Marokko bietet ausländischen Unternehmen gute Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit: stabile politische Verhältnisse, eine günstige geographische Lage und relativ niedrige Löhne. Deutsche Unternehmen sollten den Austausch und die Zusammen­arbeit mit dem Königreich Marokko in den Bereichen Infrastruktur und erneuerbare Energien fortsetzen und verstärken. Das Land ist eines der Tore zu den Ländern südlich der Sahara.

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Die marokkanische Wirtschaft hat sich 2017 mit einem beschleunigten Wachstum von 4,6% (gegenüber 1,6% im Jahr 2016) deutlich belebt. Dem Kreditversicherer Coface zufolge wurde dies durch einen Anstieg des landwirtschaftlichen BIP um mehr als 12% und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten (Inflation, Haushalts- und Leistungsbilanzsalden) gestützt.

Aufgrund der politischen Stabilität des Königreichs konnten Reformen fortgesetzt und wirtschaftliche Stabilisierungsprogramme aufgelegt werden. Die Wirtschaftsindikatoren weisen in eine gute Richtung, und die Perspektiven für den Zeitraum 2018–2022 sind vielversprechend. Eine Reform der marokkanischen Zentralbank (Bank al-Maghrib), die darauf abzielt, die Flexibilität des Dirham-Kurses abzufedern, wird aktuell geprüft.

Vielversprechende Sektoren

Mit einem Marktanteil von 5,9% ist Deutschland der fünftwichtigste Handelspartner Marokkos. Der bilaterale Handel zwischen den beiden Ländern belief sich 2016 auf über 3 Mrd EUR. In den ersten elf Monaten 2017 wurde mit mehr als 2,9 Mrd EUR bereits annähernd der Vorjahreswert erreicht. Die deutsche Ausfuhr nach Marokko stieg um 5,6%, die deutsche Einfuhr von dort um 6,7%.

Als Deutschland 2017 den Vorsitz beim G20-Gipfel innehatte, lag der Schwerpunkt auf Afrika und insbesondere auf Marokko, dem ersten Partnerland der Initiative „Compact with Africa“. So sind zahlreiche Projekte in den Bereichen Infrastruktur und Anlagen ins Leben gerufen worden, und zwar insbesondere im Zusammenhang mit Solarenergie und Windkraft. Die Einweihung eines Werks von Siemens Gamesa zur Produktion von Rotorblättern für Windkraftanlagen im Oktober 2017 in Tanger ist ein anschauliches Beispiel für die neue Politik des Königreichs zur Förderung erneuerbarer Energien zum einen und der einheimischen Produktion („made in Morrocco“) zum anderen. Entsprechend werden im Jahr 2018 zahlreiche Fachmessen zu den Themen Infrastruktur und erneuerbare Energien organisiert. So zum Beispiel der „Africa Climate Resilient Infrastructure Summit“ im Februar und der „North Africa Renewable Energy Summit 2018“ im Mai.

Leistungsstarker Bankensektor

Marokkos Bankensektor ist gut kapitalisiert und leistungsstark. Laut einem Jahresranking im Finanzen-Special des Magazins „Jeune Afrique“ zählen die drei führenden marokkanischen Banken, die Attijariwafa Bank, die Banque Centrale Populaire (BCP) und die BMCE, zu den 15 wichtigsten Banken Afrikas (von insgesamt 200) und zu den fünf wichtigsten Banken Nordafrikas (von insgesamt 50).

Die marokkanischen Banken sind in der Handelsfinanzierung (Trade-Finance) sehr aktiv und haben differenzierte Strategien entwickelt, um international – und seit einigen Jahren insbesondere in West- und Zentralafrika – ihre Position in diesem Geschäft zu stärken. Auch Crédit Agricole du Maroc, Société Générale du Maroc, BMCI, Crédit du Maroc und die CIH Bank dürften in nächster Zeit noch stärker werden.

Aktive Diplomatie mit Ausrichtung auf die Länder südlich der Sahara

Die Europäische Union bleibt wohl der wichtigste Wirtschaftspartner des Landes. Darüber hinaus setzt König Mohammed VI. aber auch in Afrika und vor allem in den Ländern südlich der Sahara auf eine aktive Wirtschaftsdiplomatie. Seit mehr als einem Jahrzehnt (laut Weltbank seit dem Jahr 2000 bis heute) verzeichnet der Handel Marokkos mit den Ländern südlich der Sahara ein Wachstum von jährlich mehr als 12%. In diesem Zeitraum wurden diverse Handels- und Zollvereinbarungen geschlossen, die die Basis für die positive Entwicklung darstellen.

Das Jahr 2017 wurde durch zwei wichtige politische Ereignisse geprägt: Im Januar 2017 trat Marokko nach 33 Jahren wieder der Afrikanischen Union (AU) bei.  Am 4. Juni 2017 zog die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bei der Sitzung der Staats- und Regierungschefs in Liberia eine Erweiterung um Marokko in Erwägung. Das Beitrittsverfahren läuft gerade. Zudem sind die marokkanischen Banken auch in Westafrika sehr präsent, wie etwa die Attijariwafa Bank, die BCP, die Banque Atlantique oder die BMCE mit ihrer Tochtergesellschaft Bank of Africa (BOA).

Markt mit großem Potential

Der marokkanische Markt birgt großes Potential für Investoren und kann deutschen Unternehmen als Sprungbrett in die frankophonen Länder südlich der Sahara dienen. ODDO BHF kann als erfahrener Partner zur Seite stehen, so zum Beispiel bei der Akkreditivbestätigung. Die Bank ist seit jeher in Afrika und seit Jahrzehnten insbesondere in Marokko aktiv und hat gute Kontakte zu den Banken vor Ort. Das in dieser Zeit erworbene Know-how spiegelt sich in einer fundierten Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten und des Bankensektors wider.

david.leboiteux@bhf-bank.com

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