Von den weltweiten geldpolitischen Lockerungen profitieren sowohl die entwickelten Industrienationen als auch die sogenannten Schwellenmärkte. Unter Letztgenannten sieht Atradius sechs aufstrebende Volkswirtschaften, die mit ihrer guten Wirtschaftsleistung für einen stabilisierenden Effekt auf die Weltkonjunktur sorgen.

Die weltweit unsichere Konjunktur und die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft führten 2019 zu einem globalen Abwärtstrend im verarbeitenden Gewerbe und belasteten das weltweite Wachstum. Es gibt allerdings auch Anzeichen, die auf einen Wendepunkt hindeuten. Positive Impulse geben zum Beispiel geldpolitische Lockerungen oder aber aufstrebende Volkswirtschaften wie Vietnam, Brasilien, Kolumbien, Kasachstan, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Senegal.

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Von den weltweiten geldpolitischen Lockerungen profitieren sowohl die entwickelten Industrienationen als auch die sogenannten Schwellenmärkte. Unter Letztgenannten sieht Atradius sechs aufstrebende Volkswirtschaften, die mit ihrer guten Wirtschaftsleistung für einen stabilisierenden Effekt auf die Weltkonjunktur sorgen. Diese sechs Märkte bieten Exporteuren ebenso wie Investoren 2020 interessante Geschäftsmöglichkeiten mit Wachstumspotential.

Die Kriterien

Die sechs von Atradius als Zukunftsmärkte identifizierten Länder weisen allesamt folgende Gemeinsamkeiten auf.

  1. Sie verfügen über ein konstant hohes beziehungsweise zunehmendes BIP-Wachstum, das vor allem vom privaten Konsum und langfristigen Investitionen getragen wird.
  2. Sie haben ausreichend finanzielle Reserven und einen flexiblen Währungswechselkurs, der sie vor Volatilitäten schützt.
  3. Sie weisen insgesamt stabile poli­tische Verhältnisse auf, die das Geschäftswachstum fördern.

Vietnam erneut unter den führenden Schwellenländern

Vietnam gehörte für die Analysten von Atradius bereits im vergangenen Jahr zu den Chancenmärkten für Exporteure. Die Volkswirtschaft, die seit 1995 zum Verband Südostasiatischer Nationen (kurz ASEAN) gehört, verfügt weiterhin über großes Wachstumspotential. In diesem Jahr nimmt das BIP voraussichtlich um 6,6% zu – und das, obwohl auch die vietnamesischen Unternehmen die Abkühlung der chinesischen Konjunktur zuletzt zu spüren bekommen haben. Damit gehört das Land zu den am schnellsten wachsenden Schwellenländern.

Die verhältnismäßig niedrigen Löhne und der Status als Sonderwirtschaftszone machen Vietnam attraktiv für die export-orientierte Fertigung ausländischer Unternehmen. Seit den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA hat die Produktion weiter Fahrt aufgenommen.

Die Logistikbranche und hier insbesondere der Seefrachtverkehr profitieren von der hohen Frequenz an Frachten, sowohl auf Import- als auch auf Exportseite. Der Onlinehandel fördert die Nachfrage nach Transportdienstleistungen. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wirkt sich wie­derum positiv auf die vietnamesische Konsumstimmung aus. Für die Konsumgüterbranche und den Handelssektor rechnen die Analysten mit einem Wachstum von mehr als 6%. Noch besser ist die Prognose im Tourismussektor mit einem voraussichtlichen Wachstum von 10%. Diese Entwicklung sorgt gleichzeitig für einen Boom in der Baubranche, da nicht nur vietnamesische, sondern auch ausländische Investoren in den Bau von Immobilien investieren. Die Direktinvestitionen werden laut Prognose erneut steigen – von 6,7% im Jahr 2019 auf mehr als 7% im Jahr 2020. Auch für die Landwirtschaft geht es laut der Analyse nach einem schwachen Jahr 2019 wieder bergauf.

Brasilien: Zeichen der Erholung spürbar

Die Verabschiedung der Rentenreform von Brasiliens Präsident Bolsonaro hat für mehr Vertrauen bei den brasilianischen Unternehmen gesorgt. Das brasilianische Bruttoinlandsprodukt wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 2,2%. Die lokale Nachfrage wird durch positive Impulse am Arbeitsmarkt gestärkt. Von der gestiegenen Konsumneigung profitieren insbesondere die Pharmabranche und der Lebensmittelsektor. Die brasilianische Bevölkerung fragt vermehrt neuartige und spezifische Medizinprodukte nach. Der Grund: Zum einen werden die Menschen in Brasilien immer älter, zum anderen leben sie immer häufiger in Städten mit besserer medizinischer Versorgung.

Auch die Milchwirtschaft profitiert von einer größeren Nachfrage nach Molkereiprodukten, weil sie als gesund und nahrhaft gelten. Insgesamt fragt die wachsende Mittelschicht verstärkt hochwertige Lebensmittel nach.

Kolumbien: Baubranche wächst

Atradius geht 2020 von einem positiven Wachstum in Kolumbien aus. Die Mitgliedschaft in der OECD hat eine vergleichsweise niedrige Unternehmensteuer und niedrigere Zinsen zur Folge, wodurch Privatinvestitionen attraktiver werden. Gleichzeitig sorgen die ambitionierten Infrastrukturpläne der Regierung für steigende staatliche Investitionen.

In der Baubranche rechnet Atradius mit einem Wachstum von knapp 4%. Auch der Energiesektor profitiert vom aktuellen Trend mit einem prognostizierten Wachstum von etwa 3%. Das sogenannte Fracking, das zur Förderung von Erdgas eingesetzt wird, soll in weiteren Pilotprojekten getestet werden. Die maritime Wirtschaft, die dabei unterstützend tätig ist, verdient ebenfalls mit.

Kasachstan: Investitionen in Infrastruktur ­fördern Wirtschaft

Nach bereits guten Vorjahreszahlen ist in Kasachstan auch der Ausblick für das ­laufende Jahr positiv. Atradius rechnet erneut mit einem Wachstum, das von einer stabilen Währung, dem Kasachischen Tenge, der 1993 den Rubel ersetzte, ebenso gestützt wird wie von der stabilen politischen Lage. Impulse kommen zu-dem von den Investitionsprogrammen der Regierung, die den Aufbau der Infrastruktur und die wirtschaftliche Diver­sifizierung fördern. Insbesondere die Pharmabranche profitiert von der lokalen Gesundheitsreform und der gestiegenen Nachfrage.

Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen sich nicht auf ihre Ölvorkommen

Die Pharmabranche in den Vereinigen Arabischen Emiraten (VAE) befindet sich ebenfalls in einem positiven wirtschaftlichen Umfeld. Zum einen fragt die lokale Bevölkerung hochwertige Medizinprodukte nach. Zum anderen gelten die VAE als führender Hub für den Medizintourismus. Die politische Situation im Land ist stabil.

Ein weiterer positiver Indikator: Die Emirate haben sich das Ziel gesetzt, sich bis 2021 zu einer wissensgestützten Wirtschaft zu entwickeln. Die in den Emiraten so wichtige Ressource Öl soll nur noch 20% statt 26% am Bruttoinlandsprodukt ausmachen. 2020 ist die Weltausstellung EXPO zu Gast in Dubai, was ebenfalls für positive Effekte sorgen wird. Die Tourismusbranche freut sich über gelockerte Visavorschriften.

Westafrika rangiert mit dem Senegal als aufstrebender Nation in den Top 6

Der Senegal erweist sich aufgrund seiner politischen Stabilität sowie seines starken Bruttoinlandsprodukts ebenfalls als sehr attraktiv für ausländische Unternehmen.

Mit einem 2012 initiierten Entwicklungsprogramm, das 2019 in die zweite Phase ging, unterstützt die Regierung das Wachstum und die Investitionen in die lokale Infrastruktur. Die zweite Phase fokussiert sich auf den Ausbau von Zug-trassen, Landstraßen und den Zugang zu Elektrizität in ländlichen Regionen. Damit ist der Senegal besonders interessant für Unternehmen, die auf Infrastrukturprojekte spezialisiert sind, ebenso wie für Öl- und Gasproduzenten. Die Pläne des Staates, den Energiesektor auszubauen, sorgen ebenfalls für Wachstumschancen ausländischer Unternehmen.

Der gesamte Report befindet sich zum kostenfreien Download auf www.atradius.de.

thomas.langen@atradius.com

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