Die Eintrübung der japanischen Konjunktur im vergangenen Jahr hat die Zentralbank auf den Plan gerufen. Wie in den meisten anderen Industrieländern sollen quantitative Maßnahmen die Inflation und damit die Nachfrage anschieben. Gleichzeitig soll ein schwächerer Wechselkurs die Exporte fördern. Auch Südkorea reagiert auf die Abwertungspolitik und flankiert sie mit einem Konjunkturprogramm.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

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Japan setzt auf Geldpolitik

Im April 2014 wurde die Mehrwertsteuer von 5% auf 8% angehoben, um das Staatsdefizit abzubauen. Das hatte jedoch größere Konsequenzen als erwartet, denn in Japan kam es 2014 zu einer technischen Rezession. Das löste eine Tsunami-ähnliche Schockwelle aus und ließ bei den Währungshütern die Furcht vor Deflationsrisiken wieder aufkeimen. Infolgedessen verfolgte die japanische Zentralbank ihr Inflationsziel von etwa 2% mit großer Entschlossenheit. So wird die Geldmenge auf 80 Trillionen JPY (umgerechnet 600 Mrd EUR oder 17% des BIP) steigen. Der Hauptleitzins der Zentralbank wird 2015 weiterhin bei 0% bleiben. Trotz der schlechten Wirtschaftszahlen wurde Premierminister Shinzo Abe bei den vorzeitigen Parlamentswahlen im Dezember 2014 in seinen wirtschaftspolitischen Entscheidungen bestätigt.

Die Unternehmen erzielten in Japan 2014 Rekordgewinne. Die japanische Zentralbank (BoJ) ist zuversichtlich, dass die Unternehmen 2015 in Anlagevermögen investieren werden. Die Kennzahlen zum Geschäftsklima (Tankan) sind nämlich nach wie vor positiv. Das Wachstum wird von daher durch private und öffentliche Investitionen getragen. Im Rahmen des nach dem Premierminister benannten Wirtschaftsprogramms „Abenomics“ sind die öffentlichen Ausgaben für die Infrastruktur gestiegen, um die Einrichtungen zu modernisieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Zwischen 2012 und 2014 ist die Arbeitslosenquote um 1% gesunken (auf 3,6% Ende September 2014).

Der Konsum wird sich 2015 wieder beleben. Die Mehrwertsteuererhöhung wird sich dann nicht mehr auf das Kaufverhalten der privaten Haushalte auswirken. Maßgebliche Bedeutung werden allerdings die Tarifverhandlungen im März 2015 haben, weil der Anstieg der Löhne nicht ausreichend ist. Die Reallöhne sind nämlich 2014 geschrumpft (–1,6% in einem Jahr bis Ende September 2014).

Der Premierminister dürfte somit den dritten Pfeil der Abenomics abschießen, bei dem es um Strukturreformen geht. Japan könnte von daher ab April 2015 den Körperschaftsteuersatz (36%) senken. In Südkorea, dem wichtigsten Konkurrenten des japanischen Modells, liegt dieser Steuersatz bei 24%. Eine erneute Anhebung der Mehrwertsteuer, die ursprünglich für Oktober 2015 (von 8% auf 10%) geplant war, wurde auf 2017 verschoben. Ein ausgewogener Haushalt erscheint von daher unmöglich, solange die Staatsverschuldung derart hoch ist (245% des BIP) und die Ausgaben belastet (hiervon entfallen 24% auf den Schuldendienst).

Unternehmen bevorzugen zwar nach wie vor eine Finanzierung aus eigenen Mitteln anstelle von Bankkrediten. Doch die Inanspruchnahme von Krediten steigt bei Nichtfinanzunternehmen seit 2013 (+1,5%). Für Banken bleibt die geschäftliche Lage allerdings angespannt, weil ihre Gewinne infolge niedriger Zinsen schmelzen (die Anlagenrendite belief sich 2013 auf 0,4%). Die BoJ hat einen Teil öffentlicher Anleihen, die von Banken gehalten wurden, im Rahmen ihres Programms zurückgekauft. Der Anteil der Schulden, der sich in den Händen von Banken befand, lag im März 2014 bei 19% der Vermögenswerte gegenüber 22% Ende 2012.

Die Abwertung des Yen (er verlor in den vergangenen zwei Jahren 25% gegenüber dem US-Dollar) hat den Ausfuhren eine neue Dynamik beschert. Das anziehende Wachstum in Europa (8% der ­Ausfuhren) und in den USA (19% des Absatzes) spricht dafür, dass dieser Aufwärtstrend anhält. Allerdings dürfte sich das Wachstum in China (18% der Ausfuhren) als wichtigstem Handelspartner Japans erneut abschwächen. Das dürfte Zuwächse bei japanischen Ausfuhren begrenzen. Im Übrigen müssen die Abwertung des Yen und deren positive Effekte auf den Absatz im Ausland infolge der geringen Preiselastizität japanischer Exporte relativiert werden. Darüber hinaus werden die Einfuhren 2015 zurückgehen. Trotz der Schwäche des Yen, die zu höheren Preisen für Importwaren führt, sinken nämlich die Kosten für eingeführte Energie.

Südkorea nutzt Spielräume im Haushalt

Die Regierung hat im Juli 2014 ein Konjunkturprogramm im Umfang von 11,7 Trillionen KRW (0,8% des BIP) zur Ankurbelung der Binnennachfrage auf den Weg gebracht. Zudem sieht der Haushalt 2015 höhere öffentliche Ausgaben vor. Geplant sind unter anderem eine Senkung der ­Einkommensteuer, um das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte zu erhöhen, der Bau von Infrastruktureinrichtungen und zusätzliche Finanzmittel für F&E. Darüber hinaus ist im Haushalt 2015 eine Zunahme der Ausgaben für Soziales und Gesundheit um mehr als 30% fest­zustellen.

Im Übrigen sollen Unternehmen durch die Einführung einer Steuer auf in die Rücklagen eingestellte Ergebnisse ermuntert werden, Investitionen zu tätigen, die Löhne zu erhöhen oder Gewinnausschüttungen an Aktionäre vorzunehmen. Auf diese Weise sollen die Nachfrage und vor allem der private Konsum gefördert werden. Die hohe Verschuldung der privaten Haushalte und die nicht mehr so stark steigenden Einkommen setzen dem Konsum allerdings Grenzen. Zur Wiederbelebung des Binnenmarktes hat die Regierung eine Lockerung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften für Immobilienkredite beschlossen. Künftig können private Haushalte Immobilien bis zu einer Höhe von 70% des Wertes beleihen und 60% ihres Einkommens für den Schuldendienst aufwenden.

Die südkoreanische Wirtschaft ist stark exportorientiert. Ihr werden 2015 die Verlangsamung der Konjunktur in China sowie die Schwäche des Yen zu schaffen machen. Der dadurch erzielte Preisvorteil benachteiligt südkoreanische Produkte zugunsten von japanischen Erzeugnissen. Im Übrigen liegt die Inflation unter der von der Zentralbank anvisierten Zielmarke. Diese kann somit an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Die Zentralbank hat 2014 den Leitzins im August und im Oktober jeweils um 25 Basispunkte gesenkt, und das im Juli verabschiedete Konjunkturpaket sah auch eine Liquiditätsspritze von 29 Trillionen KRW für die Banken vor.

Der Haushalt 2015 sieht bei allen Posten eine Erhöhung der Ausgaben um annähernd 6% vor. Das ist der größte Zuwachs seit 2009. Der Haushalt ist aber weiterhin ausgeglichen, die Staatsverschuldung bleibt vertretbar und liegt deutlich unter dem Niveau anderer OECD-Länder. Allerdings müssen die Schulden öffentlicher Unternehmen im Auge behalten werden, denn ihr Anteil am BIP belief sich 2012 auf 35%. Die hohe Verschuldung der privaten Haushalte von mehr als 160% des verfügbaren Einkommens (der OECD-Durchschnitt liegt bei 130%) stellt für den Bankensektor ein Risiko dar.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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