Der Auftritt der US-Handelsministerin Penny Pritzker auf der 9. Transatlantischen Jahreswirtschaftskonferenz brachte die Prioritäten auf den Punkt: TTIP, Digitalisierung und Ukraine. Für die Administration von Präsident Obama steht die Zusammenarbeit mit der EU in diesen Punkten auf der Agenda des letzten Amtsjahres ganz oben. Die Veranstaltung der AmCham Germany und des F.A.Z.-Fachverlags in Frankfurt am Main widmete sich Digitalisierung und Freihandel als transatlantischen Antriebskräften.

Von Gunther Schilling, Leitender Redakteur ExportManager, FRANKFURT BUSINESS MEDIA

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In seiner Begrüßung leitete Kammerpräsident Bernhard Mattes die Notwendigkeit des Abkommens zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) von der gerade aktuellen Herausforderung ab, die zahlreichen Flüchtlinge in Deutschland auch wirtschaftlich zu inte­grieren. Das ginge nur mit nachhaltigem Wachstum, zu dem die transatlantische Kooperation beitragen könne. Um den Welthandel im transatlantischen Interesse mitzugestalten, bedürfe es nicht weniger, sondern mehr transatlantischer Zusammenarbeit.

Der US-Botschafter in Deutschland, John B. Emerson, richtete den Blick bereits auf die HANNOVER MESSE im Frühjahr 2016, bei der die USA Partnerland sind. Vor allem die Zusammenarbeit bei Innovationen müsse intensiviert werden.

Investitionen und Kooperationen

Aus Sicht der Industrie bedürfe es dazu aber auch in Deutschland weiterer Investitionen, stellte Dr. Wolfgang Eder, CEO von Voestalpine, fest. Der industrielle Kapitalstock erodiere seit Jahren auch durch die Auslagerung von Kapazitäten nach Osten. Dagegen verbreiterten Großbritannien und mit Verzögerung auch die USA ihre Industriebasis. Eder appellierte an die rund 450 Teilnehmer, die Stärken der deutschen Industrie schnell auszubauen, bevor sie verlorengingen: Dazu müsse man auch mit Konkurrenten zusammenarbeiten. Diese sogenannten Frenemies (Friends and Enemies) könnten fehlende Fähigkeiten ergänzen.

Skaleneffekte nutzen

Jürgen R. Thumann, Aufsichtsratschef der Heitmann & Thumann Gruppe, verwies auf die Stärken des deutschen Mittelstandes, der im laufenden Jahr einen neuen Rekord hinsichtlich Umsatz und Mitarbeitern aufstellen werde. Der Unternehmergeist in Deutschland sei nicht geringer als in den USA, aber im Bereich der Informationstechnologie sei Europa den USA hoffnungslos unterlegen. Daher müsse man Entwicklungspartnerschaften eingehen. So arbeite Heitmann und Thumann intensiv mit Tesla zusammen und entwickle Antriebssysteme für deren Elektrofahrzeuge.

Die Diskussionsrunde zur industriellen Zusammenarbeit zwischen den USA und der EU richtete den Blick auch auf die ökonomischen Herausforderungen der Digitalisierung. Prof. Dr. Siegfried Russwurm, Vorstandsmitglied von Siemens, hielt dazu fest: „In der digitalen Wirtschaft sind Skaleneffekte alles.“ Doch die EU sei im Gegensatz zu den USA kein einheitlicher Wirtschaftsraum und daher im Nachteil. Die USA, aber auch andere große Wirtschaftsräume wie China, könnten diese Größenvorteile besser nutzen.

Im Abschlusspanel zur Digitalisierung als Motor der transatlantischen Zusammenarbeit vertieften die Diskussionsteilnehmer diesen Blick auf die Nachfrageseite. Andy Goldstein, Geschäftsführer von Deloitte Digital, stellte fest, dass die Märkte zunehmend von den Konsumenten getrieben würden, also Customer to Business statt umgekehrt. Martin Risau von HP Enterprise Services führte darauf die Sammlung und Verarbeitung von Kundendaten in den USA zurück. Anders als in Europa sehe man diese Datenanalyse positiv. Mit dem aktuellen EuGH-Urteil zum Safe-Harbor-Abkommen mit den USA werde die Zusammenarbeit erschwert. Gisbert Rühl, CEO des Stahlhändlers Klöckner & Co, stellte die Überlegung in den Raum, dass man seine Aktivitäten in die USA verlagern müsse, wenn es anhaltende Beschränkungen bei der Datenübermittlung in die USA seitens der EU gebe. Doch mit einem solchen Szenario rechnete die Runde nicht.

Kontakt: gunther.schilling@frankfurt-bm.com

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