Der aktuelle politische Konflikt zwischen den USA und China dürfte unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Volkswirtschaften Südostasiens haben. Wachstumshemmnisse sind in jüngerer Vergangenheit verstärkt spürbar gewesen.

Die sogenannten Pantherstaaten – Indonesien, Thailand, Malaysia, die Philippinen und Vietnam – bieten Exporteuren seit Jahren ein insgesamt gutes Umfeld mit vielen Geschäftsperspektiven. Jedoch sind Wachstumshemmnisse in jüngerer Vergangenheit verstärkt spürbar gewesen. Der aktuelle politische Konflikt zwischen den USA und China dürfte unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Volkswirtschaften Südostasiens haben, wie eine aktuelle Atradius-Analyse zeigt.

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Der Verband Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations – ASEAN) wurde 1967 gegründet und besteht aus insgesamt zehn Ländern: Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Schon heute bilden sie zusammen mit mehr als 600 Millionen Einwohnern den insgesamt sechstgrößten Binnenmarkt der Erde. Die Zeichen stehen langfristig auf Wachstum: Bis 2030 wollen die ASEAN-Staaten zur viertgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen.

Auf dem Weg zur viertgrößten Volkswirtschaft der Erde

In den vergangenen Jahren haben die südostasiatischen Staaten im Schatten der zwei großen asiatischen Volkswirtschaften China und Indien ein insgesamt beeindruckendes Wachstum verzeichnet. Es gibt aber einige Umstände, die die zukünftige Entwicklung Südostasiens bremsen könnten:

China und die USA sind wichtige Handelspartner für die Länder der Region. Der Handelskonflikt zwischen diesen beiden Großmächten dürfte vielen exportierenden Unternehmen aktuell als erster Hemmschuh in den Sinn kommen, wenn sie an Südostasiens Wirtschaft denken. Bisher jedoch erscheinen die Auswirkungen des Handelsstreits moderat. Das Ausmaß der Konsequenzen der Zollstreitigkeiten hängt davon ab, wie lange der Handelskrieg zwischen der US-Regierung und der chinesischen Führung andauert und wie weit er sich noch ausbreitet. Dass es kein kurzfristiger Streit bleiben wird, darauf deutet zum einen die Position des US-Präsidenten Donald Trump hin, dem das chinesische Handelsdefizit ein Dorn im Auge ist. Gleichzeitig sehen die Ver­einigten Staaten eine wirtschaftliche Bedrohung in der stetig wachsenden Großmacht China und wollen dieser entgegenwirken.

Negativ könnte sich zudem auswirken, sollte die Risikoaversion von Investoren in den kommenden Monaten in Bezug auf Investitionen in Südostasien zunehmen. Für einige der zehn Länder könnte es dadurch schwieriger werden, ihr Außenhandelsdefizit zu finanzieren.

Gleichzeitig erwarten die fünf größten Volkswirtschaften Südostasiens – Indo­nesien, Thailand, Malaysia, die Philippinen und Vietnam; die sogenannten ­Pantherstaaten – für 2019 geringere Exportwachstumsraten. Dies hängt aber weniger mit dem aktuellen Handelsstreit zusammen. Die Abkühlung beim Ausfuhrgeschäft setzte schon viel früher ein – und dürfte vielmehr der seit längerem zu beobachtenden Abschwächung der chinesischen Konjunktur geschuldet sein.

Unterm Strich sind die Atradius-Risiko­experten aber zuversichtlich für die künftige Entwicklung der Pantherstaaten. Ein Grund hierfür ist die starke Inlandsnachfrage in der Region. Handelsbarrieren für China beim Geschäft mit US-Unter­nehmen könnten zudem die Nachfrage in einigen Ländern Südostasiens erhöhen. Unsere aktuelle Analyse wirft daher einen genaueren Blick auf Indonesien, Thailand, Malaysia, die Philippinen und Vietnam.

Indonesien: stabile Inlandsnachfrage kompensiert Exportschwäche

In Indonesien, dem mit 240 Millionen Menschen einwohnerstärksten Staat Südostasiens, nimmt das Exportwachstum 2018 merklich ab. Sein größter Exportpartner für Güter und Rohstoffe ist China. Der aktuelle Kurs der chinesischen Führung wirkt sich negativ auf das Wachstum aus. Die Exporte machen allerdings nur gut ein Fünftel am Bruttoinlandsprodukt (BIP) aus. Indonesien kann den Rückgang der Ausfuhren durch seine starke Inlandsfrage kompensieren. Die im Frühjahr 2019 anstehenden Wahlen dürften sich ebenfalls positiv auf den inländischen Konsum auswirken, da im Vorfeld mit erhöhten Staatsausgaben zu rechnen ist und auch die Auslandsinvestitionen weiterhin stark wachsen.

Thailands Wirtschaft übersteht den Handelskrieg bis dato ­vergleichsweise gut

Das Exportwachstum Thailands wird sich infolge des US-chinesischen Handelskonflikts in den nächsten zwei Jahren zwar voraussichtlich verlangsamen, jedoch werden durch die Auseinandersetzung keine dramatischen Verschiebungen erwartet. Die Nachfrage aus China dürfte sich abkühlen. Die  starke Tourismusbranche des Landes mindert die negativen Auswirkungen auf das Exportwachstum. Von der thailändischen Regierung initiierte öffentliche Infrastrukturinvestitionen stützen das BIP ebenso wie der private Konsum.

Besorgniserregend sind hingegen die politischen Unsicherheiten für Exporteure. Seit dem Putsch 2014 steht Thailand unter einer Militärregierung und macht nur geringe Fortschritte auf dem Weg zur Demokratie. Die Spaltung zwischen den beiden wichtigsten politischen Gruppen wird fortbestehen. Die mögliche politische Instabilität stellt ein Risiko für den internationalen Handel und die Investitionen dar. Ein zweites Problem ist die Verschuldung der privaten Haushalte. Obwohl die Kreditvergabe seit 2013 restriktiver ist, sind die Verbindlichkeiten weiterhin hoch.

Malaysia wird am meisten unter den Zöllen leiden

Malaysias Außenhandel wird sich auch aufgrund der erwarteten Abschwächung des Welthandels, inklusive China, in den kommenden zwei Jahren abschwächen, nachdem er in der ersten Jahreshälfte 2018 noch stark war. Auch hier hält die Inlandsnachfrage das BIP-Wachstum auf einem annehmbaren Niveau. Die Ausgaben der privaten Haushalte unterstützen die Konjunktur. Mittelfristig wird die Konsumlaune von steigenden Kreditzinsen getrübt. Die malaysische Währung ist anfällig für eine Verschlechterung der Stimmung im Inland, da ein relativer großer Anteil der Staatsschulden von Ausländern gehalten wird.

Philippinen: langsameres Wachstum aufgrund hoher ­Importabhängigkeit

Das reale Wachstum der philippinischen Wirtschaft wird sich von 6,7% im Jahr 2017 auf 6,0% im Jahr 2020 verlangsamen. Dies ist aber nur teilweise auf die Exporte zurückzuführen, für die 2019 eine Steigerung um weitere 8% prognostiziert wird. Vielmehr wirkt sich die weiterhin hohe Importzunahme von Gütern und Dienstleistungen negativ auf das BIP aus. Wie in den Nachbarstaaten stützt die Binnennachfrage das Inlandswachstum, nicht zuletzt auch durch Infrastrukturinvestitionen der Regierung.

Vietnams Wirtschaftswachstum bis 2020 am größten

Vietnam gilt als eines der wachstumsstärksten Länder Asiens. Diese Entwicklung wird unterstützt von einer starken Exportzunahme, die in den kommenden beiden Jahren das höchste Niveau in der ASEAN-Region erreichen wird. Zwar ist China der drittgrößte Exportpartner für die Vietnamesen. Dennoch könnte das Land am Ende sogar von dem aktuellen Handelskonflikt profitieren, da sich zum Beispiel Marktanteile in der Bekleidungsindustrie vom Reich der Mitte nach Vietnam verschieben könnten. 20% des BIP Vietnams macht zudem der Export von Waren in die USA aus. In den übrigen ASEAN-Staaten liegen die Anteile deutlich darunter.

Die gesamte Atradius-Analyse „Southeast Asia – coping well with headwinds“ können Sie kostenlos im Internet herunterladen unter www.atradius.de.

thomas.langen@atradius.com

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