Die Zahlungsmoral der europäischen Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund fehlender finanzieller Mittel merklich verschlechtert. Das ermittelte das aktuelle Zahlungsmoralbarometer des internationalen Kreditversicherers Atradius, das regelmäßig das Zahlungsverhalten von Firmenkunden analysiert. Aktuell wurden rund 3.000 Unternehmen aus 14 europäischen Ländern branchenweit befragt.

Von Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

Die befragten deutschen Lieferanten mussten 3,7% der Gesamtsumme ihrer ausstehenden Rechnungen im Inland als Totalausfall verbuchen. Das entspricht einer Steigerung von 37% im Vergleich zum Vorjahr. Bei Forderungen gegenüber ausländischen Firmenkunden ist der Anteil der abgeschriebenen Forderungen um 71,4% auf 4,8% gestiegen. Europaweit blieben die befragten Unternehmen auf 5% der Gesamtsumme ihrer Forderungen sitzen. Im Vorjahr lag der Wert bei 3 %.

Mehr als jedes zweite deutsche Unter­nehmen gab fehlende Liquidität seiner Geschäftskunden als Hauptgrund für die verzeichneten Verluste an. Die Ergebnisse zeigen, dass Lieferanten insbesondere im Ausland mit säumigen Zahlern zu kämpfen haben. Die andauernde Euro-Krise hat wesentlich zu den Liquiditätsengpässen – insbesondere bei Unternehmen in den südlichen Ländern Europas – beigetragen.

In Griechenland liegt die Summe der uneinbringlichen Forderungen mit 6,3% im Inland weiterhin über dem europäischen Durchschnitt. Übertroffen wird dieses Ergebnis nur von der Türkei mit 6,7% und Spitzenreiter Italien, wo die Befragten 7,6% der Forderungssumme nur noch als Verlust abschreiben konnten. Dagegen ist der Anteil uneinbringlicher Forderungen in Spanien mit 4,0% im Inland und 2,0% im Ausland vergleichsweise niedrig.

Ingesamt ist die Skepsis in den befragten Ländern gestiegen, was am signifikanten Rückgang der gewährten Lieferantenkredite zu beobachten ist. Die Bereitschaft deutscher Lieferanten, Geschäftspartnern im Ausland Zahlungen auf Ziel zu gewähren, ging um 22% auf 36,4% zurück. Im europäischen Durchschnitt wurden für 41,9% der Forderungen Lieferantenkredite gewährt, was einem Rückgang von knapp 9% entspricht.

Die Aussichten für die kommenden Monate sind laut den Befragten von der Sorge getrübt, dass die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen einen Rückgang verzeichnet. Dies kann wiederum Konsequenzen für die Liquidität und im schlimmsten Fall die eigene Zahlungsunfähigkeit zur Folge haben.

Im kürzlich veröffentlichten Economic Outlook von Atradius prognostizieren die Risikoexperten einen weiteren Anstieg der Firmenzusammenbrüche in vielen Ländern Europas. Der Kreditversicherer erwartet insbesondere für die deutschen Nachbarländer Belgien und Frankreich einen Anstieg der Firmeninsolvenzen um 6% bzw. 4%. Für Griechenland und Italien, die seit Jahren ein hohes Insolvenzniveau verzeichnen, wird mit einer Zunahme von 10% gerechnet.

Um sich vor säumigen Zahlern und Forderungsausfällen zu schützen, sollten Unternehmen die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden in Form von Bonitätsanalysen und aktuellen Informationen regelmäßig prüfen. Denn Erfahrungswerte reichen nicht aus, um diese Sicherheitslücke nachhaltig zu schließen, insbesondere nicht im Außenhandel. Mit der Forderungsabsicherung in Form einer Kreditversicherung können Exporteure beruhigt Zahlungen auf Ziel und damit Lieferantenkredite mit ihren Geschäftspartnern vereinbaren.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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