Die Automobilnachfrage ist stark rückläufig, auch der Absatz von Bekleidung ist vielerorts eingebrochen. Dagegen steigt der Bedarf an medizinischer Ausrüstung und an Gütern des täglichen Bedarfs.

Der Coronavirus legt die deutsche Wirtschaft lahm. Die Exportaufträge gehen zurück. Gleichzeitig stehen die Exportmanager vor neuen Aufgaben. Zeit für einige nützliche Tipps aus der Flut hilfreicher Informationen.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat in zahlreichen Ländern zu erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens und damit auch der Wirtschaftstätigkeit geführt. Lieferketten sind unterbrochen oder zumindest beeinträchtigt. In den zuerst betroffenen Ländern in Asien (China, Südkorea) zeigt sich bereits eine Verringerung der Infektionszahlen. Dagegen steigen sie in Europa und Amerika gerade stark an. Daraus ergeben sich komplexe Veränderungen von Aufträgen, Zulieferungen, Produktions-  und Liefermöglichkeiten. Für die Unternehmen stellen sich nun einige Fragen:

  • Welche Produktionsmöglichkeiten bestehen an den jeweiligen Standorten für welche Produkte?
  • Wie entwickelt sich die Auftragslage für welche Produkte und welche Aufträge können bearbeitet werden?
  • Welche Lieferverpflichtungen bestehen gegenüber meinen Kunden, und welche Forderungen kann ich gegenüber meinen Lieferanten geltend machen?
  • Wie kann ich Lieferungen technisch (Spedition, Zoll, Genehmigungen, Inbetriebnahme) durchführen?

Coronavirus stoppt Produktion – Engpassfaktoren ermitteln

Zahlreiche Automobilhersteller in Europa und den USA haben Werke geschlossen. Auch die meisten Zulieferer fahren ihre Produktion herunter. Zum einen mangelt es an Nachfrage, zum anderen fehlen aber auch Teile und die Präsenz der Mitarbeiter würde die Ansteckungsgefahr erhöhen. Dagegen meldet der Getränkemaschinenbauer Krones eine Auslastung von 80% bis 90% sogar in den norditalienischen und chinesischen Werken. ZF berichtet von wieder anziehenden Verkäufen für die Automobilproduktion in China.

Tipp: Prüfen Sie die individuelle Verfügbarkeit von Mitarbeitern, Zulieferungen und Logistik an jedem Standort auf Engpassfaktoren auf der Angebotsseite. Gibt es Alternativen bei Produkten oder Fertigungsabläufen?

Coronavirus bremst Nachfrage – Marktentwicklung beobachten

Während in Asien die Produktion wieder anfährt, stehen die Räder in Europa und Amerika zunehmend still. Die Automobilnachfrage ist stark rückläufig, auch der Absatz von Bekleidung ist vielerorts eingebrochen. Dagegen steigt der Bedarf an medizinischer Ausrüstung und an Gütern des täglichen Bedarfs. VW und PSA prüfen offenbar die Herstellung medizinischen Zubehörs für Beatmungsgeräte, berichtet das „Manager Magazin“. Der Bekleidungshersteller Trigema fertigt laut F.A.Z. Mundschutzmasken. In den USA sollen in stillstehenden Automobilfabriken Beatmungsgeräte hergestellt werden.

Tipp: Ermitteln Sie die Situation auf der Nachfrageseite hinsichtlich Absatzmärkten, Absatzbranchen und Produkten. Welche Anpassungen sind möglich, welche neuen Absatzmöglichkeiten können erschlossen werden.

Coronavirus birgt juristische Risiken – Vertragstexte prüfen

Vor einigen Wochen beriefen sich chinesische Banken im Hinblick auf Akkreditivbestätigungen auf höhere Gewalt als Hinderungsgrund für die Vertragserfüllung. Inzwischen beschäftigen diese Standardklauseln in Lieferverträgen (Force Majeure, Hardship, Höhere Gewalt) und in Zahlungsvereinbarungen die Rechtsabteilungen vieler Unternehmen. Es gibt weiterhin die Möglichkeit, Zahlungsrisiken staatlich über Hermes oder über private Kreditversicherungen abzudecken.

Tipp: Prüfen Sie ihre Lieferverträge und die Einkaufsbedingungen auf wirksame Klauseln auch im Fall einer von der WHO festgestellten Pandemie. Sichern Sie sich gegen Zahlungsausfälle und Regressforderungen ab.

Coronavirus stört Lieferketten – Erleichterungen nutzen

Einschränkungen in der Produktion und im Lieferverkehr verzögern die Lieferung von Teilen. In einer Blitzumfrage des VDMA berichteten 60% der befragten Maschinenbauern von Beeinträchtigungen in ihren Lieferketten. Vor allem die Grenzkontrollen in Europa machen den Spediteuren zu schaffen. Der europäische Branchenverband CLECAT hat sich gerade mit einigen Forderungen zu Verfahrenserleichterungen (z.B. längere Zahlungsfristen für MwSt.- und Zollzahlungen) an die EU-Kommission gewandt. EU, Bund und Länder bieten zudem sogenannte Corona-Hilfen (Liquidität, Bürgschaften, sonstige Förderprogramme) an.

Tipp: Prüfen Sie die logistischen Abläufe sowie die Zollabwicklung auf Engpässe. Nutzen Sie die sich in den kommenden Tagen ergebenden Erleichterungen und Liquiditätshilfen.

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