Exporte in fremde Länder sind oftmals mit hohen Risiken verbunden. Insbesondere Liquidität und Devisenverfügbarkeit sind ­wichtige Bonitätskriterien. Asiatische Staaten weisen zumeist günstige Finanzdaten auf. Alleine die Volksrepublik China verfügt über Währungsreserven von mehr als 2,5 Bill US$, das entspricht 17% des amerikanischen BIP 2009. Diese Finanzpolster verdanken die Asiaten ihren exportstarken Volkswirtschaften und ihren hohen Sparquoten.

Von Aylin Matlé, Redaktion ExportManager, F.A.Z.-Institut

Wer jetzt als Exporteur lukrative Geschäfte machen will, sollte einen genaueren Blick auf asiatische Länder wie China, Indien oder Südkorea werfen. Zum einen wegen der hohen Nachfrage der ansässigen Unternehmen, die über umfang­reiche finanzielle Mittel verfügen und wieder höhere Gewinne erzielen. So wiesen die größeren chinesischen Industrieunternehmen zwischen Januar und Mai 2010 Gewinne in Höhe von 225,6 Mrd US$ aus – eine Steigerung um 81,6% im Vergleich zum Vorjahr.

Zum anderen ermöglicht die niedrige Staatsverschuldung – China ist mit 26,2% des BIP verschuldet, die USA hingegen mit 94,8% – hohe Investitionen im öffentlichen sowie privaten Sektor. Die niedrige Staatsverschuldung sowie die hohen Währungsreserven in Asien sprechen auch für geringe Zahlungsrisiken. Im Bereich der privaten Unternehmen konnte bereits überwiegend eine positive Entwicklung der Zahlungsmoral festgestellt werden, die Zahlungsausfälle sind laut dem Kreditversicherer Coface im vorigen Jahr gesunken.

Ein weiteres Indiz, das auf enorme finanzielle Mittel hindeutet, sind die hohen Sparquoten in Asien, die durchschnittlich 43,6% der Wirtschaftsleistung betragen; der weltweite Durchschnitt lag 2009 dagegen bei nur 24,7%. Die Finanzlage der meisten asiatischen Schwellenländer blieb auch während der zurück­liegenden Krise stabil. Die Auslandsverschuldung nimmt kontinuierlich ab; so liegt die durchschnittliche Verschuldung bei 18% des BIP.

Allerdings sollten bei aller Zuversicht die möglichen Zahlungsrisiken nicht außer Acht gelassen werden, die Geschäfte mit chinesischen und anderen asiatischen Unternehmen mit sich bringen könnten. Während der Forderungsspezialist Coface das Länderrating Chinas mit A3 einschätzt und dadurch das Ausfallrisiko von Zahlungen als noch gering einstuft, fällt die Bewertung des Geschäftsumfelds deutlich negativer aus (B). Dieses Rating signalisiert unter anderem eine mittel­mäßige Durchsetzbarkeit von Zahlungs­ansprüchen sowie Schwächen der nationalen Institutionen. Delcredere, ebenfalls ein Kreditversicherer, schätzt das systemisch wirtschaftliche Risiko in China mit der Bewertung C als relativ hoch ein. Vor allem die Verzerrung des Wirtschafts­systems durch eine mangelhafte Ge­setzeslage führt zu der Einschätzung eines besonders hohen wirtschaftlichen Risikos.

Die Risikoeinschätzung des Nachbarstaates Indien fällt ähnlich aus wie die Chinas. So läuft die Länderbewertung von Coface ebenfalls auf A3 hinaus, da auch in Indien die Spar- und Investitionsquote hoch ist und somit die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls gering erscheint. Allerdings birgt der rasche Anstieg der Auslandsverschuldung auch für indische Unternehmen eine Gefahr, insbesondere im Falle starker Abwertungen. Durch eine weitere Kreditverknappung auf den internationalen Finanzmärkten könnten die Zahlungsverzögerungen zunehmen.

Das Geschäftsumfeld wird mit A4 besser eingestuft als das Chinas. Dieser Unterschied resultiert aus dem weiter entwickelten Gläubigerschutz und der besseren Verfügbarkeit von finanziellen Informationen auf dem Subkontinent. Delcredere schätzt das systemisch wirtschaft­liche Risiko in Indien mit C ebenso hoch ein wie im angrenzenden China.

Obwohl Südkorea eine hohe Verschuldung der Privatwirtschaft zu verzeichnen hat, wird das Länderrisiko mit A2 durch Coface als relativ gering eingeschätzt. Diese Bewertung ist unter anderem auf die hohe Devisenverfügbarkeit zurückzuführen. Im Bereich des Geschäftsumfeldes gibt es noch geringe Defizite. Die Problemfelder Korruption und Transparenz bei den familiengeführten Konzernen stellen die Regierung weiterhin vor große Herausforderungen. Delcredere stuft Südkorea in der Kategorie systemisch wirtschaftliche Risiken daher mit B ein.

In Vietnam fällt die Einstufung des Geschäftsumfeldes durch Coface mit C noch um einiges schlechter aus als die anderer ASEAN-Staaten. Diese Einschätzung ist den Mängeln hinsichtlich der Transparenz bei Finanzdaten und Forderungseinzügen geschuldet. Das systemisch wirtschaftliche Risiko Vietnams ist auch nach Ansicht des Kreditversicherers Delcredere mit C als hoch einzustufen.

Die Einschätzung des Länderrisikos durch Coface fällt mit B ebenfalls nicht ganz so günstig aus, da politische und wirtschaftliche Unsicherheiten im Land das Zahlungsverhalten von Unternehmen beeinträchtigen können. Die Finanzlage sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit erhöhen zudem das Risiko von Zahlungsausfällen. Daher steht das Rating unter Beobachtung für eine Abwertung.

Die Verbindlichkeiten des indonesischen Staates haben sich hingegen weiterhin verringert. Dadurch zeichnet sich eine solide Finanzlage für das Jahr 2010 ab. Außerdem ist zu erwarten, dass das Haushaltsdefizit angesichts der restriktiven Haushaltspolitik zurückgehen wird. Dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Indonesiens Länderriskio durch Coface mit B eingestuft wird; das deutet wie bei Vietnam auf erhöhte Zahlungsrisiken hin. Auch Delcredere schätzt das systemisch wirtschaftliche Risiko mit der Bewertung C als hoch ein.

Ohnehin fallen die Risikoeinschätzungen in Asien nicht nur so zufriedenstellend aus wie beispielsweise in Japan oder ­Singapur (beide werden von Coface nun ­wieder mit A1 bewertet). Die Risikobewertung in schwach entwickelten Ländern wie Bangladesch oder Laos schwankt zwischen C und D, was hohe bis ausgesprochen hohe Zahlungsausfälle induziert. Besonders schlecht fällt das Länderrating für die zentralasiatischen Staaten Afghanistan und Pakistan aus, was hauptsächlich der politischen Instabilität zuzuschreiben ist, die die Geschäftstätigkeit im Land belastet.

Im Bereich des Geschäftsumfeldes lassen sich wie bei den Länderratings enorme Unterschiede in den einzelnen asiatischen Staaten feststellen. Die Kluft reicht von Ländern wie Japan und Singapur, die von Coface mit der Höchstnote A1 bewertet werden, bis hin zu Myanmar oder Kambodscha, die mit der schlechtesten Bewertung D abschneiden.

Textkasten: Einstufungskriterien des Länderrisikos

In die Einstufung des Länderrisikos von Coface fließen die wirtschaftliche, finanzielle und politische Entwicklung, die ­Zahlungserfahrungen mit Unternehmen des jeweiligen Landes sowie das dortige Geschäftsumfeld ein. Bestandteile zur Einschätzung des Geschäftsum­feldes durch Coface sind unter anderem die Qualität und Verfügbarkeit von Finanzinformationen und der Rechtsschutz für Gläubiger sowie die Effizienz des Forderungseinzugs. Ferner wird die Qualität der institutionellen Rahmenbedingungen beurteilt.

Die Bewertungsskala von Coface reicht von A1 bis D, wobei die Bewertungsstufen A1 bis A4 ein niedriges Länderrisiko bzw. ein günstiges Geschäftsumfeld kennzeichnen. Die Stufen B bis D zeigen dagegen ein mittleres bis hohes Länderrisiko bzw. ein eingeschränktes bis problematisches Geschäftsumfeld an.

Die Einstufung des politischen Risikos durch Delcredere fußt auf folgenden Indikatoren-gruppen: makroökonomische Aspekte, Risiken durch politische Extremsituationen sowie die Zahlungserfahrungen von Delcredere selbst. Die Länder werden auf einer Skala von 1 bis 7 bewertet, wobei die Einstufung 1 das geringste politische Risiko induziert. Die wirtschaftliche Risikoeinschätzung beruht auf makroökono­mischen, finanziellen und institutionellen Indikatoren. Außerdem fließen die Zahlungserfahrungen des Versicherers mit den Unternehmen des jeweiligen Landes mit in die Bewertung ein. Die Einstufung erfolgt mittels einer Skala von A bis C, wobei A das geringste Risiko anzeigt.

Aktuelle Beiträge