Der Bestellerkredit für kleinvolumige Exportvorhaben ist da

Matthias Wietbrock, Direktor und Leiter der Abteilung Produktberatung, KfW IPEX-Bank, erläutert Ziel und Stand der Entwicklung des neuen Finanzierungsprodukts. Die Fragen stellte Sylvia Röhrig, Redakteurin ExportManager, F.A.Z.-Institut.

Interview mit Matthias Wietbrock, Leiter Produktberatung und Trade Finance, KfW IPEX-Bank GmbH

Herr Wietbrock, die KfW IPEX-Bank stellt seit Anfang dieses Jahres auch für kleinere Exportgeschäfte langfristige Finanzierungen zur Verfügung. Welches Ziel verfolgt sie damit?

Für großvolumige Exportvorhaben be-steht bereits seit langem ein ausreichendes Angebot an Finanzierungen – häufig mit der Einbindung von Exportkreditversicherungen. Für kleinere, langfristige Exportgeschäfte fehlen dagegen bislang nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten. Diese Angebotslücke wollten wir schließen.

Warum werden kleinere Exportgeschäfte von den Geschäftsbanken so schlecht bedient?

In der Regel haben Geschäftsbanken, die sich mit strukturierter Exportfinanzierung beschäftigen, und das trifft auch auf die KfW IPEX-Bank zu, einen Aufbau, der im Grunde für kleinere Volumina viel zu groß und sperrig ist. Es ist so, als würden Sie mit einem spezialisierten Baufahrzeug Brötchen holen. Für viele Banken ist die Finanzierung kleiner Exportgeschäfte wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Für kleinere Exportgeschäfte stehen somit nur klassische Instrumente zur Verfügung, wie z.B. das kurzfristige Akkreditiv oder die Forfaitierung, also Instrumente, die ihr Finanzierungsproblem nicht adäquat lösen. Auch der sogenannte Bankenrahmen, ein Instrument, bei dem die deutsche Geschäftsbank über die Geschäftsbank des Bestellers eine Finanzierung zur Verfügung stellt, ist keine optimale Lösung, da er zu Lasten der bestehenden Kreditlinien geht.

Wir sind in der KfW IPEX-Bank schon seit langem auf der Suche nach einem marktkonformen und nachhaltigen Instrument und haben festgestellt, dass es nur in Kooperation mit einem Anbieter gehen kann, der sich ausschließlich auf das Geschäft kleinvolumiger Exportkredite fokussiert und vom Aufbau sowie von den Prozessen her sehr schlank gestaltet ist. Diesen Anbieter haben wir in Kanada mit der North Star Trade Finance bzw. ihrer im Sommer 2009 in Luxemburg gegründeten Tochter Northstar Europe S.A. gefunden.

Wie ist die Struktur von Northstar Europe, und was sind ihre Ziele?

Northstar Europe ist ein Joint Venture der kanadischen Northstar Trade Finance (Anteil: 66%) mit der luxemburgischen Förderbank SNCI (17%) sowie dem luxemburgischen staatlichen Exportkreditversicherer Office du Ducroire (17%). Ziel der Gesellschaft ist es, ausländischen Käufern euro­päischer Exporte Bestellerkredite zwischen 1 und 5 Mio Euro mit Laufzeiten bis zu fünf Jahren zur Verfügung zu stellen. Dabei kann sich Northstar Europe auf über 16 Jahre Erfahrung der Muttergesellschaft in Kanada stützen. Seit Mitte der 90er Jahre hat die Northstar Trade Finance bereits ein Exportvolumen von 2 Mrd Can$ in Nordamerika finanziert. Es handelt sich also um eine erfolgreiche Finanzinstitution, die über eine adäquate Kreditverwaltung verfügt und ein bewährtes Produkt anbietet.

Wie ist der Stand der Geschäftsgründung und -entwicklung von Northstar Europe?

Die Gründung wurde 2009 vollzogen. Die Bank verfügt über eine eigene Bank­lizenz und ist funktionsfähig. Allerdings befindet sie sich bezüglich Personal derzeit noch im Aufbau. Das Exportkreditgeschäft soll zunächst schwerpunktmäßig in Deutschland mit Hilfe der KfW IPEX-Bank entwickelt werden. Grundsätzlich strebt Northstar Europe aber eine europäische Lösung, also eine Finanzierungsplattform für ganz Europa an. So laufen bereits auch schon Vereinbarungen mit Institutionen in anderen europäischen Ländern wie Schweden und Österreich.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen KfW IPEX-Bank und Northstar Europe konzipiert?

Die KfW IPEX-Bank nimmt in erster Linie die Rolle eines Promoters ein. Sie stellt Know-how, Manpower und ihre Kontakte zu den Exporteuren in Deutschland zur Verfügung. Sie ist nicht finanziell an Northstar Europe beteiligt. Northstar Europe refinanziert sich durch eigene Quellen, möglicherweise wird aber auch die KfW in einem begrenzten Umfang zur Refinanzierung beitragen.

Welche Schritte muss der interessierte Exporteur in Deutschland gehen, um die Exportfinanzierung in Anspruch nehmen zu können?

Ein deutscher Exporteur möchte z.B. eine Maschine in die Türkei liefern. Mit dem Bestellerkredit der Northstar Europe bietet er seinem Abnehmer eine Finanzierung an, der Kreditnehmer ist der Käufer in der Türkei. Der deutsche Exporteur stellt den Finanzierungsantrag an die KfW IPEX-Bank. Diese macht eine Vorprüfung – ob das Geschäft grundsätzlich geeignet, ob es deckungsfähig ist etc. Wenn das Geschäft geeignet ist, wird es an die Northstar Europe weitergeleitet. Diese führt eine Kreditprüfung des Bestellers durch. Dabei kann auch eine Prüfung des Exporteurs – wie ist seine Reputation, seine Fähigkeit, den Vertrag zu erfüllen? – miteinbezogen werden.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Kredit bei einer staatlichen Exportkreditversicherung versichert wird. In der Regel wird der luxemburgische Exportkreditversicherer ODL die Erstversicherung und der nationale Exportkreditversicherer – im Falle Deutschlands die Euler Hermes – die Rückversicherung übernehmen. Die Einbindung der Kreditversicherer ist über die Risikoabsicherung hinaus hilfreich für eine schnelle Kreditprüfung, da sie über umfangreiche Kundendaten verfügen.

Nach erfolgreicher Kreditprüfung und Einigung der Akteure über die Vertragsbedingungen wird ein Kreditvertrag zwischen Northstar Europe und dem Besteller abgeschlossen. Die Auszahlung des Kredits an den Exporteur erfolgt durch Northstar.

Worin sehen Sie die wesentlichen Vorteile dieses Finanzierungsinstruments für den Exporteur?

Grundsätzlich ist der Bestellerkredit interessant für den Lieferanten, weil er seinem Abnehmer eine Finanzierung anbieten kann, aber nach der Lieferung der Ware praktisch nichts mehr mit der Finanzierung zu tun hat.

Hinzu kommt, dass viele kleine bis mittelständische Exporteure über keine eigene Finanzabteilung verfügen. Sie können in einem ersten Schritt über uns und später über die Northstar Europe professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Der ganze Kreditprozess verläuft nach dem Prinzip des One-Stop-Shop, d.h., Northstar Europe übernimmt auch die Koordination der Exportkreditversicherung. Der Exporteur profitiert zudem von den jahrelangen Erfahrungen von Northstar mit Bestellern. Weil viele Kunden bekannt sind, kann die Kreditprüfung meist schon in einem Zeitraum von zwei Wochen erfolgen, vorausgesetzt, dass die Unterlagen des Exporteurs bzw. Bestellers vollständig vorliegen. Insgesamt ist der Prozess relativ schlank und schnell.

Ist der Exportkredit mit Sonderkonditionen ausgestattet?

Nein, es handelt sich um einen Marktkredit. Es findet keine Subventionierung statt. Der Vorteil ist, dass das Angebot hierdurch zuverlässig und nachhaltig wird.

Wie war die Resonanz bislang?

Sehr gut, was uns angesichts der Angebotslücke nicht überrascht hat. Seit Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit Northstar Europe Mitte Dezember 2009 sind bei uns etwa 60 Geschäftsanfragen eingegangen. Derzeit bearbeiten wir acht Geschäfte.

Das Angebot ist verfügbar, Transaktionen können abgeschlossen werden, allerdings in der derzeitigen Aufbauphase nur in einem begrenzten Umfang. Das wird sich aber schon im Verlauf von 2010 ändern im Einklang mit dem personellen Aufbau von Northstar Europe in Luxemburg.

Weitere Informationen: Expertenteam KfW IPEX-Bank, E-Mail: Kmu_export@kfw.de

Textkasten 1: DIHK-Umfrage zur Exportfinanzierung

In seiner jüngsten Umfrage zu den Kredit­konditionen seiner Mitglieder erhielt der DIHK im Januar 2010 eine ernüchternde Rückmeldung zu den Finanzierungskonditionen für Exporte. 28% der befragten Unternehmen, die höhere Exporterwartungen geäußert hatten, erlebten eine Verschlechterung der Konditionen, 3% berichteten von Kreditablehnungen. In der Gesamtwirtschaft betrug die Quote der Unternehmen, die ­Verschlechterungen der Kreditkonditionen meldeten, nur 25%.

Bei 12% der befragten Unternehmen mit ­verschlechterten Kreditkonditionen war die Exportfinanzierung sogar Grund für die Verschlechterung – 1 Prozentpunkt mehr als im Herbst 2009. Betroffen waren insbesondere Unternehmen der Hochtechnologie sowie international ausgerichtete Hersteller von Investitionsgütern, allen voran der deutsche Maschinenbau.

Textkasten 2: Befragung Exportmanager

In einer ersten Onlinebefragung baten wir Anfang März mehr als 600 Exportmanager um ihre Rückmeldungen. Aus den vorliegenden Antworten der zumeist kleineren, aber ­überdurchschnittlich erfolgreichen Export­unternehmen lassen sich bereits erste Trends ableiten:

Die Zahl der Absatzmärkte erhöhte sich seit Herbst 2008 für rund 50% der Unternehmen, dabei stieg die Bedeutung Westeuropas und Asiens. Diese Märkte sowie Osteuropa stehen auch 2010 im Fokus.

Die Messepräsenz der Unternehmen war 2009 im Durchschnitt etwas schwächer als in den Vorjahren und soll auch 2010 nicht erhöht ­werden.

Als Hindernisse für den Export wurden staatliche Regelungen in den Zielländern weit häufiger genannt als das neue elektronische Zollverfahren und die Ausfuhrkontrolle in Deutschland.

Die Finanzierung ihrer Exportgeschäfte fiel den Befragten 2009 etwas schwerer als in den Jahren zuvor. Rund ein Viertel der Befragten gewährte verstärkt Lieferanten- kredite.

Etwa ein Drittel der Unternehmen hatte besondere ­Probleme mit Zahlungsausfällen und gut 40% mit Kredit­versicherungen. Nur ein Viertel der Unter­nehmen will seine Forderungen 2010 ­stärker ab­sichern.

Wir setzen die Befragung bis Ende März fort und werden die Ergebnisse in der nächsten Ausgabe des ExportManagers am 14. April 2010 ausführlich dokumentieren.

Kontakt: Matthias.Wietbrock[at]kfw.de

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