Afrika leidet besonders stark unter den Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens. Global gewinnen wertorientiertes Handeln und nachhaltiges Wirtschaften an Bedeutung. Denn gegenseitige Unterstützung hilft bei dem nötigen Neuanfang und erschließt zukünftige Geschäftspotentiale.

Das Coronavirus breitet sich weltweit aus. Auch Afrika ist zunehmend betroffen. Weltbank, WHO und Entwicklungsbanken bereiten Hilfen vor. Doch auch Unternehmen können einen Beitrag leisten. Angesichts der Coronakrise gewinnen wertorientiertes Handeln und nachhaltiges Wirtschaften an Bedeutung, denn gegenseitige Unterstützung hilft bei dem nötigen Neuanfang und erschließt zukünftige Geschäftspotentiale.

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Auch wenn die offiziellen Infektionszahlen noch niedrig sind: Die Länder südlich der Sahara sind von der Ausbreitung des Coronavirus bereits seit Wochen betroffen. Reisende und Lieferungen aus China sowie zunehmend aus anderen asiatischen Ländern, Europa und den USA werden seltener. Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus schränken inzwischen das öffentliche Leben ein. Nun sind lokale Lösungen gefragt und ein intelligenter Einsatz der vorhandenen Ressourcen.

Lässt sich ein solcher lokaler und nachhaltiger Ansatz auch mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden? Kurz vor der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus bewegte diese Frage das Deutsch-Afrikanische Wirtschaftsforum. Etwa 350 Teilnehmer aus Deutschland und Afrika diskutierten am 18. Februar 2020 in der IHK Dortmund über Zusammenarbeit und unternehmerische Ideen.

Start-ups bringen neue Ideen

Für das Start-up plastics2beans sind Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht nur gut vereinbar, sie bedingen sich sogar gegenseitig. Der Kunststofftechniker Abiye Dagnew und der Polymerchemiker Dr. Kalie-Martin Cheng kamen auf die Idee, Granulatimporte für die Kunststoffindustrie Äthiopiens durch aufbereitetes Altplastik zu ersetzen. Die Bezahlung der Lieferungen erfolgt in Form von Kaffeebohnen, die das Start-up in Deutschland direkt vermarktet, denn Devisen sind knapp in Äthiopien und durch den direkten Kontakt zu den Kaffeebauern sind auch Qualität und Fairness gesichert.

In seiner Präsentation auf dem Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsforum erläuterte Cheng, wie plastics2beans die Kunst­stoffindustrie in Äthiopien nachhaltiger gestalten möchte. Dazu werden moderne Technologie und wiederaufbereitete Grundstoffe nach Äthiopien gebracht. Ziel ist der Aufbau einer eigenen Recyclingwirtschaft für Kunststoffe in Äthiopien. Dabei sollen auch Förderkredite genutzt werden, um den Einsatz von modernen Maschinen zu finanzieren. Eine erste Machbarkeitsstudie soll mit Unterstützung der DEG im Rahmen des Programms Africa Connect finanziert werden. Auch die Exportinitiative Umwelttechnik bietet Förderungen an.

Ein weiteres Start-up, das sich am 18. Februar 2020 in der IHK Dortmund präsentierte, war Ecocent. Das Unternehmen aus Ghana verarbeitet Plastikabfälle zu Bauelementen, die zum Beispiel für Entwässerungsbauten eingesetzt werden. Die Gründerin Emmanuella Serwaa Gyawu aus Ghana konnte im Pitch mit weiteren Start-ups aus Afrika beim Publikum am stärksten überzeugen. Doch im Vordergrund des Wirtschaftsforums standen der Austausch und die Kooperation. „Nachhaltige Wirtschaft bedeutet unter anderem: Partnerschaft in lokalen Komponenten denken und Businessmodelle gemeinsam erarbeiten“, sagte Katharina Hermann vom NAPHelpdesk.

Lokale Lösungen und regionaler Handel

Eindrucksvoll waren die Perspektiven, die ein stärker vernetztes und digitales Afrika nach Meinung vieler Referenten bieten kann. Gabriele Riedmann-de Trinidad meinte, „die Digitalisierung hat Afrika auf jeden Fall mehr gebracht als die letzten 50 Jahre Entwicklungshilfe“. Die Grün­derin und Geschäftsführerin von platform 3L hat mit ihren digitalen Angeboten in Afrika gute Erfahrungen gemacht.

Eine zunehmend digitale Vernetzung macht auch vor dem Hintergrund eines stärkeren regionalen Handels Sinn. Mit der Gründung der Afrikanischen Freihandelszone fallen die Handelshindernisse zwischen den meisten afrikanischen Ländern in Zukunft geringer aus. Digitale Geschäftsmodelle wie die kostengünstige „diagnobox“ zur Unterstützung des Gesundheitssystems können dann auf die ganze Region ausgerollt werden.

Förderung digitaler Projekte

Eine Initiative zur Zusammenarbeit mit Afrika in diesem Bereich bietet die „Strategische Partnerschaft Digitales Afrika“. Das Netzwerk wurde 2015 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiiert. Zahlreiche deutsche und europäische Unternehmen entwickeln darin Projekte in den Themenfeldern Bildung, Energie, Gesundheit, Good Governance, Landwirtschaft und Mobilität.

Zudem bietet das Regionalvorhaben „Tech-Entrepreneurship-Initiative Make-IT in Afrika” jungen afrikanischen Unternehmen Unterstützung. Ein neunmonatiges Akzeleratorprogramm fördert Start-ups aus dem Digitalsektor Ost- und Westafrikas durch Fortbildungen und Mentorenprogramme. Partnerschaften mit der Make-IT-Allianz bieten zudem Zugang zu den Angeboten  öffentlicher Institutionen und  Finanzierungspartnern sowie zu Unternehmen, Verbänden und Netzwerken in Afrika.

Außenwirtschaftsförderung trifft Entwicklungspolitik

Die Bundesregierung fördert die Tätigkeit deutscher Unternehmen in Afrika vor allem mit den bekannten Instrumenten der Außenwirtschaftsförderung: Hermesdeckungen, Investitionsgarantien, Auslandsmesseprogramm, Informationen, Exportfinanzierungen der KfW IPEX-Bank. Darüber hinaus spielen auch die Bundesländer und die Netzwerke der Wirtschaft eine wichtige Rolle bei der Unterstützung deutscher Unternehmen im Ausland.

Allerdings ist der afrikanische Markt für viele Unternehmen noch kein eingespieltes Betätigungsfeld. Die deutsche Wirtschaft hat ihre Ausfuhren nach Afrika 2019 zwar um 5,4% erhöht. Der Exportanteil des Nachbarkontinents war mit 1,8% allerdings weiterhin recht niedrig. Die deutschen Nettodirektinvestitionen in Afrika sanken 2019 auf 1.147 Mio EUR. Im Vorjahr waren noch 2.039 Mio EUR geflossen. Dabei konzentrierten sich die Investitionsbestände auf Südafrika und die nordafrikanischen Länder Ägypten, Algerien, Marokko und Tunesien.

Mit dem „Compact with Africa“ haben die G20-Länder auf Vorschlag der deutschen Regierung einen neuen Ansatz gewählt, der die Zusammenarbeit auf reformwillige Staaten in Afrika konzentriert. Dort sind in der Regel die Geschäftsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen größer als in stärker regulierten Ländern. Der im vergangenen Jahr aufgelegte Entwicklungsinvestitionsfonds der Bundesregierung schafft zudem Anreize, das privatwirtschaftliche Engagement mit den entwicklungspolitischen Zielsetzungen zu verbinden. Er dient als „Marshallplan für Afrika“.

Marshallplan für Afrika

Im Rahmen des Entwicklungsinvestitionsfonds hat die Bundesregierung drei neue Förderangebote ins Leben gerufen:

  • „Africa Connect“ unterstützt Unternehmen in Afrika, an denen deutsche oder europäische Unternehmen beteiligt sind. Zielgruppe sind mittelständische Unternehmen, die bereits Erfahrung in Afrika gesammelt haben. Sie können Darlehen von 750.000 EUR bis zu 4 Mio EUR für drei bis sieben Jahre erhalten und damit bis zu 50% des Gesamtfinanzbedarfs für Investitionen, Betriebsmittel und die Beteiligung an afrikanischen Unternehmen finanzieren.
  • „Africa Grow“ ist ein Dachfonds zur Finanzierung lokaler afrikanischer Fonds, die KMUs in den Ländern des „Compact with Africa“ finanzieren. Die KfW Entwicklungsbank übernimmt im Auftrag des BMZ die Umsetzung gemeinsam mit der Allianz Global Investors als Manager.
  • Das „Wirtschaftsnetzwerk Afrika“ stellt Unternehmen unter anderem Erstberatungen zu Maßnahmen der Außenwirtschaftsförderung und der Entwicklungsarbeit, vertiefte Beratungen zu Finanzierung oder Business-Case-Berechnung sowie Kontaktvermittlung in Deutschland und im Zielland zur Verfügung.

gunther.schilling@frankfurt-bm.com

www.frankfurt-bm.com

 

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