Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in der Türkei steigt auch die Nachfrage nach Finanzierungen. Die KfW IPEX-Bank hat in ihrem Kreditportfolio mit der Finanzierung von Energieprojekten einen wichtigen Schwerpunkt gelegt. Finanziert werden darüber hinaus Projekte im Industriesektor, in den Bereichen Telekommunikation , Schiff- und Luftfahrt sowie Infrastruktur. Fatih Yildizhan, Büroleiter der Repräsentanz in Istanbul, erläutert die Aktivitäten der KfW IPEX-Bank vor Ort.

Interview mit Fatih Yildizhan, Leiter Repräsentanz Istanbul, KfW IPEX-Bank GmbH

Herr Yildizhan, wie unterscheidet sich die KfW IPEX-Bank von den übrigen international tätigen Bereichen der KfW Bankengruppe in der Türkei?

Die KfW Bankengruppe ist seit 1961 in der Türkei aktiv. Aus ihrem Geschäftsfeld „Finanzielle Zusammenarbeit“ heraus hat sie in der Türkei zunächst verschiedene Förderprojekte zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes begleitet. Der KfW IPEX-Bank, der seit 2008 rechtlich selbständigen, für Projekt- und Exportfinanzierung zuständigen Tochter der KfW Bankengruppe, kommt diese Erfahrung aus gut 50 Jahren zugute – sie ist für uns ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Die KfW IPEX-Bank steht Unternehmen und Projekten als wettbewerbsorientierter Finanzierungspartner zur Seite. Wir müssen uns mit unseren Produkten und unserem modernen Finanzierungs-Know-how am Markt behaupten. Dabei profitieren wir von einer klaren Branchenstrukturierung, von langjähriger Projekterfahrung und von der Bekanntheit des KfW-Konzerns. Unsere Kredite der Projekt- und Exportfinanzierung werden zu marktmäßigen Konditionen vergeben, d.h., die Anforderungen an die Besicherung und die Verzinsung dieser Darlehen sind denen anderer kommerzieller Banken vergleichbar.

Welche Erfolge kann die KfW IPEX-Bank bei der Unterstützung der türkischen Wirtschaft vorweisen?

Von unserer Repräsentanz in Istanbul aus unterstützen wir vor allem Investitionsvorhaben im vielversprechenden türkischen Energiemarkt. Von insgesamt 1,45 Mrd Euro zugesagtem Kreditvolumen investierten wir allein 450 Mio Euro im Energiesektor.

Können Sie Beispiele für solche Finanzierungen nennen? Was kann man sich darunter vorstellen?

Die KfW IPEX-Bank finanzierte zum Beispiel die ersten drei Gaskraftwerke für EnerjiSA, deren Errichtung quasi der Startschuss für die Privatisierung im Energiebereich war. Darüber hinaus arrangierte die KfW IPEX-Bank in Kooperation mit anderen Banken bereits 2001 die Finanzierung für das 1.210-MW-Kohlekraftwerk Iskenderun, die bis dahin in der Türkei größte ausländische Investition (Investor war die damalige Steag AG, heute zu 51% im Besitz der Evonic Industries).

2006 stellte die Bank dann die Finanzierung für das 160-MW-Kohlekraftwerk der Eren Enerji in Çatalgazi, gefolgt von der Finanzierung verschiedener Kraftwerke für die EnerjiSA. Für diesen Betreiber hat sich die KfW IPEX-Bank 2008 bereits in der Strukturierungsphase der Finanzierung von elf Kraftwerken stark engagiert – und mit Zeichnung des größten Einzelbetrags der internationalen Tranche ihr Vertrauen in den türkischen Energiemarkt deutlich unterstrichen.

Welche Bereiche der türkischen Wirtschaft sind neben dem Energiesektor noch interessant für Finanzierungen der KfW IPEX-Bank?

Die KfW IPEX-Bank hat Kredite für Vorhaben in so gut wie allen Bereichen der türkischen Wirtschaft vergeben – und sich in den Phasen der wirtschaftlichen Krisen nicht aus dem türkischen Markt zurückgezogen. Deutliche Schwerpunkte legten wir neben dem Energiesektor noch auf die Schifffahrt, den Industriebereich, die Verkehrsinfrastruktur, die Luftfahrt und den Telekommunikationssektor.

Hätten Sie auch hier konkrete Beispiele, welche Projekte die KfW IPEX-Bank unterstützte?

Wir finanzierten beispielsweise viele Fährschiffe für UN RoRo (hier bereits 14 Schiffe), Arkas, Ulusoy und IDO. Die Finanzierung des Flughafens in Antalya, die Finanzierung des Containerhafens Marport in der Nähe von Istanbul sowie die Finanzierung diverser Metroprojekte in Istanbul und Bursa basierten ebenfalls auf Krediten der KfW IPEX-Bank. Und auch das TÜV-Türk-Projekt, die Einführung des europäischen TÜV-Standards in der Türkei, haben wir finanztechnisch begleitet.

Welche Finanzierung fand erst kürzlich ihren Abschluss?

Wir finanzierten jüngst für den türkischen Papierhersteller Modern Karton eine Papiermaschine zur Herstellung von Wellpappenrohrpapier. Mit der Investition hat Modern Karton seine Produktionskapazität von 300.000 auf 600.000 Jahrestonnen verdoppelt. Anfang November haben wir einen bilateralen Kredit mit einer Tochtergesellschaft des deutschen Handelskonzerns Metro AG unterzeichnet. Mit dem langfristigen Darlehen der KfW IPEX-Bank finanziert die Metro ihr Wachstum in der Türkei.

Was reizt Sie persönlich an Ihrer neuen Aufgabe als Büroleiter der KfW IPEX-Bank in Istanbul?

Im August 2010 habe ich das Team der Repräsentanz Istanbul übernommen und freue mich auf spannende Jahre in der Türkei. Ich möchte dazu beitragen, das Land wirtschaftlich ein Stück nach vorne zu bringen. Ich sehe viele Möglichkeiten und Potentiale für die türkische Wirtschaft – und mit Hilfe des Finanzierungs-Know-hows der KfW IPEX-Bank können mein Team und ich sicherlich zum Gelingen wichtiger Projekte beitragen. Denn die Finanzierung ist ganz oft ein elementarer Erfolgsfaktor, da braucht man Profis und einen verlässlichen Partner. Die KfW IPEX-Bank ist so ein Partner – und ich bin froh, als Kontaktperson hier vor Ort zur Verfügung zu stehen.

Kontakt: fatih.yildizhan[at]kfw.de

Aktuelle Beiträge