Die Krise hat Irland hart getroffen, Großbanken mussten gerettet werden, die Investitionen sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland gingen stark zurück, und die Absatzmärkte für die so wichtigen Exporte des Landes reduzierten ihre Nachfrage ­spürbar. Der Weg aus der Krise wird nun durch die Finanzierungsschwierigkeiten des Staates erschwert, der sich nur noch zu hohen Zinsen auf dem Kapitalmarkt finanzieren kann.

Von Gunther Schilling, Redaktionsleiter ExportManager, F.A.Z.-Institut

Für die deutschen Exporteure war die Bilanz des Irland-Geschäfts 2009 miserabel: Irland hatte die Importe aus Deutschland um 35,1% gegenüber 2008 zurückgefahren. Zwar erholte sich die Nachfrage in den ersten acht Monaten 2010 wieder: Die deutschen Exporte legten um 12,9% zu, im August betrug der Zuwachs sogar 20,0%. Doch waren dafür vor allem Fahrzeugexporte verantwortlich, die von der irischen Abwrackprämie profitierten. Ein weiterer Teil des Anstiegs ist auf die stark gewachsene Ausfuhr von Phamazeutika zurückzuführen. Dagegen blieb die Nachfrage nach Investitionsgütern schwach.

Die irische Wirtschaftsleistung ging auch im ersten Halbjahr 2010 weiter zurück, das reale BIP sank um 1,2% gegenüber dem Vorjahr. Bereits in den Vorjahren war es um 3,5% (2008) und 7,6% (2009) gesunken. Vor allem die Bauwirtschaft, deren Leistung 2009 um 31,4% schrumpfte, und die Industrie litten unter der Finanzkrise. Entsprechend gingen auch die Steuereinnahmen des Staates zurück, der nun noch zur Rettung der Banken einspringen muss.

Auch im Außenhandel verbuchte Irland in den ersten sieben Monaten 2010 kaum Impulse, der Export stieg nach Angaben von Eurostat um 1%, die Importe sanken um 4%. Zwar verbesserte sich dadurch der Außenbeitrag, doch zeigt die Exportschwäche, dass Irland auf die Erholung der Weltwirtschaft noch nicht reagieren konnte. Dazu bedarf es Investitionen, die auch im ersten Halbjahr 2010 noch kräftig sanken und erneut um ein Viertel unter dem Vorjahreswert lagen.

Bislang hat Irland stark auf die wachsende Finanzbranche gesetzt, und internatio­nale Hersteller von Computern und Software trugen maßgeblich zum Export­erfolg bei. Dies lockte viele irische Fachkräfte zurück in die Heimat, die nun mit Blick auf die schwierige Wirtschaftslage enttäuscht wieder abwandern. Aller-dings dürfte Irland im kommenden Jahrzehnt anders als die übrigen Industrie­länder einen Zuwachs an Arbeitskräften verzeichnen. Doch das Land muss ein neues Geschäftsmodell finden, um dies zu nutzen.

Zunächst stehen Irland jedoch harte Einschnitte in den öffentlichen Haushalten bevor. 2011 sollen 6 Mrd Euro eingespart werden. Nun steht das Land möglicherweise auch noch vor Neuwahlen, da die Regierung ihre Parlamentsmehrheit verloren hat. Bis Mitte 2011 ist der Finanzbedarf zwar gedeckt. Doch die Zinssätze für irische Anleihen sind deutlich gestiegen, was die Refinanzierung im kommenden Jahr verteuert, sollten die Spreads nicht deutlich sinken. Für die nächsten Jahre bleibt der Haushalt zudem hoch defizitär. Wachstumsimpulse, die die Steuereinnahmen wieder steigen lassen, müssen von privaten Investitionen kommen.

Textkasten: Risikoeinschätzung von D&B

D&B hat Irland um 2 Stufen von DB3b auf DB3d herabgestuft. Dies wird hauptsächlich mit dem erhöhten finanziellen Risiko und der verschlechterten Situation der öffentlichen Finanzen des Landes begründet. Die Entscheidung der irischen Regierung, die Anglo Irish Bank, die in der Krise enorme Verluste erlitten hatte, finanziell nicht mehr zu ­stützen, kann nach Einschätzung von D&B zu massiven Liquiditäts- und Kreditengpässen bei den inländischen Unter­nehmen führen.

Kontakt: g.schilling[at]faz-institut.de

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