Die wirtschaftlichen Aussichten für die Karibikstaaten hellen sich auf. Das reale Wirtschaftswachstum wird sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds 2019 in den meisten Staaten dank einer kräftigen Nachfrage der USA weiter erhöhen. Vor allem Rohstoffexporteure dürften von steigenden Weltmarktpreisen profitieren.

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Jamaika, die drittgrößte Insel der Großen Antillen, hat im Jahr 1962 seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erklärt. Seitdem liegt die Macht im Land mal bei der People’s National Party (PNP), mal bei der Jamaica Labour Party (JLP). Seit März 2016 wird das Land vom Vorsitzenden der JLP, Andrew Michael Holness, regiert, der seine politischen Vorhaben trotz einer geringen Mehrheit vorantreiben konnte (z.B. ein neues IWF-Abkommen und Steuerreformen). In den kommenden Jahren liegt das Hauptaugenmerk der Regierung weiterhin auf der Bekämpfung der hohen Korruption sowie der steigenden Kriminalität durch Banden und Drogenhandel.

Reformen verringern Leistungsbilanzdefizit

Jamaika wurde von der 2008 beginnenden weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schwer getroffen. Das Land litt insbesondere unter dem Rückgang der Tourismuseinnahmen und Rücküberweisungen, die vor der Krise etwa die Hälfte der Exporterlöse ausmachten. 2008 stürzte die Wirtschaft in eine drei Jahre währende Rezession. Im Zuge dieser Krise schnellte auch das Leistungsbilanzdefizit im Haushaltsjahr April 2008/März 2009 auf einen beispiellosen Höchstwert von 18,7% des BIP, und nach dem dramatischen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen deckten die Währungsreserven im März 2008 nur noch 2,1 Monatsimporte ab.

Im Mai 2013 verpflichtete das Land sich jedoch zu einem IWF-Wirtschaftsreformprogramm. Dieser Schritt erwies sich für Jamaika als Wendepunkt. In den vergangenen Jahren ist das Leistungsbilanzdefizit zurückgegangen, und selbst wenn es im Vergleich zu 2015 und 2016 erneut ansteigen sollte, wird für 2018 mit einem Stand von lediglich 5% des BIP gerechnet.

Die Hauptgründe für den Rückgang des Leistungsbilanzdefizits sind die historisch niedrigen Kosten für Öleinfuhren sowie steigende Erlöse aus Tourismuseinnahmen und Rücküberweisungen (derzeit nahezu 70% der Leistungsbilanzeinnahmen) dank der zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusbranche. Des Weiteren wird das Defizit vorrangig über Zuflüsse aus ausländischen Direktinvestitionen finanziert. Daher haben sich die Währungsreserven mehr als verdoppelt und deckten Mitte 2018 etwa fünf Monatsimporte ab.

Als größere Herausforderung erweist sich die Wiederbelebung des realen Wirtschaftswachstums. Auch wenn das Land die Rezession in den ersten Jahren des IWF-Programms überwinden konnte, entwickelt sich das Wachstum des realen BIP nur schleppend. Dass das aktuelle (Haushalts-)Jahr keine Ausnahme darstellt, zeigt das prognostizierte Wachstum von lediglich 1,4%.

Staatshaushalt zeigt deutliche Verbesserung

Der Staatshaushalt war lange Zeit die Achillesferse der jamaikanischen Wirtschaft. 2010 und 2013 entschied das Land sich für eine Restrukturierung der öffentlichen Inlandsverschuldung, da die Staatsschulden in jenen Jahren bei hohen 145% des BIP lagen. Ab 2013 hat sich das Land konsequent der Haushaltskonsolidierung verpflichtet. Infolgedessen kann es seit Beginn des IWF-Programms umfang­reiche Primärüberschüsse (Haushaltssaldo vor Zinszahlungen) vorweisen. Das Verhältnis von Zinszahlungen zu Staatseinnahmen ist dadurch deutlich zurückgegangen. Gleiches gilt für die Staatsverschuldung, die 2018 bei 105% des BIP liegen dürfte.

Angesichts des laufenden IWF-Programms (vorsorgliche IWF-Beistandsvereinbarung von November 2016 bis November 2019) wird mit einer Fortführung der Haushaltskonsolidierung gerechnet. So besteht ein Schwerpunkt des Programms in der Reduzierung der Staatsverschuldung auf 60% des BIP bis 2025/2026.

Eine Voraussetzung für die Erreichung dieses Ziels ist die Senkung der hohen Personalausgaben, die etwa ein Drittel der Staatsausgaben ausmachen. Die weitere Unterstützung der Bevölkerung wird außerdem davon abhängen, ob die Regierung den Nachweis erbringen kann, dass ihre politischen Anstrengungen zu stärkerem Wachstum, mehr Beschäftigung und einer Verbesserung der Sicherheitslage führen. Ohne solche Erfolge könnte sich die Aufrechterhaltung der Reformdynamik als schwierig erweisen.

Eine weitere Problematik besteht darin, dass es sich bei der Staatsverschuldung zu einem Großteil um Auslandsschulden handelt, die auf Fremdwährung lauten. Die relativ hohe Auslandsverschuldung weist zwar einen Abwärtstrend auf, stellt jedoch unverändert eine Schwachstelle Jamaikas dar. Positiv zu erwähnen ist, dass sich der Schuldendienst und die kurzfristigen Verbindlichkeiten auf einem moderaten Niveau befinden.

Vor diesem Hintergrund sowie angesichts des adäquaten Niveaus der Währungsreserven stuft Credendo das kurzfristige politische Risiko Jamaikas, das die Liquidität des Landes widerspiegelt, in Kategorie 3 ein.

Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Internetseite www.credendo.com.

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