Auch wenn bezüglich der Dauer und Ausbreitung der Pandemie vieles noch ungewiss ist, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass das Coronavirus und der Absturz der Rohstoffpreise zu einer Wirtschaftskrise führen, die zahlreiche Nationen, insbesondere Schwellenländer, hart treffen dürfte.

China gab um den 20. Januar dieses Jahres öffentlich bekannt, dass seine Bevölkerung von einem neuartigen Virus, SARS-CoV-2, getroffen wurde. Innerhalb kurzer Zeit verbreitete sich die Krankheit Covid-19 zunächst in Europa und anschließend in zahlreichen anderen ­Ländern weltweit.

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Viele Staaten haben Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen angekündigt und umgesetzt (Lockdown, Reisebeschränkungen, Grenzschließungen, Ausgangssperren etc.). Diese Schritte sind zwar wirksam im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie, haben jedoch dramatische Folgen für das Wirtschaftswachstum und das allgemeine Geschäftsumfeld.

Die Auswirkungen dieser Eindämmungsmaßnahmen brachten die Weltwirtschaft zu einem plötzlichen Stillstand, der in Friedenszeiten ohne Beispiel ist. Der IWF prognostiziert für das laufende Jahr einen Rückgang der Weltwirtschaftsleistung um 3%. Dies ist die schlechteste Entwicklung der globalen Wirtschaftsleistung seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1930 und das erste Mal, dass sich sowohl Industriestaaten als auch Schwellenländer in einer Rezession befinden.

Weltweite Verbreitung erschwert Erholung

Auch wenn bezüglich der Dauer und Ausbreitung der Pandemie vieles noch ungewiss ist, zeichnet sich bereits jetzt ab, dass das Coronavirus und der Absturz der Rohstoffpreise zu einer Wirtschaftskrise führen, die zahlreiche Nationen, insbesondere Schwellenländer, hart treffen dürfte.

Aufgrund der umfassenden Hilfsmaßnahmen, die bereits angekündigt wurden, wird im wahrscheinlichsten Fall von einer allmählichen Erholung ausgegangen. Diese dürfte angesichts der unterschied­lichen Zeiträume der Virusausbreitung, der Lockdown-Maßnahmen, der Möglichkeit einer zweiten (oder sogar dritten) Infektionswelle sowie der erforderlichen Zeit für eine finanzielle Erholung bei Unternehmen und Haushalten/Verbrauchern mehrere Quartale in Anspruch nehmen. Tatsächlich besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Dauer des Lockdowns, der Amplitude des Abschwungs und der Erholungszeit der Wirtschaft.

Rohstoffexporteure spüren Nachfrageloch

Der Covid-19-bedingte Einbruch der Wirtschaftstätigkeit und des Handels wirkt sich in erheblichem Maß auf die Rohstoffnachfrage und damit auf die Rohstoffpreise aus. Besonders im Ölsektor wird der Nachfragerückgang aktuell auf nahezu 30% geschätzt. Im Zuge des zwischen Saudi-Arabien und Russland geführten Konkurrenzkampfs um Marktanteile wurden darüber hinaus höhere Ölmengen auf den Markt gebracht. Dieser zusätzliche Schock hat den Preisdruck noch verschärft und zu einem Preisrückgang von 50% gegenüber Jahresbeginn geführt. Auch wenn sich die weltweiten Ölproduzenten am 12. April darauf einigen konnten, ihre Förderung um 9,7 Mio Barrel pro Tag zu reduzieren (nahezu 10% der globalen Gesamtfördermenge), ist unwahrscheinlich, dass diese Drosselung den Nachfragerückgang ausgleichen wird. Folglich dürfte es angesichts des Umfangs der Pandemiefolgen mehrere Monate dauern, bis sich die Preise auf das Niveau von Ende 2019 erholt haben.

Erhebliche indirekte Effekte

Länder, die (noch) nicht so stark vom Virus betroffen sind, könnten dennoch die Auswirkungen zu spüren bekommen, da ihre Wirtschaft von einem oder mehreren der folgenden Übertragungskanäle beeinträchtigt werden dürfte: Einbruch der Rohstoffpreise, der Tourismuseinnahmen, der Rücküberweisungen oder der Auslandsnachfrage, beispiellose Kapitalabflüsse, eine drastische Verschlechterung der globalen Finanzlage, Unterbrechungen in der Lieferkette sowie Grenzschließungen.

Starke Nachfrage nach Liquidität

Außerdem gibt es zwischen den Ländern große Unterschiede hinsichtlich ihrer Krisenfestigkeit. So haben einige Länder Spielraum für fiskalische oder monetäre Anreize, andere nicht. Es liegt auf der Hand, dass Letztere eine größere Schwächung ihrer Wirtschaft erleiden werden. Vor diesem Hintergrund dürfte etlichen Schwellenländern eine Zahlungsbilanzkrise drohen. Eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Ländern, nahezu 95, beantragte gleichzeitig IWF-Unterstützung. Darüber hinaus hat der IWF für Länder mit sehr guten Fundamentaldaten, die kurzfristig Liquidität benötigten, die Schaffung einer kurzfristigen Liquiditätslinie angekündigt.

Der IWF genehmigte außerdem eine Schuldendiensterleichterung für 25 einkommensschwache Länder, während sich die G20-Staaten darauf verständigten, die bilateralen Tilgungszahlungen für IDA-Länder bis Ende des Jahres zu stunden, um so Finanzreserven freizugeben, die für die Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen verwendet werden können. Solche Initiativen sind sehr willkommen, da sie für die ärmsten Länder – zumindest vorübergehend – finanzpolitische Spielräume schaffen.

Bewältigung der Krise risikobehaftet

Die Welt war auf eine derart unvermittelte und tiefe Wirtschaftskrise schlecht vorbereitet. Die makroökonomischen Fundamentaldaten zeigten bereits eine Konjunkturabschwächung. Daher hatte die Geldpolitik in den USA, der EU und Japan bereits eine expansive Tendenz, während die finanzpolitischen Spielräume in vielen Ländern an ihre Grenzen gerieten. Das Jahr 2019 hatte einen breiten Abschwung im Produktionssektor erlebt und wies das niedrigste Wachstum seit der weltweiten Finanzkrise auf.

Etliche Faktoren sorgten bereits vor der Coronakrise für eine hohe finanzielle Anfälligkeit der Länder: In den USA, einigen Eurostaaten sowie einigen Schwellenländern war es die hohe öffentliche Schuldenlast, in China sowie in geringerem Maße in den USA und einigen Schwellenländern waren die Unternehmen hochverschuldet, und in einigen Industrie- und Schwellenländern be-stand eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte. Hinzu kam, dass viele Schwellenländer eine hohe Auslandsverschuldung aufwiesen. Die Anfälligkeit der hochverschuldeten Länder dürfte den Abschwung noch verschärfen. So könnte die Zahl der Insolvenzen steigen, die Arbeitslosigkeit könnte zunehmen und den privaten Konsum beeinträchtigen, und eine Verschlechterung der Qualität der Aktiva im Bankensektor dürfte schließlich den Zugang zu neuen Krediten erschweren.

Auch herrschten bereits zuvor erhebliche Handelsstreitigkeiten und geopolitische Spannungen, allen voran der Handelskrieg zwischen den USA und China. Leider haben diese Spannungen nicht nachgelassen und könnten einer globalen Reaktion im Wege stehen.

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