Stellt das Ergebnis der Unterhauswahl den Ausstieg Großbritanniens aus der EU in Frage? Auf welche neuen Rahmenbedingungen im Handel mit den USA müssen sich die deutschen Unternehmen einstellen? Wie verändern sich die internationalen Wertschöpfungsketten durch Digitalisierung und Automation? Diese und andere Themen diskutiert der 2. Deutsche Exporttag am 20. September im Congress Center Rosengarten Mannheim.

Von Gunther Schilling, Leitender Redakteur ­ExportManager,
FRANKFURT BUSINESS MEDIA

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Die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen trüben sich ein: Großbritannien will die Europäische Union verlassen, und der neue US-Präsident wendet sich vom Freihandel ab. Hinzu kommen politische Hindernisse wie die Sanktionen gegen Russland und den Iran. Gleichzeitig schafft die technologische Entwicklung neue Produktionsmöglichkeiten durch Digitalisierung und Automation. Exporthindernisse lassen sich zum Teil durch eine höhere lokale Wertschöpfung bis hin zur Produktion vor Ort mindern. Die technologische Entwicklung wird die Absatzbranchen nachhaltig verändern. E-Mobility und Digitalisierung erhöhen z.B. die Nachfrage nach Elektrotechnik im Fahrzeugbau. Eine Abkehr von internationalen Wertschöpfungsketten verringert die Stückzahlen und erhöht damit die Vielfalt der nachgefragten Lösungen.

Unternehmer widmen sich Außenhandel und Technologiewandel

Im Eröffnungspanel des 2. Deutschen Exporttages diskutieren drei Unternehmer über das Thema „Globalisierung unter Druck – aktuellen Herausforderungen unternehmerisch begegnen“. Als Zulieferer für die industrielle Fertigung kennen sie die Fragestellungen der internationalen Zusammenarbeit unter anderem bei bei Industrie 4.0 und E-Mobility. Gleichzeitig sind ihre Unternehmen den aktuellen politischen Weichenstellungen in Großbritannien und den USA, aber auch in den europäischen Nachbarländern ausgesetzt. Gemeinsam mit Gottfried Finken, Bereichsleiter Strukturierte Finanzierung der DZ BANK, geben sie einen Einblick in unternehmerische Lösungsansätze im aktuellen Marktumfeld.

Die Baumüller Gruppe aus Nürnberg widmet sich als Anbieter von Antriebs- und Automatisierungslösungen für den Maschinenbau der Effizienzsteigerung in der industriellen Fertigung. Geschäftsführer Andreas Baumüller sieht den mit der Digitalisierung verbundenen Technologiewandel als wesentlichen Treiber der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Risiken sieht er allerdings beim Schutz von IT und Know-how, die rechtlich besser geschützt werden müssten.

Auch das Mannheimer Unternehmen Pepperl + Fuchs ist als führender Anbieter  von industrieller Sensorik und Explosionsschutz entscheidend an der Prozessautomatisierung in der industriellen Fertigung beteiligt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr.-Ing. Gunther Kegel, treibt auch in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) die Themen Industrie 4.0 und IT-Sicherheit voran. Dabei spielen die Entwicklung und Festlegung einheitlicher Normen und Standards gerade in der Elektrotechnik eine wichtige Rolle für die weitere industrielle Zusammenarbeit.

Die Phoenix Contact-Gruppe aus Blomberg ist als nach eigenen Angaben „weltweiter Marktführer für Komponenten, Systeme und Lösungen im Bereich Elektrotechnik, Elektronik und Automation“ mit Entwicklungsstandorten in Deutschland, China und den USA an den Knotenpunkten der weltweiten industriellen Zusammenarbeit aktiv. CEO Frank Stührenberg berichtet insbesondere von einem dynamischen Wachstum in der Elektromobilität. Auch in Indien und Russland lassen sich derzeit gute Absatzerfolge erzielen.

Exportkontrolle sichert den Exporterfolg

Ein weiterer Schwerpunkt des 2. Deutschen Exporttags ist die interne Exportkontrolle, die einen Verstoß gegen das geltende Außenwirtschaftsrecht vermeiden soll. Georg Pietsch, Abteilungspräsident im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), rät in seiner Keynote zu einer Aufbau- und Ablauforganisation, die die Beachtung von Verboten und Genehmigungsvorbehalten sicherstellt.

Das BAFA ist im ständigen Austausch mit den Exportkontrollbehörden anderer Länder. So lädt das BAFA just am Erscheinungstermin der aktuellen Ausgabe des  ExportManagers Vertreter der US-Export- kontrollbehörden ein, um über den Stand der US-Exportkontrollreform sowie jüngste exportkontrollpolitische Entwicklungen zu informieren.

In den parallelen Workshops stehen die Themen Exportkontrolle, Zoll- und Exportabwicklung, Zahlungsrisiken in Mittel- und Osteuropa sowie die Geschäftstätigkeit in Großbritannien und Brasilien im Fokus. Dort berichten Unternehmensvertreter aus Industrie und Dienstleistungswirtschaft von ihren Erfahrungen und stellen geeignete Lösungsansätze für die jeweiligen Fragen vor.

Ein Blick auf Europas Zukunft

Im Gespräch mit der Europa-Expertin von DB Research, Barbara Böttcher, schauen wir uns die europäischen Baustellen Euro, Schulden, Target und Banken sowie Wachstum, Arbeitsplätze, Bildung und Forschung an. Mit dem Erfolg der Partei des französischen Präsidenten in der jüngsten Wahl zur Nationalversammlung könnte Bewegung in die europäische Agenda kommen. Zudem bietet die politische Hängepartie in Großbritannien, wo die regierenden Konservativen ihre Mehrheit im Unterhaus in den jüngsten Wahlen verloren haben, die Chance auf einen weicheren Brexit.

Schließlich zeichnet sich auch in der Geldpolitik eine Wende ab, die die Rahmenbedingungen für Unternehmen verändern dürfte. Steigende Zinsen und geringere Volumina für den Ankauf von Staatsanleihen könnten Unternehmen und Staaten unter Druck setzen. Gleichzeitig wird eine Koordination der Haushaltspolitik diskutiert, die je nach Ausgestaltung den Ausgabenspielraum erhöhen oder die Umsetzung der Konsolidierung verschärfen könnte.

Kann eine gemeinsame Geld- und Fiskalpolitik die Unterschiede zwischen den europäischen Staaten verringern oder zumindest eine erfolgreiche Entwicklung der Gemeinschaft fördern? Wie sind die Aussichten für die Euro-Zone und die Europäische Union wenige Tage vor der Bundestagswahl? Worauf sollten Exporteure in den nächsten Wochen und Monaten achten?

gunther.schilling@frankfurt-bm.com

 

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