Überall in der Welt steht die Industrie vor großen Aufgaben. In jedem Land steigt mit wachsendem Wohlstand auch der Bedarf an besseren Produkten. Der Schlüssel dafür sind Werkzeugmaschinen. Gesellschaftliche Megatrends wie Ausbau der Infrastruktur, Mobilität, Energie, Ernährung oder Gesundheit fordern mehr Leistungen von der Industrie und kurbeln damit auch den Werkzeugmaschinenverbrauch an. Innovative Produktionslösungen zeigt vom 16. bis 21. September die EMO Hannover 2013.

Von Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer, VDW (Verein Deutscher ­Werkzeugmaschinenfabriken)

Die Schlüsselstellung der Werkzeugmaschinen für die Industrieproduktion zeigt sich eindrucksvoll in der Marktentwicklung. In den vergangenen 20 Jahren bis 2012 hat sich der internationale Werkzeugmaschinenverbrauch auf rund 66 Mrd EUR fast verdreifacht. Innerhalb der Triade – der drei größten Wirtschaftsräume der Welt – nahm Europa mit seiner hochentwickelten Abnehmerindustrie 2012 rund 23% der Weltproduktion auf, Amerika rund 17% und Asien aufgrund des hohen Nachholbedarfs 60%.

Etwas anders sieht die Verteilung in der Werkzeugmaschinenproduktion aus. Mehr als ein Drittel der internationalen Produktion kommt aus Europa, 58% kommen aus Asien und nur 8% aus Amerika.

Das Werkzeugmaschinengeschäft ist global. 34 Länder sind statistisch mit ihrer Werkzeugmaschinenproduktion erfasst. Mehr als die Hälfte ihrer Erzeugung wird gehandelt. Das Volumen ist seit der Jahrtausendwende um 80% gestiegen. Das gilt verstärkt für die europäische Werkzeugmaschinenindustrie. Ihre Erzeugnisse sind weltweit stark nachgefragt. Sie exportiert nahezu 85% der Produktion. 2012 waren es Maschinen im Wert von 19 Mrd EUR und ein Zuwachs von 13%.

2012 erreichten die Exporte der 15 CECIMO-Mitgliedsstaaten 18,8 Mrd EUR – eine Steigerung des bisherigen Rekords aus dem Jahr 2008 um 9%. Europäische Werkzeugmaschinen sind auf den globalen Märkten äußerst wettbewerbsfähig und tragen mit einem positiven Saldo zur europäischen Handelsbilanz bei.

Der europäische Werkzeugmaschinenverband CECIMO hat jüngst analysiert, wie hoch der Anteil höherwertiger Maschinen an der Ausfuhr einzelner Lieferländer ist. Als Kriterium wurde der NC-Anteil – das heißt der Anteil von Maschinen mit numerischer Steuerung – am Gesamtexport herangezogen. Demnach führen Japan, Südkorea und die CECIMO-Länder den Handel mit Hochtechnologie an. Ihre Exporte im spanenden Bereich bestehen zu weit mehr als 80% aus NC-Technologie. In der US-amerikanischen Werkzeugmaschinenindustrie sind es nur 61%, in der chinesischen Branche sogar nur 44%.

Hinzu kommt, dass Hersteller von Produktionstechnik aus aller Welt gerade in Europa einen offenen Markt vorfinden. 76% des europäischen Werkzeugmaschinenverbrauchs werden importiert, wobei die Europäer aufgrund ihrer hohen technologischen Ansprüche mehr als drei Viertel in Europa selbst kaufen. In Amerika ist die Importquote mit 72% geringfügig niedriger, in Asien liegt sie bei nur 44%. Das resultiert u.a. aus dem hohen Gewicht der chinesischen Hersteller, die vor allem für ihren heimischen Markt produzieren. und aus dem nach wie vor weitgehend geschlossenen japanischen Markt.

Im laufenden Jahr erwarten Wirtschaftsforscher nochmals einen Anstieg des internationalen Werkzeugmaschinenverbrauchs um 2% auf das Rekordvolumen von dann rund 68 Mrd EUR. In Europa bleibt der Markt mit 13,5 Mrd EUR weit­gehend stabil. 2014 jedoch soll er wieder stärker Fahrt aufnehmen und um 5% zu­legen.

Die Konsolidierung im laufenden Jahr resultiert vor allem aus dem nach wie vor bestehenden Verlust des Vertrauens in die internationale Wirtschaftsentwicklung. Deshalb erwarten Wirtschaftsforscher, dass das Bruttoinlandsprodukt und die Industrieproduktion in Europa erst im kommenden Jahr wieder zulegen werden. In China, Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft, schwächen sich die zweistelligen Zuwachsraten beim Brutto­inlandsprodukt auf einstellige Zuwächse ab. Dabei verlagern sich die Gewichte. Mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen löst die Konsumgüternachfrage die Investitionsgüternachfrage als Treiber ab. Das gilt für viele Schwellenmärkte weltweit.

Davon profitieren die größten Abnehmerbereiche des Werkzeugmaschinenbaus: Automobil- und Zulieferindustrie, Maschinenbau, Metallerzeugung, Metallbe- und verarbeitung, Elektroindustrie, Feinmechanik und Optik einschließlich Medizintechnik sowie der sonstige Fahrzeugbau (Luftfahrtindustrie, Schienenfahrzeug und Schiffbau). Die europäischen Kunden werden im laufenden Jahr rund 1,4% mehr investieren. Im kommenden Jahr sollen es 7% mehr sein. Besonders aktiv sind der Maschinenbau und der sonstige Fahrzeugbau.

Im kommenden Jahr wird Europas Wirtschaft nach Prognosen der Wirtschafts­forscher wieder stärker wachsen. Die Investitionen in allen europäischen Märkten gewinnen an Dynamik. Das zeigt sich eindrucksvoll im Werkzeugmaschinenverbrauch einzelner Länder. Insbesondere Osteuropa und die Türkei sind Zugpferde; in anderen Regionen der Erde kurbeln die Asiaten China, Südkorea und Taiwan ihren Werkzeugmaschinenverbrauch ebenso an wie die USA und Mexiko. Reindustrialisierungsbemühungen in den USA sowie der Standortausbau des Großanwenders Automobilindustrie in Mexiko geben hier den Takt vor.

Deutschland gehört zu den großen Akteuren in der europäischen Werkzeugmaschinenszene. Als drittgrößter Produzent weltweit mit einem Anteil von 16%, zweitgrößter Exporteur mit rund 22% Anteil, viertgrößter Markt und drittgrößter Importeur ist Deutschland Schwer­gewicht und Zugpferd in einem für die Entwicklung in der europäischen Werkzeugmaschinenindustrie.

Im vergangenen Jahr produzierten die deutschen Hersteller Maschinen im Wert von 14,2 Mrd EUR. Das entsprach einem Zuwachs von 10%. Unter den fünf größten Herstellernationen war dies das beste Ergebnis. Damit wurde auch das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 wieder erreicht. 2013 stellen sich die deutschen Hersteller ähnlich wie die internationalen Produzenten auf Konsolidierung ein. Erwartet wird ein kleiner Zuwachs von 1%. Gestützt wird diese Entwicklung wieder einmal vom Export, der sich mit rund 9,6 Mrd EUR bei einer Exportquote von 73% bereits auf Rekordniveau befindet. Im laufenden Jahr wird auch hier nochmals ein leichter Zuwachs von 1% erwartet.

Dafür richten sich alle Blicke auf die kommenden Monate. Eine Stabilisierung zeigt sich im Auftragseingang aus dem Ausland. Gingen die Auslandsorders deutscher Werkzeugmaschinen im ersten Quartal noch um 18% zurück, waren es in den ersten fünf Monaten bis Mai nur noch 8%. Erfahrungsgemäß folgt die Konsolidierung der Inlandsbestellungen mit einem Zeitverzug von einigen Monaten.

Anlass zu einer optimistischeren Einschätzung geben auch die Investitionspläne der wichtigen Abnehmerindustrien in Deutschland. Wird im laufenden Jahr nur ein Zuwachs von 1,7% erwartet, sollen es 2014 wieder mehr als 7% sein. Insbesondere der sonstige Fahrzeugbau, die Messtechnik, Optik und Medizintechnik sowie der Maschinenbau werden dabei gemäß Vorhersagen überdurchschnittlich investieren. Positive Signale gehen auch vom ifo-Geschäftsklima in der Investitionsgüterindustrie aus. Die Erwartungen für die künftige Geschäftsentwicklung zeigen bis Juni dieses Jahres nach oben.

Zur Vorbereitung von Investitionsentscheidungen spielt die EMO Hannover im laufenden Jahr eine wichtige Rolle. Die Weltleitmesse der Metallbearbeitung findet vom 16. bis 21. September statt. Hier präsentieren über 2.000 Hersteller von Werkzeugmaschinen und Komponenten aus aller Welt ihren internationalen Kunden Produkte, Lösungen und Dienstleistungen zur Bewältigung der Herausforderungen in der Industrieproduktion. Als weltweit wichtigstes Innovationsforum für die Metallbearbeitung informiert sie über Trends und Neuheiten in der modernen Produktionstechnik. Zur letzten Veranstaltung 2011 wurden laut Ausstellerbefragung Aufträge im Wert von 4,5 Mrd EUR allein auf der Messe unterzeichnet. Die Auftragsentwicklung in der Vergangenheit zeigt, dass auch in Deutschland die Werkzeugmaschinenbestellungen nach einer EMO Hannover unabhängig von der Gesamtkonjunktur regelmäßig angezogen haben.

Kontakt: vdw[at]vdw.de

Aktuelle Beiträge