Afrika südlich der Sahara ist eine Region sehr unterschiedlicher sozialer, wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse – aber auch vielfältiger geschäftlicher Möglichkeiten. Betrachtet man die Exporte von Deutschland nach Afrika, so ist ihr Anteil an den Gesamtausfuhren Deutschlands mit gerade einmal etwas mehr als 2% recht bescheiden. Etwa ein Drittel entfällt allein auf die Republik Südafrika. Sie ist die für deutsche Unternehmen mit Abstand wichtigste Exportdestination auf dem afrikanischen Kontinent.

Von Sylvia Sedlacek, Vice President Structured Export Finance, BHF-Bank AG

Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise ist zeitversetzt auch in Südafrika angekommen und führte zu einer Verschlechterung der makroökonomischen Bilanzen. In der südafrikanischen Wirtschaft zeigt sich seit Beginn der Krise eine Veränderung bei Kreditaufnahmen und Finanzierungen von Importen, insbesondere hochvolumiger Investitionsgüter für diverse Infrastrukturbereiche.

Vor der Finanzkrise galt Südafrika als Markt, dessen Wirtschaft weitestgehend vom lokalen Bankensystem zu außerordentlich wettbewerbsfähigen Konditionen bedient wurde. Ausländische Lieferanten konnten aufgrund dieser lokalen Finanzierungsmöglichkeiten in der Regel „cash“ von ihren Vertragspartnern bezahlt werden. Langfristige kommerzielle Finanzierungen ausländischer Kreditgeber beispielsweise in Form von Bestellerkrediten zur Finanzierung der Einfuhren von Investitionsgütern, die durch staatliche Kreditversicherer wie Euler Hermes abgesichert sind („ECA-gedeckte Bestellerkredite“), wurden in den Jahren vor der Finanzkrise nicht nachgefragt. Sie konkurrierten mit lokalen Finanzierungsprodukten und galten als zu teuer.

Obwohl die meisten südafrikanischen Banken bisher nur moderat von den aktuellen Entwicklungen der Finanzkrise betroffen sind und der südafrikanischen Wirtschaft weiter mit Kreditmitteln zur Verfügung stehen, stellen wir seit zwei Jahren ein steigendes Interesse an langfristigen ECA-gedeckten Bestellerkrediten fest. Gebrauch davon machen beispielsweise im Infrastrukturbereich angesiedelte staatliche oder halbstaatliche Unternehmen, wie Eskom, Transnet oder die Industrial Development Corporation (IDC), die hochvolumige ECA-Fazilitäten mit deutschen und europäischen Banken für die Finanzierung ihrer Investitionsprojekte abgeschlossen haben.

Aufgrund der Volatilität der Finanzmärkte stellt insbesondere die weitgehend konstante Prämiengestaltung von Hermes und anderer europäischer Kreditversicherer einen großen Vorteil und damit eine sichere Kalkulationsbasis für diese Art von Finanzierungen dar, denn die ECA-Prämie gilt als eine Hauptkomponente der Preisgestaltung bei ECA-Finanzierungen. Aufgrund der Länderklassifizierung Südafrikas in Kategorie 3 (von 7) gilt die Prämie als moderat. Die langfristige Refinanzierung ist zwar seit Beginn der Finanzkrise für jede Bank teurer geworden. Dennoch werden die gestiegenen Refinanzierungsaufschläge über den Referenzzinssätzen wie LIBOR oder EURIBOR durch die ebenfalls seit diesem Zeitpunkt enorm gefallenen Referenzzinssätze kompensiert. Damit sind die Gesamtkonditionen für ECA-gedeckte Finanzierungen sogar teilweise attraktiver als vor der Finanzkrise.

Das Finanzierungsverhalten Südafrikas, der größten Volkswirtschaft Afrikas mit einem Anteil von ca. 25% am gesamten BIP Afrikas, ist insbesondere aufgrund der sehr gut entwickelten Wirtschaftsstruktur des Landes nicht repräsentativ für andere Länder in dieser Region.

Bei Exporten in die anderen Länder des südlichen Afrikas ist das Interesse an der Absicherung von Zahlungsrisiken aufgrund der weitaus schwierigeren wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen enorm hoch. Es kommen unterschiedliche Finanzierungsprodukte zum Einsatz, die von Akkreditiven, langfristigen ECA-Finanzierungen über die Exportvorfinanzierung von Rohstoffen bis hin zu Gegengeschäften, Hermes-gedeckten Bestellerkrediten und – im Zusammenhang mit der Rohstoffsicherung für die Bundesrepublik Deutschland – ungebundenen Finanzkrediten reichen. Das gängigste Instrument der Zahlungsabsicherung ist das Akkreditiv.

Komplexere Finanzierungen, zu denen in Afrika auch der sonst als Standardprodukt geltende langfristige ECA-gedeckte Bestellerkredit zählt, sind derzeit aus verschiedenen Gründen nur gelegentlich zu finden. Erschwerend erweist sich außerdem, dass die teilweise ausufernde Bürokratie enorme zeitliche Verzögerungen beim Zustandekommen der Liefergeschäfte wie der Finanzierungen verursacht. Möglicherweise liegt auch darin ein Grund für die Zurückhaltung deutscher Unternehmen, in diesen Märkten zu investieren.

Langfristige ECA-gedeckte Bestellerkredite wurden bisher in Ländern wie z.B. Angola, Nigeria, Ghana, Kenia, Mosambik abgeschlossen, die meisten davon mit Bestellern im öffentlichen Sektor. In diesem Bereich kommen Auflagen des Internationalen Währungsfonds („IWF“) im Hinblick auf kommerzielle Kreditaufnahmen zum Tragen, wenn das jeweilige Land zu den sog. HIPC-Ländern (Highly Indebted Poor Countries) zählt, für die ein Schuldenerlass beschlossen und umgesetzt wurde, und/oder der IWF mit eigenen Fazilitäten in diesen Ländern investiert ist.

Die Mitgliedsstaaten der OECD haben sich Anfang 2008 im Einklang mit den o.g. Regularien von Weltbank und IWF verpflichtet, bei der Vergabe von Exportkrediten für Geschäfte mit dem staatlichen Sektor bzw. staatlichen Unternehmen in einem definierten Länderkreis besondere Prüfmechanismen anzuwenden. Damit soll eine Neuverschuldung ärmerer Entwicklungsländer vermieden werden, die einer Entschuldung entgegenlaufen wür-de. Kommerzielle Exportkredite dürfen nur gewährt werden, wenn diese nicht die Pflichten des Landes zu konzessionärer Kreditaufnahme verletzen. Dieses Prozedere wurde unter dem Begriff „Sustai- nable Lending Practices“ festgesetzt.

Für einige Länder gibt es von IWF und Weltbank genehmigte Limite, innerhalb derer das jeweilige Land kommerzielle Finanzierungen, d.h. Finanzierungen zu Marktkonditionen, aufnehmen darf. Das Land darf entscheiden, welche Projekte innerhalb dieser Freigrenzen kommerziell finanziert werden sollen. Ist dieser Rahmen einmal ausgeschöpft, sind weitere Finanzierungen nur mit einer schwer zu erhaltenden Ausnahmegenehmigung des IWF oder der Weltbank darstellbar.

Grundsätzlich sind derartige Mechanismen sicher ein sinnvolles Mittel zur Überwachung der Neuverschuldung. Solange allerdings die chinesische Regierung, für welche die OECD-Regularien nicht gelten, weiterhin ungebremst und unkontrolliert Kredite nach Afrika vergibt, wird die Zurückhaltung bzw. Erschwerung der Kreditvergabe von OECD-Mitgliedsländern nicht dazu führen, eine übermäßige Neuverschuldung von Entwicklungsländer zu verhindern. Dies führt nur dazu, die deutschen Exporte in diese Länder weiter zu erschweren.

Außerhalb Südafrikas gibt es in Afrika bis jetzt noch keine ausreichend entwickelte Privatindustrie. Selbst die wenigen vorhandenen Privatunternehmen qualifizieren sich derzeit bis auf wenige Ausnahmen nicht für die Aufnahme von internationalen Finanzierungen. Qualitativ und inhaltlich nicht zufriedenstellende Jahresabschlüsse, sofern solche überhaupt vorhanden sind, machen einen Evaluierungsprozess für potentielle ausländische Kreditgeber als Voraussetzung für eine Kreditvergabe nahezu unmöglich.

In solchen Fällen besteht allerdings die Möglichkeit, Finanzierungen unter Einschaltung von lokalen Banken trotzdem zu arrangieren, sofern diese bereit sind, das Projekt- und Adressrisiko des jeweiligen Importeurs zu übernehmen. Die lokalen Banken haben durch ihre Präsenz vor Ort andere Möglichkeiten der Kreditüberwachung und -besicherung. Die BHF-BANK verfügt über jahrzehntelange positive Erfahrungen bei der Absicherung und Finanzierung von handelsbezogenen Transaktionen in vielen Ländern des afrikanischen Kontinents.

Textkasten:
„Sustainable Lending Practices“:
www.olis.oecd.org/olis/2008doc.nsf/LinkTo/NT000031BE/$FILE/JT03246229.PDF

List of Low-Income Countries Subject to the Non-Concessional Borrowing Policy of the IMF and/or IDA:
www.oecd.org/dataoecd/2/57/40817749.pdf

Kontakt: sylvia.sedlacek[at]bhf-bank.com

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