Im Rahmen einer Befragung von mehr als 2.700 Abonnenten des ExportManagers im Februar 2012 erhielten wir von 349 expor­tierenden Unternehmen Informationen und Einschätzungen zur Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts. Die Befragten äußerten sich mehrheitlich zurückhaltend hinsichtlich der Wachstumsaussichten, erwarten aber zumindest keine deutliche Verschlechterung der Finanzierungsmöglichkeiten und wollen ihre Messeaktivitäten im Ausland verstärken.

Von Lisa Frammelsberger, Redaktion ExportManager, F.A.Z.-Institut

Die Leserbefragung des ExportManagers erreichte alle Unternehmensgrößen: 38% der antwortenden Unternehmen haben 100 bis 1.000 Mitarbeiter. Jeweils rund 30% entfallen auf Kleinunternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten und Großunternehmen mit mehr als 1.000 Angestellten. Das Gros der Unternehmen stammt aus dem verarbeitenden Gewerbe. Dabei stellt der Maschinen- und Anlagenbau mit 30,1% die Mehrheit. Einen weit geringeren Anteil macht die Branche Chemie, Pharmazie und Biotechnologie mit 8,9% aus, gefolgt von Fahrzeugbau und zubehör (4,6%), Nahrungs und Genussmittelindustrie (2,6%) und der Textil- und Bekleidungsbranche (1,7%). Zudem waren Finanzdienstleistungen mit 10% und Handelsunternehmen mit 8,6% unter den befragten Unternehmen vertreten.

Im Jahr 2011 konnte ein Wachstum der deutschen Warenexporte von 11,4% verzeichnet werden. So gibt auch fast die Hälfte (45,3%) der befragten Exportunternehmen an, 2011 ein Wachstum von 10 bis 15% in ihrem Exportgeschäft erreicht zu haben. 32,1% der Unternehmen erzielten lediglich eine unterdurchschnittliche Zunahme der Exporte von weniger als 10%. Allerdings konnten 22,6% der Unternehmen das Jahr mit einem überdurchschnittlichen Wachstum von mehr als 15% beschließen.

Während der DIHK für 2012 ein Anstieg der deutschen Exporte um 6% erwartet, sind die von uns befragten Unternehmen etwas pessimistischer. Auf die Frage, wie sie die Auslandsnachfrage in Bezug auf ihr Unternehmen sehen, antworteten 26,9%, sie rechneten mit einem Anstieg ihrer Exporte um 5 bis 7%, 27,5% erwarten sogar eine Zunahme von über 8%. Aber 24,1% gehen lediglich von einem Zuwachs von bis zu 5% aus, und 21,5% haben die Erwartung, mit ihren Exporten höchstens das Vorjahresniveau zu erreichen.

Asien und Osteuropa stechen als Absatzmärkte mit hohem gegenwärtigen und zukünftigen Potential heraus. 62,2% der antwortenden Unternehmen gaben an, dass sich die Bedeutung Asiens für ihre Exporttätigkeit seit unserer Umfrage im Herbst 2010 verstärkt habe. 27,9% rechnen damit, dass die Region auch 2012 weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Für Osteuropa bestätigten 52,7% der Unternehmen einen Bedeutungsgewinn seit 2010, und 22,5% sahen eine weitere Zunahme im Jahr 2012. Doch auch Südamerika hat Potential und ist für 39,5% der Befragten seit 2010 ein wichtigerer Markt geworden, für 17,9% setzt sich diese Entwicklung 2012 fort.

Auf ihren angestammten Märkten in Westeuropa sowie in Nordamerika und in Afrika registrierten nur gut 18% mehr Befragte eine Zunahme als eine Abnahme. Insgesamt gaben 47,6% der befragten Unternehmen an, dass sich die Anzahl ihrer Absatzmärkte seit Herbst 2010 erhöht habe.

Viele Branchenvertreter und Verbände befürchten eine Erschwerung der Exportfinanzierung aufgrund der in Zukunft voraussichtlich schlechteren Kreditvergabesituation. Diese Sorge wird von den meisten der von uns befragten Unternehmen jedoch nicht geteilt. 69,6% sehen für das Jahr 2012 keine Verschlechterung der Möglichkeiten zur Exportfinanzierung. Lediglich 18,3% betrachten diese im Geschäftsjahr 2012 als problematischer.

Auf die Frage, welche Handelshemmnisse sich 2011 als am hinderlichsten erwiesen hätten, nannten 35,4% die Ausfuhrkontrollen und die Antiterrorlisten in Deutschland. So hat die EU-Kommission den Handel mit dem Iran im Januar 2012 durch neue Sanktionen verschärft und erschwert dadurch die Exporttätigkeit weiter. An zweiter Stelle stehen nichttarifäre Handelshemmnisse in den Zielländern, die von 27% der Befragten genannt wurden. Hierzu zählen unter anderem der Zwang zur lokalen Produktion oder unangemessene Zertifizierungserfordernisse.

Um Vertrauen zu schaffen, Kontakte für zukünftige Geschäftspartnerschaften zu knüpfen und die eigene weltweite Unternehmenspräsenz in Auslandsmärkten und bei Fachpublikum zu verstärken, planen Unternehmen für das laufende Jahr eine leichte Steigerung der Teilnahme an Auslandsmessen. Für das Jahr 2012 gaben 21,2% der Befragten an, ihre Präsenz auf Auslandsmessen erhöhen zu wollen. 2011 hatten bereits 14,6% ihre Messepräsenz erhöht. Das entspricht einer Zunahme der messeaktiveren Unternehmen um 6,6 Prozentpunkte.

Laut einer aktuellen Befragung des AUMA kommen die deutschen Aussteller auf Messen zu 49% aus dem verarbeitenden Gewerbe, gefolgt von Anbietern von Dienstleistungen, die einen Anteil von 33% stellen. Zudem identifiziert die AUMA China, Russland, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und die USA als vorrangige Zielländer für deutsche Veranstalter 2012.

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