In der Exportfinanzierung gewinnt der Faktor Zeit zunehmend an Bedeutung. Der Trend geht derzeit in vielen Ländern Europas hin zu einer Verlängerung der Zahlungsziele, da vor allem mittelständische Unternehmen aufgrund schwieriger Finanzierungs­bedingungen vermehrt Lieferantenkredite nutzen. Mit Finetrading können Exporteure ihren Abnehmern großzügige Zahlungsfristen gewähren, ohne erhöhte Ausfallrisiken in Kauf nehmen zu müssen.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, DFT Deutsche Finetrading AG

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Die Konjunktur in den europäischen Ländern zeigt sich derzeit alles andere als homogen: Während Deutschland dank eines soliden Wirtschaftswachstums und niedriger Arbeitslosenquote zuletzt einen Haushaltsüberschuss ausweisen konnte, haben andere Länder wie Frankreich oder Italien mit wirtschaftlicher Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Das wirkt sich auch auf das Zahlungsverhalten aus, das auf europäischer Ebene regelmäßig von der Finanzdienstleistungsgruppe EOS untersucht wird. Der aktuellen EOS-Studie zum Zahlungsverhalten in Europa zufolge ist zu befürchten, dass sich die Zahlungsmoral in etlichen EU-Ländern nach einer positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren nun wieder verschlechtern könnte.

Noch hat sich die Zahlungsmoral im europäischen Durchschnitt nicht entscheidend verschlechtert – allerdings mehren sich die dunklen Wolken am Horizont. In Westeuropa wurden zuletzt 80%, in Osteuropa 74% der Rechnungen pünktlich bezahlt. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies in beiden Hälften Europas ein leichter Rückgang um jeweils 1 Prozentpunkt. Beim Blick auf die Forderungsausfälle leuchten in Griechenland, Ungarn und der Slowakei Warnsignale: Während im europäischen Durchschnitt die Ausfallquote bei 3% liegt, hat sich in diesen drei Ländern der Anteil der Forderungsausfälle auf 5% erhöht.

Nur in Spanien verkürzen sich die Zahlungsfristen

Dazu kommt, dass beim Einräumen von Zahlungszielen auf Seiten der Gläubiger eher ein Trend zur Großzügigkeit zu beobachten ist. Europaweit verlängerten sich die durchschnittlichen Zahlungsziele um zwei Tage auf nunmehr 36 Tage. Besonders auffällig ist die Verlängerung in Ungarn, wo Unternehmen ihren Kunden jetzt eine sieben Tage längere Zahlungsfrist einräumen als zuvor. Auch in Großbritannien ist mit einem Plus von vier Tagen auf durchschnittlich 35 Tage eine großzügigere Haltung der Lieferanten zu beobachten. Rückläufig ist die Entwicklung nur in Spanien, wo sich die durchschnittliche Zahlungsfrist um zwei Tage auf 40 Tage verkürzt hat.

Vor diesem Hintergrund haben sich die Erwartungen an die künftige Entwicklung der Zahlungsmoral eingetrübt. Nur noch eines von vier Unternehmen geht davon aus, dass sich die Zahlungsmoral seiner Kunden verbessern wird. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 4 Prozentpunkte.

Lieferantenkredit als Alternative zur Bankfinanzierung?

Bei der Nennung von Gründen für Zahlungsverzug finden sich die Angaben, die man üblicherweise vermutet: Am häufigsten geben Geschäftskunden Liquiditätsengpässe als Grund für verspätete Zahlungen an, als weitere Gründe werden unter anderem Zahlungsausfälle bei eigenen Kunden, die aktuelle Konjunktur und rückläufige Aufträge genannt. Den größten prozentualen Zuwachs verzeichnet mit einem Plus von 4 Prozentpunkten auf 31% die Begründung, Lieferantenkredite durch ein möglichst langes Hinausziehen der Zahlung ausnutzen zu wollen.

Die Ausdehnung bei der Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten deutet darauf hin, dass trotz Niedrigzinsen die Suche nach Kreditgebern für viele Unternehmen in Europa ein schwieriges Unterfangen bleibt. Davon betroffen sind vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen, denen im Vergleich zu Großkonzernen der Zugang zu kapitalmarktbasierten Finanzierungen verschlossen ist.

Während der deutsche Mittelstand derzeit überwiegend einfachen Zugang zu Bankkrediten hat, sieht es vor allem in südeuropäischen Ländern anders aus – dort leiden oftmals gerade die kleineren Banken, die traditionell Geldgeber des Mittelstands sind, unter Kapitalknappheit, Kreditausfällen und den verschärften Regulierungsvorschriften.

Auswirkung auf Exportunternehmen

Für mittelständische Betriebe in Deutschland, die an ebenfalls mittelständische Abnehmer in anderen EU-Ländern liefern, können sich diese Trends auf die Exportaktivitäten auswirken. Zum einen stellt sich die Frage, wie der Exporteur mit länger werdenden Zahlungszielen umgeht – denn daraus resultiert letztlich ein höherer Vorfinanzierungsbedarf für die Abwicklung von Exportaufträgen. Zum anderen wird es für Abnehmer in einigen EU-Ländern zunehmend schwierig, für die Finanzierung eines größeren Einkaufsvolumens einen Kreditgeber zu finden. Das kann dazu führen, dass größere Aufträge in finanzierbare Tranchen aufgesplittet werden, was jedoch sowohl für den Abnehmer wie auch für den Lieferanten weniger effizient ist als eine größere Komplettlieferung.

Exportunternehmen, deren Kunden schwerpunktmäßig aus mittelständischen Betrieben bestehen, sollten daher überlegen, ob es nicht sinnvoll sein kann, dem Auslandskunden nicht nur die Lieferung der Waren, sondern dazu gleich auch eine passende Finanzierungslösung mit anzubieten. Wird dabei kein externer Finanzierungspartner mit einbezogen, besteht die Lösung zumeist darin, dem Abnehmer ein verlängertes Zahlungsziel oder die Begleichung der Rechnung in mehreren Raten anzubieten. Dabei erhöht sich jedoch nicht nur der Bestand an offenen Forderungen in der betriebswirtschaftlichen Auswertung, sondern auch das Ausfallrisiko – denn dieses steigt im Regelfall an, wenn sich die Zahlungsfristen verlängern oder der Lieferant über die Ratenzahlung praktisch zum Kreditgeber wird.

Auslagerung der Finanzierung

Vor diesem Hintergrund erscheint es meist empfehlenswert, die Finanzierung mitsamt den damit verbundenen Risiken an einen externen Partner auszulagern. Bei Exportgeschäften kommt jedoch die Hausbank kaum in Frage, da diese dann einen neuen Geschäftskunden im Ausland aufnehmen müsste – für die im Mittelstand besonders stark präsenten Sparkassen und Genossenschaftsbanken wäre dies schon allein wegen des Regionalprinzips von vornherein ausgeschlossen.

Als Alternative zu einer Bank als Kreditgeber kann auch eine Finetrading-Finanzierung als bankenunabhängige Lösung in Betracht gezogen werden. Bei Finetrading handelt es sich um ein einfach zu handhabendes Finanzierungsmodell, das auf einem Handelsgeschäft anstatt auf einem Kreditvertrag beruht. Der Finetrader wird als Zwischenhändler in das Exportgeschäft eingebunden, indem er die Waren vom Exporteur erwirbt und sie im gleichen Zuge an den Abnehmer weiterveräußert. Die Finanzierung erfolgt dabei über die unterschiedlichen Zahlungsziele: Während der Finetrader die Rechnung des Lieferanten sofort begleicht, kann sich der Abnehmer mit der Bezahlung bis zu sechs Monate Zeit lassen. Bei Investitionsgütern ist ein Zahlungsziel von zwölf Monaten möglich.

Flexible Einsatzmöglichkeiten

Je nach Art der Geschäftsbeziehung können über Finetrading wahlweise einzelne Exportgeschäfte finanziert oder Finanzierungslinien eingerichtet werden. Letztere können innerhalb des Finanzierungsrahmens flexibel in Anspruch genommen werden und funktionieren damit ähnlich wie ein klassischer Kontokorrentkredit.

Da der Finetrader als Zwischenhändler nur die Finanzierungsfunktion übernimmt, können Lieferant und Abnehmer wie gewohnt ihre Preis- und Liefermodalitäten untereinander aushandeln. Auch die physische Lieferung der Ware erfolgt direkt vom Lieferanten an den Abnehmer.

Gerade für mittelständische Exportunternehmen bietet Finetrading neben der einfachen Handhabung und der sofortigen Generierung von Liquidität noch einen weiteren Vorteil: Befindet sich der Sitz des Finetraders in Deutschland, kann aus Sicht des Verkäufers die Transaktion wie ein Inlandsgeschäft abgewickelt werden.

Weil der Finetrader die Bonitätsprüfung des im Ausland ansässigen Abnehmers übernimmt, braucht der Exporteur keine eigene Länderexpertise aufzubauen. Für viele mittelgroße Exportunternehmen kann dieses Modell somit den Weg für Exportgeschäfte bereiten, die ansonsten aufgrund eines erschwerten Kreditzugangs des Kunden im Ausland schwierig zu realisieren wären.

Kontakt: info@dft-ag.de

 

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