Die frühere portugiesische Kolonie hat sich von einer landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft zu einem der wichtigsten Öl- und Mineralproduzenten und der drittgrößten Wirtschaft innerhalb von Subsahara-Afrika mit starkem Wachstumspotential entwickelt. Die Regierung hat eine Reihe von Reformen hinsichtlich der Diversifizierung der Wirtschaft und des integrativen Wachstums auf den Weg gebracht.

Von Claire Schaffnit-Chatterjee, Senior Analyst, Deutsche Bank Research

Nach dem Ende des 27 Jahre dauernden Bürgerkriegs im Jahr 2002 haben umfangreiche ausländische Investitionen und hohe Staatsausgaben Angola auf einen soliden Wachstumspfad gebracht: Die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts lag im vergangenen Jahrzehnt im Durchschnitt bei 11%. Für das Jahr 2012 wird sie auf über 8% geschätzt und mit ca. 7% für die kommenden Jahre prognostiziert.

In Angola steuert der Ölsektor die Hälfte zum nationalen Bruttoinlandsprodukt bei und zeigt sich verantwortlich für 95% der Exporte sowie für 75% der Staatseinnahmen. Angola ist der zweitgrößte Ölproduzent in der Region nach Nigeria. Im Vergleich zu den anderen Staaten von Sub­sahara-Afrika ist der Ölmarkt weitaus dynamischer, zumal er von einer kontinuierlichen Ölexploration und einem günstigen regulatorischen Umfeld profitiert. Man erwartet, dass die Ölfördermenge 2 Mio Barrel am Tag im Jahr 2015 erreichen wird, ausgehend von 1,75 Mio Barrel am Tag im Jahr 2012.

Langfristig kann Angola der größte Öl-produzent Afrikas werden, falls sich die neu entdeckten Ölvorkommen als ähn-lich ertragreich herausstellen wie die in Brasilien gefundenen. Die Förderung von Erdgas wird ebenfalls ansteigen, und es wird zudem erwartet, dass die Förderung den nationalen Konsum im Jahr 2013 bei weitem übersteigt. Somit können zum einen weitere Exportmöglichkeiten geschaffen und zum anderen der Energiesektor angekurbelt werden. Große Unternehmen der Öl- und Gasbranche werden weiterhin ihre Tätigkeiten im Land ausweiten, genauso wie Ölkonzerne aus Schwellenländern wie Brasilien oder China.

Angola ist der achtgrößte Förderer von Rohdiamanten und besitzt hohe, noch ungenutzte Kupfer-, Eisenerz-, Gold-, Phosphat- und Uranreserven. Der Minensektor trägt ungefähr 12% zum Bruttoinlandsprodukt bei, des Weiteren sind zahlreiche neue Projekte bereits in Vorbereitung, besonders zur Förderung von Diamanten und Eisenerz. Vor dem Bürgerkrieg war die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Angola war damals der viertgrößte Kaffeeproduzent der Welt. Die Produktion wurde aber sehr stark vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen, so dass der Landwirtschaftssektor zurzeit nur ca. 10% zum Bruttoinlandsprodukt in Angola beiträgt (z.B. in Form von Rohrzucker und Korn). Hier sind moderate Wachstumsraten aufgrund von gestiegenen Investitionen, staatlichen Reformen und durch die Räumung von Landminen zu erwarten. Das angolanische Wirtschaftswachstum wird weiterhin von Kapitalintensivität und Importabhängigkeit bestimmt und findet überwiegend in den Sektoren statt, welche direkt dem Staat zugeordnet sind (z.B. der Bau- und der Finanzsektor). Der stetige Anstieg der Importe in den nächsten Jahren (auf ungefähr 50 Mrd USD) reflektiert die steigenden Investitionen und die wachsende Inlandsnachfrage. Die Einfuhren nach Angola kommen hauptsächlich aus Portugal (20% aller Importe), China (18%), den USA (10%) und Brasilien (7%).

Der im Oktober 2012 mit einem Volumen von 5 Mrd USD aufgelegte Staatsfonds soll helfen, den Einfluss volatiler Ölpreise auf die Wirtschaft Angolas einzudämmen. Man erwartet ein schnelles Wachstum des Fonds durch weiterhin steigende Öleinkünfte und, sofern gut geführt, hierdurch die Bildung einer soliden Grundlage für eine zukünftige Wachstumsdiversifikation. Diese soll durch Investitionen in Infrastruktur, Landwirtschaft und Dienstleistungen geschehen. Die andauernde große Armut (55% der Angolaner leben unter der Armutsgrenze von 1,25 USD am Tag), die hohe Arbeitslosigkeit (ca. 25%) sowie die steigende Unzufriedenheit, welche sich in vermehrten Straßenprotesten zeigt, haben die Regierung dazu veranlasst, die Investitionen im Nichtölsektor zu erhöhen. Das Pro-Kopf-Einkommen (aktuell 6.000 USD) hat sich seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2002 versiebenfacht – das schnellste Wachstum in ganz Sub­sahara-Afrika. Aber die hohe ungleiche Einkommensverteilung bleibt bestehen. Mit der Absicht, einen verbesserten Zugang zu höherer Bildung, zum Gesundheitswesen, zu Sanitätseinrichtungen, Trinkwasser und geeignetem Wohnraum zu schaffen, wurde eine bedeutende Erhöhung der Staatsausgaben für das Budgetjahr 2013 vorgesehen, auch um Angola auf einen allumfassenden Expansionspfad zu bringen.

Die gegenwärtige Entwicklung einer zunehmenden Diversifizierung der Wirtschaft generiert neue Investitionsmöglichkeiten in Angola, aber das wirtschaftliche Umfeld bleibt herausfordernd, vor allem bezüglich der Infrastruktur und der Bürokratie. Obwohl die Inflationsrate sehr schnell sinkt (sie erreichte mit 8,9% im Jahresvergleich des Monats Januar einen Tiefpunkt seit mehreren Dekaden, und man erwartet, dass sie im einstelligen Bereich verbleibt), sind die Kosten für Geschäftstätigkeiten in Angola sehr hoch. Laut einer Erhebung von Mercer (Cost of Living Survey) ist die Hauptstadt Luanda die zweitteuerste Stadt der Welt für ausländische Arbeiter. Dies liegt an einer Mehrzahl von Gründen, u.a. an dem fehlenden Wettbewerb in einigen Bereichen, einer hohen Importabhängigkeit, schlechter Transportinfrastruktur und dem hohen Gehaltsniveau im Ölsektor.

Zu den steigenden Kosten kommen ungenügende Transportinfrastrukturen (be-sonders im Bereich der Häfen), was zu einer zeitaufwendigen Abwicklung der Im- und Exporte führt. Eine überzogene Bürokratie, kombiniert mit einer schwierigen rechtlichen Vertragssicherheit, sowie staatliche Ineffizienz und Korruption erhöhen die Herausforderungen für eine Geschäftstätigkeit in Angola.

Es wurden bereits einige Fortschritte in mehreren Bereichen erzielt, zum Beispiel beim Zugang zu und den Kosten von Elek­trizität oder der Anmeldung neuer Geschäftstätigkeiten. Da die Regierung die Herausforderungen erkannt hat, wird die Infrastruktur ausgebaut; zurzeit werden über 4,3 Mrd USD im Jahr, hauptsächlich in den Straßenbau, investiert. Nach einer Schätzung der Weltbank müssen im nächsten Jahrzehnt jährlich ca. 2,1 Mrd USD in die Infrastruktur investiert werden.

Die angolanische Regierung schafft zudem steuerliche Anreize, um die wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Sie führt unternehmerfreundliche Reformen ein, ermöglicht den Zugang zu ­Krediten (durch Garantien für 70% der ­Firmenkredite kleinerer und mittlerer Unternehmen), zum Justizsystem und zu Weiterbildungsmaßnahmen.

Angolas Staatshaushalt befindet sich in einer starken Position mit einem Budgetüberschuss und einer Staatsverschuldung unter 30% des BIP. Kommerzielle Kredite und Handelsfinanzierungen werden genutzt, um Angolas enorme Infrastrukturausgaben zu finanzieren. Angola wird weiterhin von den existierenden Finanzierungen und Kreditlinien seiner Partner, namentlich China – Angolas größtem Kreditgeber – und Brasilien, profitieren. Um aus Angolas günstigem makroökonomischem Klima und dem Interesse der Investoren an Angola Kapital zu schlagen, hat die Regierung Pläne zur Ausgabe eines ersten Eurobonds mit einem Volumen zwischen 1 und 2 Mrd USD bekanntgegeben.

In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern (besonders durch gemeinsame staatliche und private Investitionen zur Strukturierung der Projekte des öffentlichen Sektors) möchte die Regierung die Attraktivität Angolas für ausländische Investoren erhöhen. Sie erwartet, dass die ausländischen Direktinvestitionen im Nichtöl­sektor von durchschnittlich 2 Mrd USD in den Jahren 2011 und 2012 auf 4 Mrd USD steigen und die industrielle Entwicklung unterstützen werden. Angesichts des schwierigen Geschäftsklimas müssen Investoren weiterhin viel Geduld mitbringen, um am enormen Marktpotential Angolas teilhaben zu können.

Kontakt: claire.schaffnit-chatterjee[at]db.com

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