Die Bank-Payment-Obligation (BPO) ist bei den deutschen Kreditmanagern noch nicht als Finanzierungs- und Absicherungsalternative im internationalen Geschäft angekommen, obwohl das Interesse der Unternehmen groß ist. Die Banken sind nun gefragt, offensiver für das neue Instrument zu werben. Auf dem diesjährigen Bundeskongress des Bundesverbands Credit Management (BvCM) diskutierten Kreditmanager über Stand und Zukunft der BPO.

Von Andreas Schmitt, Arbeitskreisleiter „International“,BvCM e.V.

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Im Mai 2013 veröffentlichte die Internationale Handelskammer in Paris (ICC) die lang erwarteten Einheitlichen Richtlinien für Bank-Payment-Obligations (BPO) unter dem Titel „ICC Uniform Rules for Bank Payment Obligations (URBPO)“. Die Richtlinien traten mit Wirkung zum 1. Juli 2013 in Kraft. Die Veröffentlichung der Richtlinien, die das Verhältnis zwischen den in einer BPO involvierten Banken regeln, hatte zuvor im April die Zustimmung der Bankenkommission der ICC erhalten.

Mit der Veröffentlichung der Richtlinien waren große Erwartungen verknüpft: Die BPO sollte sich als bedeutendes Instrument der Absicherung internationaler Handelsgeschäfte etablieren, weil sie die Effizienzvorteile des elektronischen Zahlungs­verkehrs mit den Sicherheitsaspekten des Akkreditivs verbindet. Mit ihr sollten gleich „drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden“: effizienter und sicherer Zahlungsverkehr sowie die Möglichkeit, aus Handelsforderungen Liquidität zu generieren.

Informationsdefizit über die BPO bei den Unternehmen …

Umso verblüffender war es, dass bei einem Workshop zum Thema BPO im Rahmen des diesjährigen Bundeskongresses des BvCM, an dem rund 80 Kreditmanager und Dienstleister aus dem Kreditmanagementumfeld teilnahmen, auf mündliche Nachfrage lediglich ein einziger Teilnehmer angab, dass er sich schon intensiver mit dem Thema BPO befasst habe.

Ein Teil der Erklärung mag darin zu suchen sein, dass die Funktionen „Credit bzw. Receivables Management“ und „Treasury“ in den Unternehmen häufig noch organisatorisch getrennt sind und die Banken als „Promoter“ der BPO eher im Kontakt mit den Treasurern stehen. Allerdings kam diese Aussage lediglich in 2 von 36 ausgefüllten Feedbackbögen explizit zum Ausdruck, womit dieses Argument nur teilweise das Informationsdefizit in den Unternehmen erklärt.

… aber großes Potential in der Zukunft

Dabei zeigte sich bei den Teilnehmern ein durchaus großes Interesse an der BPO. Nachdem Funktionsweise, Anforderungen und Vorteile der BPO fundiert vorgestellt wurden, äußerten sich die Kreditmanager im Rahmen einer lebhaften Diskussion ausgesprochen positiv hinsichtlich der zukünftigen Bedeutung dieses Zahlungs- und Absicherungsinstruments. Die meisten Teilnehmer, die sich zu Wort meldeten, erwarteten, dass sich das Instrument als gängiges Tool der Forderungsabsicherung und der Supply-Chain-Finance etablieren werde. 80% der Kreditmanager vermuteten sogar, dass sie selbst die BPO bis 2020 als Finanzierungsvariante zwischen der offenen Rechnung und dem Dokumentenakkreditiv (L/C) einsetzen werden. Im Vergleich zu den Bankexperten und Softwareanbietern, die im Workshop ebenfalls über die BPO diskutierten, waren es gerade die Anwender, die der BPO das größte Potential zutrauten.

Auch wenn die Ergebnisse der Diskussion nur bedingt als repräsentativ zu bewerten sind, drängt sich der Eindruck auf, dass das Thema BPO in den Kreditmanagementabteilungen der deutschen exportierenden Unternehmen bislang noch nicht richtig angekommen ist. Das Interesse ist durchaus groß, doch die Informationslage und die Kenntnisse sind dürftig, und die Unternehmen sind verunsichert.

Technik steht bereit

Die europäischen Banken, zumindest diejenigen, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, die BPO voranzutreiben, stehen bereit. Hinsichtlich der Systeme und der IT-Technik – also was die Bereitstellung entsprechender „Front-Ends“, die eine effiziente Abwicklung ermöglichen, betrifft – sind die Banken auf einem guten Wege und in der Lage, Unternehmen vollelektronische Anbindungen für die standardisierte und automatisierte Abwicklung von BPO und anderen Supply-Chain-Finance-Produkten anzubieten.

Erfahrungen auf der Käuferseite sammeln

Nun heißt es also, mit Hilfe der positiven Erfahrungen aus den bereits erfolgreich abgewickelten ersten Livetransaktionen noch einmal offensiv für das neue Instrument zu werben, Know-how in den Markt zu bringen und – das ist ganz entscheidend – die Unsicherheiten bei den Großunternehmen und exportorientierten Mittelständlern zu beseitigen. Dies könnte auf Unternehmensseite beispielsweise geschehen, indem man eine erste BPO-Transaktion nicht als kreditgebender Exporteur, sondern als Käufer im Rahmen eines Importgeschäfts mit einem asiatischen Exporteur abwickelt und so erste Erfahrungen mit dem neuen Instrument sammelt. Der Blick Richtung Übersee zeigt, dass sich erfreulicherweise gerade die asiatischen Banken (und Unternehmen) dem neuen Tool schon sehr viel ­stärker geöffnet haben. So dürfte die Befürchtung deutscher bzw. europäischer Unternehmen, mit dem Ansinnen einer Geschäftsabwicklung über BPO dort auf völliges Unverständnis zu stoßen, eher unbegründet sein.

Kontakt: a.schmitt@rational-online.com

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