anderen vor dem Ausfall der Schuldner. Da die rundgeschäftsverträge ein Verbot der Forderungsabtretung beinhalteten, wurde im Vorfeld die Zustimmung der Abnehmer zum Forderungsverkauf eingeholt. Diese Lösung ermöglicht es dem Unternehmen, seinen Abnehmern längere Zahlungsziele anzubieten, seine Wertschöpfungskette zu finanzieren und die Risiken eines potentiellen Forderungsausfalls zu reduzieren.

Liquiditäts- und Risikooptimierung durch den Verkauf von Forderungen
Dem Forderungsverkauf liegt ein Grundgeschäft mit Zahlungsziel, welches der Lieferant dem Abnehmer einräumt, zugrunde. Der Lieferant tritt dabei nach Lieferung bzw. Leistungserbringung die daraus resultierenden Forderungen gegen einen oder mehrere Forderungsschuldner (Abnehmer) vor Fälligkeit an den Forderungskäufer (z.B. die Deutsche Bank) ab. Im Gegenzug zahlt der Forderungskäufer den Gegenwert der Forderungen abzüglich einer Zinsmarge an das Unternehmen aus.

Der Verkäufer kann dadurch schneller über seine Liquidität verfügen sowie die Risiken eines potentiellen Forderungsausfalls reduzieren. Gleichzeitig können ggf. Bilanzkennziffern durch die Reduktion der Bilanzposition „Forderungen aus Lieferung und Leistung“ verbessert werden. Bei einem stillen Forderungsverkauf bezahlt dabei der Abnehmer die Rechnung am Ende des eingeräumten Zahlungsziels wie gewohnt direkt an seinen Lieferanten, der die Zahlung dann an den Forderungs­käufer weiterleitet. Uwe Maischatz, Kaufmännischer Geschäftsführer der Faist Anlagenbau GmbH, sieht in dem Verkauf von Forderungen mit langen Zahlungs­zielen eine gute Möglichkeit, die Liquiditätssituation des Unternehmens ohne ­Verzögerungen zu verbessern und seine Wettbewerbsposition zu stärken.

Kontakt: karin.sollena[at]db.com

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