Im Zeitraum September bis Oktober 2010 befragten wir 1.500 Abonnenten des ExportManagers zur Entwicklung ihres Auslandsgeschäfts. Wir bekamen Auskunft von 178 Unternehmen, davon waren 31% aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Die Unternehmen berichteten von einer positiven Exportentwicklung und einem Ausbau der Absatzmärkte inbesondere in Asien. Handelshemmnisse in den Zielländern zählen zu den größten Hürden. Die Verschärfung der Iran-Sanktionen ist für viele Firmen ein relevantes Thema.

Von Sylvia Röhrig, Redakteurin ExportManager, F.A.Z.-Institut

Mehr als die Hälfte der 178 antwortenden Unternehmen stammen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Unter ihnen überwiegt der Maschinen- und Anlagenbau (Anteil: 31,5%), gefolgt von den Branchen Chemie, Pharma und Biotechnologie (8,4%), Nahrungsmittel- und Genuss­industrie (3,9%) sowie Fahrzeugbau und zubehör (2,8%). Relativ stark vertreten waren zudem Handelsfirmen (9%) sowie Bau und Handwerksbetriebe (8,4%).

Fast ein Viertel (24,7%) der befragten Unternehmen sind kleine Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern. Der Anteil der mittelgroßen Unternehmen mit 100 bis 1.000 Mitarbeitern dominiert mit 46,6%. Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind zu 25,8% vertreten.

Exportbelebung auf breiter Front

Mit einem Zuwachs der Exporte um 17% gegenüber dem Vorjahr erlebte die deutsche Exportwirtschaft im ersten Halbjahr 2010 einen kraftvollen Aufschwung. Diesen bekam auch der Großteil der befragten Unternehmen unserer Umfrage zu spüren. 70% von ihnen verzeichneten im ersten Halbjahr 2010 einen Zuwachs ihrer Exporte um mindestens 15%. 23% der Unternehmen registrierten sogar überdurchschnittliche Exportsteigerungen von mehr als 20%.

Vom Konjunkturaufschwung profitieren vor allem die Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, insbesondere des mittleren Segments 100 bis 1.000 Mitarbeiter. Allerdings ist der Anteil der Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Absatzentwicklung im Ausland (30%) auch noch relativ hoch.

37% der befragten Unternehmen haben Maßnahmen ergriffen, um neue Absatzmärkte zu erschließen. Für den Großteil der Firmen (57,3%) ist die Zahl der Absatzmärkte seit Herbst 2009 konstant geblieben, was allerdings auch auf eine bereits breite Positionierung vieler Firmen schließen lässt. Nur 5,6% der Unternehmen zogen sich aus Absatzmärkten zurück.

Asien mit hoher Dynamik

Die stärksten Nachfrageimpulse wurden in den asiatischen Märkten registriert. Rund 63% der befragten Unternehmen haben ihre Exporttätigkeit in diese Region verstärkt. Osteuropa folgt mit Abstand an zweiter Stelle. Besonders häufig wurde allerdings auch die gesunkene Bedeutung von Osteuropa, Nordamerika und Westeuropa genannt, so dass sich in der Nettobetrachtung (Zunahme – Abnahme) Asien und Südamerika als die dynamischsten Märkte darstellen. Auch die Erwartungen hinsichtlich der Exportentwicklung 2011 fallen bei der Mehrheit der befragten Unternehmen positiv aus. Fast 88% der Firmen erwarten Zuwächse beim Auslandsabsatz. Dabei rechnen 19,7% der Unternehmen mit Exportsteigerungen um mehr als 10% gegenüber dem Vorjahr. 38,8% der Firmen erwarten Zuwächse im Bereich von 5 bis 10% und 29,2% Steigerungen um bis zu 5%. Nur 10% der befragten Unternehmen gehen von einer Stagnation ihrer Auslandsumsätze aus und 2,2% von sinkenden Auslandsverkäufen.

17,4% der Befragten waren 2010 stärker als im Vorjahr auf Auslandsmessen präsent. 14% der Unternehmen haben ihre Messebeteiligung zurückgefahren. Im Jahr 2011 wollen 16,3% der befragten Unternehmen ihre Messepräsenz im Ausland verstärken und nur noch 7,9% diese verringern. Per saldo erhöht sich also die Messebeteiligung der Unternehmen leicht, was sich auch mit dem Gesamtbild einer Erholung der Messetätigkeit deckt.

Handelshemmnisse in den Zielländern

Warenlieferungen ins Ausland müssen sich sowohl im Ausgangs- als auch im Zielland verschiedenen Regelungen unterwerfen. 2009 wurde die elektronische Zollanmeldung (ATLAS) in Deutschland eingeführt. Zudem wurde die Ausfuhrkontrolle in Hinsicht auf den Abgleich beteiligter Personen mit den Antiterrorlisten verschärft.

Wir fragten danach, welche Regelungen für das Auslandsgeschäft am stärksten hinderlich seien. Für 53% der Befragten zählen die Handelshemmnisse in den Zielländern zu den größten Hürden. Die elektronische Zollanmeldung war für 42,7% mit hohem Aufwand verbunden. Die Ausfuhrkontrollen empfanden 47,2% der Unternehmen als hinderlich.

Durch die Verschärfung der EU-Sanktionen gegen den Iran hat sich die Ungewissheit über die Rechtmäßigkeit von Iran-Geschäften erhöht. Hiervon ist immerhin gut ein Drittel der Befragten (36,3%) berührt, die im Iran engagiert sind. 21,3% der Unternehmen prüfen jede Anfrage genau und exportieren selektiv. 14,6% der Befragten fühlen sich durch die Verschärfung der Sanktionen nicht gehindert, da ihre Waren sowie ihre Kunden unbedenklich sind. Und etwa die Hälfte der befragten Unternehmen ist davon nicht betroffen, weil sie kein Geschäft mit dem Iran betreiben.

Die Zollverwaltung drängt exportierende Unternehmen dazu, den Status eines zugelassenen Wirtschaftsbeteiligten (AEO) zu erwerben. 11,8% der befragten Unternehmen haben diesen Status bereits erreicht. 29,2% der Firmen bereiten sich darauf vor. Zusammen haben sich folglich 41% der Befragten mit dem Thema näher beschäftigt. Gut 59% warten noch ab bzw. machen keine Angaben zu dieser Frage.

Bessere Finanzierungsmöglichkeiten

Die Finanzierung von Exportgeschäften wurde 2009 von vielen Unternehmen stark bemängelt. 2010 stellen sich die Finanzierungsmöglichkeiten für 30,3% der befragten Unternehmen wieder besser dar. Für 36,5% der Unternehmen hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Rund 12% der Unternehmen stoßen auf Schwierigkeiten bei der Suche nach Exportfinanzierungen. Es sind vor allem kleine Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern, die die Finanzierungslage bemängeln.

Von Schwierigkeiten mit Zahlungsausfällen berichten 18,5% der Unternehmen. Bei unserer Frühjahrsbefragung lag dieser Anteil mit 35% noch deutlich höher. Die relative Häufigkeit bezüglich Zahlungsausfällen ist am stärksten bei den mittelgroßen Unternehmen (100 bis 1.000 Mitarbeitern) ausgeprägt. Der Großteil der Befragten (80,3%) hatte 2010 allerdings keine Probleme mit Zahlungsausfällen. Auch die Schwierigkeiten bei der Versicherung der Auslandsforderungen sind geringer geworden, sie stellen sich aber noch für 24,7% der Befragten. 25,3% der Unternehmen haben 2010 die Abdeckung der Forderungsrisiken im Exportgeschäft erhöht.

Textkasten: Neue EU-Richtlinie zu Zahlungsfristen

Am 20. Oktober stimmte das EU-Parlament der neuen Richtlinie zu, die eine allgemeine ­Zahlungsfrist von 30 Tagen vorsieht. Ziel ist es, kleine Firmen vor der verspäteten Zahlung von Rechnungen durch öffentliche Behörden oder private Unternehmen zu schützen.
Die Vereinbarung tritt 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft.
Die Mitgliedsländer haben dann zwei Jahre Zeit, um die neuen Maßnahmen einzuführen.

In Transaktionen zwischen Unternehmen kann die vorgeschriebene Zahlungsfrist von 30 Tagen auf 60 Tage nur verlängert werden, wenn beide Seiten zustimmen. Eine Verlängerung darüber hinaus muss zwischen Gläubiger und Schuldner explizit vertraglich festgelegt ­werden und darf keine grobe Benachteiligung des Gläubigers darstellen. In Transaktionen mit dem öffentlichen Sektor darf die Frist für öffentliche Auftraggeber unter keinen Um­ständen 60 Tage überschreiten. Die Richtlinie regelt auch Zinssatz und Entschädigung für die Beitreibung einer Forderung.

Deutsche Unternehmen halten die neue EU-Richtlinie für wirkungslos bzw. befürchten sogar negative Konsequenzen. Dies fand eine Umfrage des Kreditversicherers Atradius bei 4.000 Unternehmen in 22 Ländern heraus. Grund ist, dass bereits heute schon deutlich ­kürzere Zahlungsziele in Deutschland bestehen. Nach dem aktuellen Zahlungsbarometer von Atradius wollen deutsche Unternehmen im Durchschnitt nach 19 Tagen bezahlt werden und erhalten ihr Geld nach 24 Tagen. Knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen erwartet nun, dass ihre Kunden sich auf die EU-Richtlinie berufen werden und spätere Zahlungen durchsetzen. „Die EU-Richtlinie (…) könnte einen gegenteiligen Effekt haben und für eine Verschlechterung der Zahlungsmoral in Deutschland sorgen“ gibt Atradius-Chef Dr. Thomas Langen zu bedenken.

Für andere EU-Länder mit deutlich schlechterer Zahlungsmoral (Italien, Spanien etc.) stellt die Richtlinie allerdings einen Fortschritt dar. Detaillierte Ergebnisse der Atradius-Studie ­können unter Kontakt: www.atradius.de abgerufen werden.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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