Jordanien nutzt zunehmend erneuerbare Energien. Durch mehr als 300 Sonnentage im Jahr in Jordanien hat sich die Solarenergie schnell zum Schwerpunkt der Energieinvestitionen des Staates entwickelt. Ende 2018 hat Jordanien 1.130 MW Strom aus Erneuerbare-Energie-Quellen produziert, was etwa 11% des gesamten Strombedarfs ausmacht.

Das haschemitische Königreich Jordanien nimmt eine wichtige geopolitische Position ein. Mit Grenzen zu Syrien, dem Irak, Saudi-Arabien, Israel und den Palästinensischen Gebieten steht es im Zentrum politischer sowie wirtschaftlicher Fragestellungen, die die gesamte Region und deren Wohlstand betreffen. Weniger als 2% des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar. Im Süden Jordaniens erstreckt sich eine 27 km lange Küstenlinie am Roten Meer, an der sich der einzige größere Hafen des Landes befindet: Akaba.

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Jordanien ist ein Aufnahmeland für Flüchtlinge aus den Nachbarländern. Als Zufluchtsort für mehr als 2 Millionen Palästinenser, von denen die meisten die jordanische Staatsbürgerschaft erworben haben, musste das Land auch den Zustrom weiterer Flüchtlinge verkraften, die insbesondere aus Syrien und dem Irak kamen. Dieser Zustrom von Flüchtlingen hat natürlich Folgen für die Wirtschaft des Landes.

Wachstum noch durch Konflikte in den Grenzländern behindert

Für das Jahr 2020 wird in Jordanien ein Wirtschaftswachstum von 2,4% prognostiziert, während die Prognose für 2019 über 2,2% voraussichtlich erfüllt wird. Somit wird das Wachstum Jordaniens auch weiterhin moderat bleiben. Dies ist u.a. auf das schwache Vertrauen der Akteure des Privatsektors angesichts der Instabilität in der Region zurückzuführen. Generell wird die Wirtschaftstätigkeit des Landes durch den Bergbau und den ­Tourismussektor angetrieben. Letzterer genießt seit neustem die besondere Aufmerksamkeit der Regierung. Im Jahr 2017 erreichte die Besucherzahl knapp 4,2 Millionen. Das Ziel der Regierung ist es nun, die Zahl der Touristen in Jordanien im Jahr 2020 auf 7 Millionen zu erhöhen.

Wie in den vergangenen Jahren stellen Bank- und Versicherungsaktivitäten (20% des BIP im Jahr 2017) fundamentale Wachstumstreiber dar. Zudem werden Exporte, die zurzeit etwa 20% des BIP ausmachen, voraussichtlich leicht zunehmen. Allerdings leidet das Land trotz der Wiederöffnung der Grenze zum Irak im Jahr 2017 weiterhin unter regionaler Instabilität. Seit dem Arabischen Frühling 2011 ist das Königreich nicht mehr in der Lage, ausländische oder sonstige Investitionen zu fördern. Daher ist davon auszugehen, dass die Inlandsnachfrage auch weiterhin durch die Politik der Haushaltskonsolidierung im Rahmen einer Erweiterten Fondsfazilität (EFF) des IWF begrenzt sein wird. Neben der besonders hohen Jugendarbeitslosigkeit (18,7% im zweiten Quartal 2018) belastet die 2018 durchgeführte Senkung der Subventionen für Strom, Brot und Benzin den privaten Konsum und schürt die Inflation. Dennoch wird erwartet, dass sich die Inflation verlangsamen wird.

Starke Energieabhängigkeit von Nachbarländern

Jordanien gehört zu den Ländern mit der weltweit höchsten Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen: 96% des Energiebedarfs des Landes werden aus importiertem Öl und Erdgas gedeckt, das aus den Nachbarländern des Nahen Ostens stammt.

Um diese Abhängigkeit teilweise zu beheben, hat die jordanische Regierung beschlossen, bis 2025 zwei 1.000-MW-Kernkraftwerke in Betrieb zu nehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, erwägt sie zunächst den Einsatz von kleinen modularen Reaktoren.

Auch Jordaniens Bewegung hin zu erneuerbaren Energien gewinnt an Dynamik. Durch mehr als 300 Sonnentage im Jahr in Jordanien hat sich die Solarenergie schnell zum Schwerpunkt der Energieinvestitionen des Staates entwickelt. Ende 2018 hat Jordanien 1.130 MW Strom aus Erneuerbare-Energie-Quellen produziert, was etwa 11% des gesamten Strombedarfs ausmacht. Laut einer Erklärung des Ministeriums für Energie und Bodenschätze (MEMR) soll sich bis 2021 die installierte Kapazität auf 2.400 MW mehr als verdoppelt haben. Zudem sollen bis 2025 20% des Strombedarfs Jordaniens aus Erneuerbare-Energie-Ressourcen erzeugt werden.

Das MEMR befindet sich in abschließenden Verhandlungen mit Unternehmen, um die Vereinbarungen für die Windparkprojekte vorzubereiten und zu unterzeichnen. Ziel ist der Aufbau eines spe­ziellen Projekts zur Erzeugung von Elektrizität aus Windkraft auf der Basis eines Bau-, Eigen- und Betriebsvertrags (BOO) mit einer Gesamtkapazität von etwa 300 MW. Ferner plant das MEMR in den kommenden Jahren die Eröffnung weiterer kommerzieller Angebote für Windparkanlagen.

Das Dilemma der natürlichen Ressourcen

Aufgrund des starken Ansturms der Flüchtlinge, die in Jordanien ein neues Leben beginnen möchten, wurden die Ressourcen des Landes, insbesondere in Bezug auf Wasser und Landwirtschaft, stark beansprucht.

Der Agrarsektor macht 4% des BIP aus und umfasst 3,7% der arbeitenden Bevölkerung. Als Hauptkulturen sind Weizen, Gerste, Linsen, Obst und Gemüse sowie Oliven zu finden. Phosphate und Kalium sind die einzigen im Land vorkommenden natürlichen Ressourcen. Ihre Verarbeitungsindustrie gehört zu den wichtigsten Industriezweigen des Landes. Sechs Uranvorkommen, die 3% der weltweiten Reserven ausmachen, wurden in den vergangenen Jahren entdeckt, und die erste Uranmühle wird voraussichtlich dieses Jahr in Betrieb genommen.

Die Wasserknappheit stellt eine große Bedrohung für die Entwicklung des Landes und insbesondere des Agrarsektors dar. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat Jordanien große Projekte durchgeführt, die darauf abzielen, die verfügbare Wassermenge durch die Mobilisierung neuer Ressourcen zu erhöhen, insbesondere durch Entsalzung und den Aufbau von Infrastrukturen, die Wasser in alle Regionen bringen. Darüber hinaus soll die ­Verteilungsleistung verbessert werden (Verringerung der physischen und kommerziellen Verluste, Verbesserung der Energieeffizienz, Anschlussraten und Häufigkeit der Verteilung). Schließlich wird der Sammlung und Wiederverwertung von Abwasser besondere Aufmerksamkeit gewidmet, um die Verschmutzung an der Quelle zu begrenzen und gleichzeitig eine nützliche Ressource für die Landwirtschaft zu schaffen.

Perspektiven für Ex- und Import

Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Jordanien haben eine lange Tradition des freundschaftlichen bilateralen Austauschs. Deutschland gilt in verschiedenen Bereichen als einer der wichtigsten Partner Jordaniens. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern werden vom Warenaustausch dominiert, das Handelsvolumen beläuft sich 2017 auf 780 Mio EUR. Deutschland exportiert hauptsächlich Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile (24,3%), Maschinen (15,6%) und chemische Produkte (7,8%) nach Jordanien, während Jordanien vor allem Nahrungsmittel (19,5%), Textilien/Bekleidung (17,0%) sowie Rohstoffe – außer Brennstoffe – (16,7%) exportiert.

Es gibt vielversprechende Investitionsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen in den Bereichen erneuerbare ­Energien, Dienstleistungen, Gesundheitswesen und Tourismus sowie im Bereich der grünen Technologien. Weiterhin könnte Jordanien in Zukunft als Plattform für Geschäfte mit dem Irak eine Rolle spielen. Im Jahr 2017 hat Jordanien seine Grenze zum Irak wieder geöffnet und seine Zollgebühren für Waren gesenkt, die in den Irak geliefert werden. Der Hafen von Akaba soll perspektivisch für irakische Importe/Exporte dienen. Auch hier könnte sich für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Energie, Bau und Maschinen die Gelegenheit ergeben, über Jordanien den irakischen Markt für den Wiederaufbau des Landes zu erschließen.

Die ODDO BHF Gruppe verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Handelsfinanzierung und begleitet deutsche sowie europäische Exporteure bei ihren Aktivitäten im Ausland. Dank ihrer Partnerschaften mit führenden Korrespondenzbanken kann sie ihren Kunden im Nahen Osten, wie beispielsweise in Jordanien, eine breite Palette von Finanzdienstleistungen anbieten.

youssef.bouya@oddo-bhf.com

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