2009 hat China in einem ersten Schritt den Renminbi für den Auslandszahlungsverkehr freigegeben. Zunächst auf die drei asiatischen Offshoreregionen Hongkong, Macau und die ASEAN-Staaten beschränkt, ist der Handel in der chinesischen Währung seit Juni 2010 mit allen Ländern weltweit möglich. Zwar ist das Pilotprogramm aktuell auf 20 Provinzen beschränkt, gleichwohl deckt es damit einen großen Teil der Wirtschaft im Reich der Mitte ab. Exporteure können von der Abwicklung in Renminbi profitieren.

Von Karl-Heinz Schröder, Leiter Trade Finance/Cash Management Corporates Deutschland Nord, Deutsche Bank AG

Die Fachleute sind sich einig: Die Frage ist nicht, ob China einmal die größte Wirtschaftsnation der Welt sein wird, sondern wann. Schon heute hat sich China zu einem der wichtigsten deutschen Handelspartner entwickelt. Im Jahr 2009 wurden von Deutschland Waren im Wert von 36,5 Mrd Euro nach China ausgeführt. Mit einem Anteil von 4,5% am Wert aller deutschen Ausfuhren nahm China 2009 exportseitig Platz 8 unter allen deutschen Handelspartnern ein (2008: Platz 11). Das Wachstum hat in diesem Jahr noch einmal deutlich zugelegt. Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren nach China gegenüber den ersten sechs Monaten 2009 um 55,5% auf 25,2 Mrd Euro. Damit lag der Anteil Chinas an den deutschen Exporten sogar bei 5,5%, ein Indiz dafür, dass die Bedeutung Chinas als deutscher Handelspartner weiter zunehmen wird.

Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass China 2009 und 2010 Maßnahmen zu einer Internationalisierung seiner Währung, des Renminbi, ergriffen hat. Bis Juli 2009 zirkulierte der Renminbi ausschließlich in China. Ob ausländische Unternehmen nun nach China exportierten oder aus China importierten – der gesamte Außenhandel musste in der Regel in US-Dollar oder Euro abgewickelt werden. Tauschen konnten die chinesische Währung nur Unternehmen in der Volksrepublik. Unternehmen, die sowohl ex- als auch importieren, konnten zudem ihre Eingänge aus Lieferungen und Leistungen nicht mit ihren ausgehenden Zahlungen auf einem Konto saldieren.

Seit dem im Juli 2009 aufgelegten „Pilot Program of Renminbi Settlement of Cross-Border Trade Transactions” hat sich hier einiges verändert. China hatte in einem zunächst auf fünf Städte begrenzten Pilotprojekt den Renminbi erstmals als Zahlungsmittel im internationalen Warenhandel mit Hongkong, Macau sowie den ASEAN-Staaten zugelassen. Im Juni 2010 wurde die Erlaubnis, solche Importe in Renminbi abzuwickeln, auf alle Unternehmen in 20 chinesischen Provinzen erweitert (Exporte aus China dürfen in Renminbi nur von dafür autorisierten Unternehmen getätigt werden). Damit können heute etwa 90% des Importvolumens in Renminbi dargestellt werden. Darüber hinaus ist der Handel in der chinesischen Währung nicht mehr nur mit den drei asiatischen Offshoreregionen möglich, sondern mit allen Ländern weltweit – und auch nicht mehr nur bezogen auf Waren, sondern auch auf Dienstleistungen.

Diese Erweiterungen haben dem Handel in Renminbi einen deutlichen Schub gegeben. Das Volumen der in der chinesischen Währung abgewickelten internationalen Handelsgeschäfte hat sich im dritten Quartal 2010 mehr als verdoppelt. Nach Angaben der People’s Bank of China (PBOC) wurden von Juli bis September Geschäfte im Umfang von 126,5 Mrd RMBY (13,5 Mrd Euro) in der heimischen Währung abgerechnet. Das entspricht einem Anstieg um 160% gegenüber dem zweiten Quartal.

Wollte man die Veränderungen seit dem Start des Pilotprogramms auf einen Nenner bringen, so könnte man sagen: Der Renminbi wurde für Zahlungen, denen Lieferungen von Waren und Dienstleistungen zugrunde liegen, freigegeben. Damit ist er zwar nicht frei konvertierbar, aber es gibt den Renminbi seitdem auch außerhalb Chinas.

Unternehmen können weltweit Renminbi-Konten in ihren Heimatländern führen. Diese Konten können für sämtliche Transaktionen – Cash-Management, Trade- Finance etc. – genutzt werden. Renminbi-Guthaben auf solchen Offshorekonten können jederzeit in andere Währungen getauscht werden. Gleichzeitig ist es ausländischen Unternehmen möglich, sogenannte Renminbi Non-Resident Accounts in China zu eröffnen. Hierzu bedarf es der Genehmigung der PBOC. Renminbi-Guthaben auf solchen Konten können zwar für weitere Handelstransaktionen verwendet, aber nicht in andere Währungen getauscht werden.

Die Freigabe des Renminbi für den Auslandszahlungsverkehr hat für die Beteiligten einige Vorteile. Der chinesische Importeur, der von seinem Lieferanten bislang eine Rechnung in US-Dollar erhielt, wird selbstverständlich lieber in seiner Heimatwährung bezahlen, da er diese schließlich auf seinem Konto hat. Seit Juli 2009 besteht diese Möglichkeit, wenngleich der Bezug von Waren und Dienstleistungen immer noch dokumentiert werden muss.

Exporteure sollten hier Folgendes im Auge behalten: Chinesische Käufer haben fortan den Anreiz, Importe in ihrer Heimatwährung anstatt in einer Fremdwährung abzuwickeln. Vor allem gegenüber großen und einflussreichen Abnehmern oder Lieferanten ist dies ein Aspekt der Wettbewerbsdifferenzierung. Exporteure haben zudem die Möglichkeit, zusätzliches Geschäft zu generieren, wenn sie in der Lage sind, Exporte in Renminbi abzuwickeln. Umgekehrt ist es ein zusätzliches Verkaufsargument, Handelsgeschäfte auch in der chinesischen Währung ausführen zu können. Allerdings ist der Dokumentationsaufwand eines chinesischen Importeurs bei grenzüberschreitenden Zahlungen gegenüber der State Agency for Foreign Exchange (SAFE) derzeit noch unverändert hoch, unabhängig davon, ob die Begleichung der Rechnung in US-Dollar, Euro oder Renminbi erfolgt.

Damit nimmt der Exporteur dem Käufer in China das Währungsrisiko ab. Zwar geht es dann auf ihn über, aber ein Währungsrisiko gab es für Exporteure auch schon vor der Reform – etwa wenn sie eine Tochtergesellschaft in China hatten. Diese musste Zahlungen in Renminbi in beispielsweise US-Dollar oder Euro konvertieren, bevor sie sie an die Muttergesellschaft weiterleiten konnte.

Jetzt können chinesische Importeure durch eine Bezahlung in Heimatwährung ihr Währungsrisiko und die damit verbundenen Kosten der Absicherung reduzieren. Sie profitieren von den positiven Effekten einer Verlagerung des Wechselkursrisikos von China ins Ausland. Eine chinesische Tochtergesellschaft, die in Renminbi fakturiert, muss den entsprechenden Betrag nicht mehr konvertieren und hat damit auch kein Währungsrisiko mehr. Dies wird auf die Muttergesellschaft übertragen. Wie bei allen anderen Fremdwährungsgeschäften muss sie für den Renminbi Kurssicherungsgeschäfte vornehmen. Hierfür stehen „offshore“ die bekannten Sicherungsinstrumente wie beispielsweise Devisentermingeschäfte zur Verfügung. Auf diesem Wege kann die Muttergesellschaft den Renminbi vereinfacht in ihr zentrales FX- und Treasury-Management integrieren.

Zusammengefasst: Unternehmen, die Handelsgeschäfte in Renminbi abwickeln, können ihren Kunden in China das Wechselkursrisiko abnehmen, es von China in ihr Heimatland verlagern und dort besser steuern. Aber nicht nur das: Sie verfügen zudem über eine weitere Option, in welcher Währung sie grenzüberschreitende Handelstransaktionen in China ausführen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Kunden- und Lieferantenbasis zu erweitern, indem sie auch Geschäfte mit chinesischen Unternehmen machen können, die nur einen begrenzten Zugang zu Fremdwährungen haben.

Darüber hinaus können Unternehmen, die Im- und Export betreiben, Eingänge aus Lieferungen und Leistungen mit Zahlungsausgängen auf einem Renminbi-Konto in Europa oder Hongkong saldieren. Das reduziert das Risiko und letztlich die Kosten. Denn: Der Cashflow in Renminbi ist eine Art „natürliche“ Absicherung. Unternehmen müssen nur noch Spitzen ausgleichen, für die dann Konvertierungskosten anfallen.

Exporteure, die ihre Geschäfte in Ren­minbi abwickeln wollen, sollten dafür zum einen auf ein wirkungsvolles Cash-Management (Zahlungsverkehr, Liquiditätsmanagement) Wert legen, zum anderen auf sachgerechte internationale Trade-Finance-Lösungen. Dazu gehören beispielsweise dokumentäre Zahlungen, Akkreditive, Inkassi, Garantien sowie die Onlineinitiierung und -überwachung von Handelsgeschäften, anhand derer sie die geschäftlichen und politischen Risiken des Handelsgeschäftes steuern können.

Kontakt: karl-heinz.schroeder[at]db.com

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