Gerade jetzt, in Zeiten des Aufschwungs, sollten Auslandsmessen genutzt werden, um alte Geschäftskontakte zu pflegen und neue aufzubauen. Besonders gut passt dazu die Nachricht, dass sich die Lage der überregionalen Inlandsmessen und der von deutschen Anbietern veranstalteten Auslandsmessen im Vergleich zum Vorjahr stabilisiert hat. Die Zahl deutscher Aussteller auf Messen im Ausland dürfte sich 2010 besonders in China und Russland wieder erhöhen. 2009 war sie vor allem in Russland eingebrochen.

Von Aylin Matlé, Redaktion ExportManager, F.A.Z.-Institut

Die Rückgänge im Ausland waren regional allerdings sehr unterschiedlich verteilt, berichtete der Vorsitzende des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (AUMA), Hans-Joachim Boekstegers, auf der Jahrespressekonferenz des AUMA. So verringerten sich die Ausstellerzahlen deutscher Messen in Russland im Durchschnitt um 16%, die Standflächen gingen sogar um 23% zurück. Im angrenzenden China hingegen konnte ein Wachstum von 3% mehr Ausstellern und sogar 10% mehr Besuchern verzeichnet werden. Insgesamt sank die Zahl der Auslandsmessen deutscher Veranstalter 2009 von 220 im Vorjahr auf 211. Für 2010 sind 235 Messen geplant.

Deutsche Veranstalter sind mit rund 56% ihrer Messen hauptsächlich im asiatischen Raum aktiv. Darauf folgen die Beteiligungen in den europäischen Nicht-EU-Staaten, wobei auf Russland der Schwerpunkt liegt. In diesem Zusammenhang sollte hervorgehoben werden, dass die Durchschnittsfläche je Aussteller von 23 qm in diesen Ländern weiterhin überdurchschnittlich ist. Die im Mittel ver­mietete Fläche von 25 qm in Russland relativiert dann auch den überdurchschnittlichen Rückgang der Standflächen 2009.

Auch das Auslandsmesseprogramm wurde 2009 weniger in Anspruch genommen. Insgesamt wurden 2009 Beteiligungen in 38 Ländern realisiert, wobei die Städte Moskau (40) sowie Schanghai (23) die wichtigsten Ziele waren. Bei den rund 220 für 2010 geplanten Beteiligungen an Auslandsmessen ist China mit 48 beabsichtigten deutschen Gemeinschaftsständen am häufigsten im Programm vertreten. Dadurch kann das Land seine Spitzenreiterfunktion zurückgewinnen, die es 2009 an Russland verloren hatte.

In Indien zeichnet sich eine ähnlich positive Tendenz ab: Für 2010 wurden 25 Messen zum ersten Mal in das deutsche Auslandsmesseprogramm aufgenommen. Dadurch konnte die Entwicklung aus dem Vorjahr fortgesetzt werden, indem sich deutsche Veranstalter bereits an 24 Messen beteiligten. Ins Zentrum der deutschen Auslandsmessen in Indien rückt immer mehr Mumbai, wo 2009 15 Messen stattfanden.

Für Unternehmen, die nicht aus eigenen finanziellen Mitteln eine Messebeteiligung schultern können, gibt es Unterstützung durch den Bund. Für das Jahr 2010 sind im Bundeshaushalt rund 40 Mio Euro eingeplant, um der deutschen Wirtschaft bei Auslandsmessebeteiligungen finanziell zu helfen. Mit diesen Zuschüssen können weltweit an die 220 Beteiligungen umgesetzt werden. Gerade in Zeiten, in denen sich die Wirtschaft weltweit ­wieder zu erholen beginnt, scheint es besonders für kleine und mittelstän­dische Unternehmen notwendig, sich um Exportmöglichkeiten zu bemühen.

Die staatliche Unterstützung sollte aber nicht als Subvention zum Erhalt einzelner Branchen gesehen werden, betont Boekstegers. Vielmehr sollten die Zuschüsse als Hilfe zur Erschließung neuer Märkte betrachtet werden, um Deutschlands Exportindustrie zu stärken.

Die Entwicklungen der Messewirtschaft in anderen Ländern unterscheiden sich regional erheblich. In den USA mussten die Messeveranstalter 2009 erneut Einbußen hinnehmen. Laut des Center for Exhibition Industry Research (CEIR) ist die Messewirtschaft um 12,5% geschrumpft; dadurch wird der bisher größte Verlust im Jahr 2008 um das Vierfache überschritten. Bei den jährlich rund 5.000 stattfindenden Fach- und Publikumsmessen gingen die Umsätze der Messeveranstalter um mehr als 13% zurück.

Der größte Messeveranstalter Amerikas, Nielsen Business Media, musste sogar einen Umsatzrückgang von 25% hinnehmen. Auch die Anzahl der Aussteller entwickelte sich im 4. Quartal 2009 um 5,8% zurück.

In Europa sieht die Entwicklung der Messelandschaft auch nicht besonders erfreulich aus. Italien konnte zwar eine leichte Erholung verzeichnen, allerdings ergaben Befragungen von Unternehmen, die dem italienischen Messeverband AEFI angehören, dass über ein Drittel einen Rückgang der Aussteller zu verzeichnen hatte.

Die Lage in Frankreich hat sich ebenfalls nicht zum Positiven entwickelt. Als Folge der Wirtschaftskrise mussten sich die drei größten französischen Messeveranstalter und Geländebetreiber mit erheblichen Umsatzeinbußen abfinden. VIPARIS setzte 2009 beispielsweise mit der Vermietung von Messegeländen nur noch 285,3 Mio Euro um, ein Minus im Vergleich zum Vorjahr, in dem sich der Erlös noch auf 300,4 Mio Euro belief.

Auch wenn die Messegeschäfte in Frankreich im vergangenen Jahr rückläufig waren, ist für internationales Flair auf ­Ausstellungen gesorgt, sogar von oberster Stelle. So hat das französische Wirtschaftsministerium festgeschrieben, welche Bedingungen eine „internationale“ Messe erfüllen muss: Eine Messe mit der Bezeichnung „internationale simple“ oder auch „international“ muss mindestens 10% Aussteller oder 5% Besucher aus dem Ausland beherbergen. Fachmessen mit dem Attribut „international confirmé“ müssen hingegen mindestens 20% ausländische Aussteller sowie mehr als ein Viertel ausländische Besucher auf­weisen.

Messen in Großbritannien, die ein internationales Publikum ansprechen sollen, haben im Gegensatz zu denen der Mittelmeerstaaten Italien und Frankreich mehr mit dem Rückgang der vermieteten Fläche zu kämpfen als mit geringeren Ausstellerzahlen. Im vergangenen Jahr erlitt die Messewirtschaft einen Rückgang bezüglich der vermieteten Aussteller­flächen von 3,2 Mio qm (2008) auf 2,8 Mio qm.

Der britische Messeverband AEO geht davon aus, dass sich diese Entwicklung in diesem Jahr fortsetzen wird. Auch der weltweit größte Messeveranstalter, das britische Unternehmen Reed Exhibitions, war im Zuge der Wirtschaftskrise nicht resistent gegenüber Geschäftsrückgängen. Der Umsatz sank 2009 um 10%. Gegen den allgemeinen Trend konnte die ITE Group, ein Organisator internationaler Messen und Events, einen Umsatzzuwachs von 123,3 Mio Euro (2008) auf 128,3 Mio Euro 2009 vorweisen.

Solch positive Trends konnten auch in China festgestellt werden, denn trotz der Finanzkrise erwies sich die chinesische Messewirtschaft als recht stabil. Grund dafür sind hauptsächlich die staatlichen Maßnahmen der chinesischen Regierung, um große Rückgänge im Messegeschäft abzuwenden. Die drei führenden Messezentren des Landes, Schanghai, Peking und Kanton, konnten bereits in den zurückliegenden fünf Jahren konsolidiert werden. Nach einer langanhaltenden Wachstumsphase ist das Messewesen in den drei Metropolen mittlerweile gereift. Im Zuge der Konsolidierung ging die Anzahl der Messen von 950 im Jahr 2005 auf 837 im Jahr 2009 zurück.

Teilweise bewirken die aufstrebenden Messestädte „zweiter Reihe“ diese rückläufige Entwicklung in den bekannten Messemetropolen. In diesen Städten werden, oft nur probeweise, neue Messen mit beträchtlichem Ausmaß gegründet, jedoch oft zum Leidwesen kleiner, noch nicht etablierter Messen in den führenden Messezentren. Dieser Entwicklung liegt der zweite, noch größere Bauboom nach 2001–2005 zugrunde. Viele Städte des Landes entwerfen Pläne für Messe­gelände in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

In Kanton fing beispielsweise der Bau der International Commodity Exhibition and Trade City an. Dieses Messegelände soll den fünffachen Umfang des bisher größten chinesischen Messekomplexes, China Import & Export Fair Complex, erreichen: etwa 1,5 Mio qm. Allerdings rufen diese Vorhaben bereits Bedenken beim China Council for the Promotion of International Trade (CCPIT) hervor. Der CCPIT hat die Befürchtung geäußert, dass die Ent­wicklung der Messewirtschaft nicht mehr dem Bau neuer Gelände nachkommen werde.

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