Mit einem Zuwachs von 13,2% haben sich die deutschen Exporte im ersten Jahresdrittel 2010 von dem tiefen Einbruch im Vorjahr erholt, vor allem die asiatischen Märkte entwickelten sich anhaltend kräftig. Auch die Containerschifffahrt belebte sich: Im Asien-Europa-Verkehr nahmen die Transporte im ersten Quartal um 20% zu, die Frachtraten stiegen auf einigen Strecken um 50%. Jetzt gilt es, Chancen zu ergreifen und die Aufträge rechts- und zahlungssicher umzusetzen.

Von Gunther Schilling, Redaktionsleiter ExportManager, F.A.Z.-Institut

Insbesondere die Staaten außerhalb der EU haben zum kräftigen deutschen Exportanstieg beigetragen. Einem Plus von 20,3% bei den Drittstaaten standen im Zeitraum Januar bis April 2010 lediglich 9,2% bei den EU-Staaten gegenüber. Allein in Richtung Asien nahmen die Exporte im ersten Quartal 2010 um 41,3% zu. China erreichte ein Plus von 58,0%, Japan eines von 20,7%. Der Export nach Südkorea legte um 38,5% zu und der nach Indien um 18,7%.

Vor allem Fahrzeuge waren wieder gefragt. In dem starken Zuwachs der Exporte spiegelte sich die lebhafte Auslandsnachfrage der Automobilhersteller vor allem aus Asien und Amerika wider. Insbesondere in China, Indien, den USA und Brasilien zogen die Verkäufe an. Von Januar bis Mai 2010 registrierte der Branchenverband VDA einen Exportzuwachs um knapp 50% auf 1,77 Mio Einheiten.

Gut gestartet ist auch die Elektroindustrie, deren Exporte im ersten Quartal 2010 um 15% zulegen konnten. Wachstumstreiber waren Südostasien (+42%) und Lateinamerika (+29%). Führend waren Schienenfahrzeuge und Fahrzeugelektronik, aber auch die meisten anderen Sparten wiesen Zuwächse auf. Die Auftragslage in der Metall- und Elektroindustrie hat sich im ersten Quartal 2010 deutlich um 30% gegenüber dem Vorjahr verbessert.

In der chemischen Industrie legten die Auslandsumsätze im 1. Quartal 2010 um 16,5% zu. Besonders stark, um 46%, stieg der Export nach Ostasien (ohne Japan, das um 6% zulegte). Lateinamerika verzeichnete ein Plus von 21,5%, die EU-Staaten außerhalb der Euro-Zone nahmen 19,5% mehr ab. In der Euro-Zone betrug der Zuwachs nur 5% und die Exporte in die USA sanken um 19%. Vor allem Pharmazeutika waren weniger gefragt.

Der Branchenverband VCI rechnet für das weitere Jahr jedoch mit einer Wachstumsabschwächung und einem Plus von nur noch 10% im Gesamtjahr. Für die chemische Industrie bleibt Asien der dynamischste Absatzmarkt, insbesondere China, Indien, Südkorea und in ihrem Gefolge Japan verzeichnen ein starkes Industriewachstum. Südamerika, Russland und der Nahe Osten zeigen ebenfalls deutliche Belebungstendenzen in der Industrie und damit der Nachfrage nach chemischen Produkten.

Der Maschinenbau verzeichnete insgesamt nur ein verhaltenes Wachstum. Doch die Auftragslage hat sich auch dort zuletzt gebessert. Im Dreimonatsdurchschnitt Februar bis April 2010 stiegen die Auslandsaufträge um 28% gegenüber dem Vorjahr. Davon profitierten nahezu alle Sparten, lediglich Aufzüge, Fahrtreppen und Landtechnik entwickelten sich schwach. Besonders im Werkzeugmaschinenbau legten die Auslandsaufträge mit einem Plus von 54% bereits im ersten Quartal 2010 kräftig zu. Gießereitechnik, Textilmaschinen und holzverarbeitende Maschinen verdoppelten sogar ihren Auftragsbestand, der im Vorjahr allerdings auch stark eingebrochen war.

Die Umsetzung der guten Auftragslage wird nach Auskunft mittelständischer Unternehmen von der Finanzierungsseite weiterhin erschwert. Angesichts der aufgebrauchten Liquiditätsreserven und der Zurückhaltung der Banken sei die Vorfinanzierung der Aufträge schwierig, klagt beispielsweise der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW). Zu-dem hätten sich die Prämien der Kreditversicherer deutlich erhöht. Dies und die langen Durchlaufzeiten dürften 2010 zu einer verhaltenen Exportentwicklung führen.

Kontakt: g.schilling[at]faz-institut.de

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