Während Donald Trump die industrielle Erneuerung der USA mit Drohungen und Zöllen erreichen will, widmen sich die deutschen Exportunternehmen den Chancen der digitalen Transformation. Der 3. Deutsche Exporttag, der am 23. Oktober in Mannheim stattfindet, blickt auf die Erfolgsrezepte führender Unternehmen. Aber auch die aktuellen Herausforderungen stehen im Fokus der Diskussionen und Workshops.

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Sinkende Kosten werden den Welthandel in den kommenden Jahren beflügeln. Damit rechnet die Welthandelsorganisation WTO in ihrem aktuellen Welthandelsbericht 2018. Vor allem die Anwendung digitaler Technologie dürfte die Transaktionskosten im Handel nach Ansicht der Autoren deutlich verringern. In der Logistik werden sich Automatisierung und intelligente Steuerung bemerkbar machen, in der Zollabwicklung ermöglichen Blockchain-Lösungen schnellere und sicherere Abläufe. Auch künstliche Intelligenz, 3-D-Druck und Robotik führen die Experten der WTO als Ursachen einer stärkeren Zunahme des Welthandels an. Die Industrie 4.0 trägt durch eine vorsorgliche Wartung (Preventative Maintenance) von Maschinen und Produkten dazu bei.

Vernetzung trotz Handelshemmnissen

Exporterfolge in unruhigen Zeiten verspricht der Titel der Keynote zu Beginn des 3. Deutschen Exporttags – und greift damit auf, was die deutschen Exporteure aktuell erleben. Dr. Karl-Ulrich Köhler steuert als CEO die Rittal GmbH & Co. KG im zukunftsträchtigen Markt industrieller Vernetzung. Mit Produktionsstätten in den USA und Großbritannien, China und Indien sowie Italien ist der Systemanbieter für Steuerungs- und Schaltanlagenbau sowie IT-Infrastruktur an den Hauptschauplätzen der aktuellen Wirtschaftsnachrichten vertreten. Gerade haben sich die USA, Mexiko und Kanada auf eine neue Handelsvereinbarung geeinigt, die an die Stelle der NAFTA treten soll. China bleibt dagegen Ziel immer neuer Strafzölle der USA. Italien steht vor einer schwierigen finanziellen Gratwanderung. Und in Großbritannien rückt ein harter Brexit näher, der Handel und Produktion für deutsche Unternehmen erschweren dürfte.

Spitzentechnologie im Fokus der Politik

Auch Dr. Heike Wenzel nimmt mit ihrem Unternehmen eine Schlüsselposition in der vernetzten Fertigung ein. Der Messtechnikspezialist Wenzel-Group beliefert vor allem die Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie Energieerzeugung und Medizintechnik. Mit Produktionsstätten in Deutschland und China ist die Wenzel-Group an wichtigen Standorten dieser Branchen vertreten. Die  Auswirkungen eines eskalierenden Handelsstreits zwischen den USA und China könnten gerade in technisch anspruchsvollen Branchen erheblich sein. Technologieexporte nach China, die von den USA als kritisch angesehen werden, könnten sanktioniert werden, und eine intensive Zusammenarbeit mit China könnte sich negativ auf das Geschäft in den USA auswirken.

Finanzierung und Zahlungsrisiken

Auch von der Finanzierungsseite des Exportgeschäfts kommen einige Neuerungen auf die Exportunternehmen zu. So treten Anbieter von Plattformen auf den Markt, die das Management von Forderungen vereinfachen und einen schnellen Verkauf ermöglichen wollen. Dies ­mindert auch die Gefahr von Betrug im Auslandsgeschäft. Wenn es schließlich gelingt, auch die Währungsrisiken abzusichern, steht einem erfolgreichen Geschäft nichts mehr im Wege. Diese Themen greifen einige der Themenforen des 3. Deutschen Exporttages auf. Weitere widmen sich der effizienten Abwicklung von Zoll und Logistik, der neuen EU-Dual-Use-Verordnung sowie den aktuellen Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen in den USA und Lateinamerika.

Politische Leitplanken

Iran-Embargo, Russland-Sanktionen und Lieferungen von Rüstungsgütern – dies sind nur drei der sensiblen Themen, die deutsche Exporteure derzeit bewegen. Wer mit politisch heiklen Märkten Ge-schäfte macht, steht derzeit immer häufiger vor der Frage, ob er mit seinen Exporten das Außenwirtschaftsrecht verletzt, sich in den USA strafbar oder sich zumindest öffentlich angreifbar macht. Auch der Entwurf der neuen EU-Dual-Use-­Verordnung enthält neue Prüferfordernisse. Karl Wendling, Unterabteilungsleiter Außenwirtschaftskontrollen, Asien, Australien im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erläutert in seiner Keynote am Nachmittag die politischen Leitplanken, die der Bund deutschen Exporteuren vorgibt.

Digitale Geschäftsmodelle

Was bringt einen mittelständischen Familienunternehmer aus Lauda-Königshofen dazu, ein Jahr im Silicon Valley zu verbringen? Gunther Wobser setzt auf Innovation, ohne die Kernkompetenzen zu vernachlässigen, Fähigkeit zum Anschluss an andere Systeme und Reaktion auf neue technische Entwicklungen. Ein Zukauf in den USA erweiterte die technologische Palette des Temperierspezialisten LAUDA Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG und führte Wobser in die Region um die San Francisco Bay. Dort lernte er die erfolgreiche Herangehensweise der kalifornischen Start-up-Kultur kennen und nutzte sie für den eigenen Innovationsprozess. Auf dem 3. Deutschen Exporttag stellt Gunther Wobser seine Erfahrungen vor.

Leser des ExportManagers aus der produzierenden Industrie können sich gerne noch zum 3. Deutschen Exporttag anmelden. Unter www.deutscher-exporttag.de stehen das ausführliche Programm zum ­Download sowie eine Anmeldemaske bereit.

gunther.schilling@frankfurt-bm.com

 

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