Von Gunther Schilling, Redaktionsleiter ExportManager, F.A.Z.-Institut

Die Finanzkrise und die damit einhergehende Zunahme von Forderungsausfällen haben die Absicherung von Kreditrisiken 2009 erschwert und verteuert. Limite wurden gesenkt, um auf die gestiegenen Risiken zu reagieren. Dabei erwies sich das ­traditionelle Vertragsmodell der Kreditver­sicherung als wenig flexibel, und die Klagen insbesondere der Branchenverbände riefen die Politik auf den Plan. Die Deckungs­möglichkeiten des Bundes für Exportkredite für kurze Laufzeiten wurden von August 2009 bis Ende 2010 auf die ansonsten den privaten Anbietern vorbehaltenen Länder der EU und der OECD ausgedehnt. Die Exportkreditgarantien des Bundes nahmen 2009 um 8,2% auf 22,4 Mrd Euro zu. Davon entfielen 28,1% auf Industrieländer, allen voran Südkorea mit 2,09 Mrd Euro und die USA mit 2,07 Mrd Euro. Weitere Schwerpunktländer waren Russland (1,99 Mrd Euro), die Türkei (1,36 Mrd Euro) und China (1,35 Mrd Euro).

Für die privaten Kreditversicherungen war dies ein Rückschlag nach Jahren der sukzessiven Übernahme bislang auch staatlich abgesicherter Märkte. Auf der Suche nach einem neuen Vertragsmodell, das auch in schweren Krisen einen umfassenden Versicherungsschutz gewährt, zielen die Anbieter auf mehr Transparenz und eine flexiblere Prämiengestaltung. Um die Unternehmen im Aufschwung besser einschätzen zu können, werden nun zukünftige Verbesserungen der derzeit vorliegenden Finanzdaten stärker berücksichtigt.

Für die Kreditversicherer brachte die Finanzkrise in den USA seit 2008 einen massiven Anstieg der Forderungsausfälle mit sich, auf den sie mit einer Anhebung der Prämien reagierten. Allerdings vollzog sich die Anpassung nur langsam, da die Anbieter zunächst eher mit Limitkürzungen als mit Preisanhebungen reagieren konnten.

In den Jahren 2004 bis 2007, als der deutsche Export beinahe mühe- und risikolos mit hohen Zuwachsraten wuchs, bewegten sich die Prämien auf einem sehr niedrigen Niveau, und das Neugeschäft lag ein Drittel unter dem Niveau der letzten Krisenjahre 2002 und 2003. Das Risikobewusstsein in den Unternehmen war seit dem Platzen der Internetblase deutlich gesunken, und der Fokus wurde auf die weitere Expansion in einem schnell wachsenden Markt gesetzt.

Mit der Zuspitzung der Finanzkrise nahm das Neugeschäft der Kreditversicherer wieder deutlich zu und erreichte Anfang 2008 das Niveau der Jahre 2002 und 2003. Gleichzeitig erhöhten die Kreditversicherer die Prämien, sie liegen in Deutschland inzwischen um 30% über dem Niveau von 2007. In der Summe der Beitragseinnahmen hat sich dies jedoch nicht in einer Zunahme ­niedergeschlagen, seit 2007 gingen die Einnahmen – jeweils gemessen am 3. Quartal – von 624,6 Mio Euro über 615,7 Mio Euro im Jahr 2008 auf 579,4 Mio Euro im Jahr 2009 zurück. Im selben Zeitraum stieg der Schadenaufwand von 257,2 Mio Euro über 355,2 Mio Euro auf 607,4 Mio Euro. Damit lag der Schadenaufwand im 3. Quartal 2009 über den Beitragseinnahmen.

Die Kreditversicherer waren im vergangenen Jahr starker Kritik seitens ihrer Kunden ausgesetzt, die eine plötzliche Verringerung der Limite ihrer Abnehmer in Bedrängnis brachte. Zum einen pochten die Kunden auf eine faire Gegenleistung für die gezahlten Prämien, zum anderen suchten sie Möglichkeiten, die gestiegenen Risiken auch zu höheren Prämien weiter zu versichern.

Coface hat darauf mit dem Angebot eines „New Deal“ reagiert, der in den kommenden Monaten eine weitere Erhöhung der Transparenz und eine risikoorientierte Prämiengestaltung in Abstimmung mit den Kunden anbietet. So sollen die Bewertungen der Kunden und ihrer Abnehmer offengelegt und erläutert werden. Ziel ist ein gemeinsames, aktives Risikomanagement. Die Prämien sollten mit dem (risikogewichteten) Wert der gedeckten Risiken besser in Einklang gebracht werden. Auf Wunsch wird die Prämie direkt an das Risiko der Forderungen geknüpft. Dies erfordert jedoch auch eine größere Transparenz auf Seiten des Kunden, der durch die Offenlegung seiner Handelsbeziehungen und durch die Unterstützung bei der Beschaffung von Finanzdaten seiner Abnehmer eine bessere Einschätzung des Risikos ermöglicht.

Auch Atradius fordert die Unternehmen auf, aktuelle Informationen über ihre Geschäftsentwicklung zur Verfügung zu stellen, um eine sogenannte antizipative Bonitätsanalyse durchzuführen, die sich nicht allein auf die zurückliegenden, derzeit meist ungünstigen Finanzdaten stützt, sondern eine zukünftig positivere Entwicklung einbezieht. Dann könnten Limite erweitert werden, um das anziehende Geschäft in größerem Umfang zu versichern.

Kontakt: g.schilling[at]faz-institut.de

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