Afrika blickt gemeinsam mit der ganzen Welt auf sein wohl bedeutendstes kontinentales Ereignis; die Fussballweltmeisterschaft in Südafrika. Sie lässt die negativen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Hintergrund treten, von der sich Afrika ohnehin kaum betroffen sieht. Dazu sagte jüngst Banjo Adegbohungbe, Deputy General Manager der Access Bank aus Nigeria: „Alle Probleme, die wir in Afrika haben, hatten wir vor der Krise auch schon …“.

Von Ralph Eckle, Trade Risk Facilitation Manager Africa, und Dr. Christian Nägele, Chief Representative Sub-Saharan Africa, UniCredit Bank AG

In weiten Teilen Afrikas herrschen Ineffizienz von Industriebetrieben, Vetternwirtschaft und vor allem Korruption. Die Spuren der Krise nehmen sich da deutlich bescheidener aus: Rückgänge im Tourismus, Anstieg der Kapitalmarktkosten vor allem in Südafrika, Turbulenzen an den Rohstoffmärkten sowie der Verfall des Ölpreises. Letzteres führte z.B. in Nigeria, einem der wichtigsten Länder südlich der Sahara, zwar zu einem harten Aufprall, aber letztlich zu einer längst fälligen Bereinigung der lokalen Finanzmärkte.

Dem gegenüber stehen jedoch eine junge, begeisterungsfähige Bevölkerung mit teilweise sehr gut qualifizierten Fachkräften sowie erhebliche Vorräte an den vielfältigsten Bodenschätzen. Neben Erdöl und Erdgas (Nigeria, Algerien, Angola, Libyen und Gabun) sind Kupfer (Demokratische Republik Kongo, Sambia) sowie Gold und Diamanten (Südafrika, Botswana, Angola, Liberia, Sierra Leone) die bedeutendsten Exportgüter. Eine besondere Rolle, gerade für einige der kleineren bzw. ärmeren Länder Afrikas, spielt Kaffee. Das kleine Burundi deckt 80% seiner Deviseneinnahmen mit seinen Kaffeeausfuhren, in Uganda und Äthiopien liegt die Quote bei ca. 50 %.

Im Süd-Süd-Handel spielt Afrika sowohl bei der Einfuhr als auch mit seinen Ausfuhren eine herausragende Rolle. Ob Getreide von Thailand nach Mali, Sojaöl von Argentinien nach Madagaskar oder Düngemittel von Marokko nach Bangladesch, die Tür zum Handel steht in allen Ländern Afrikas weit offen.

In Afrika besteht ein enormer Investitionsbedarf in fast allen Bereichen: angefangen von Nahrungsmitteln, über Erdölprodukte, Maschinen und Ausrüstungen, Autos, chemische Produkte, Papier bis hin zu kompletten Infrastruktur- und Industrieanlagen. Während die beiden Ölländer Libyen und Algerien de facto jede Investition bar bezahlen, erhalten weite Teile Afrikas prominente Unterstützung durch z.B. die Weltbank.

Da der afrikanische Markt seit Jahren immer stärker in den Fokus der deutschen Exporteure rückt, sind auch die Banken gefordert, die gewünschten Risikoübernahmen für deren Liefergeschäfte darstellen zu können.

Neben aller Euphorie darf man aber das Risikogefälle in Afrika nicht außer Acht lassen. Lediglich Botswana, Mauritius und Südafrika erreichen mit ihren Länderratings den Investmentgrade. Neben der Zahlungs-/Rückzahlungsstruktur eines Exportgeschäftes bestimmt auch das involvierte Banken- und Länderrisiko den Preis für Risikoübernahmen. Dieser kann in den unteren Ratingklassen durchaus erheblich für die Kalkulation einer Transaktion sein. Vor diesem Hintergrund sollten uns Liefervorhaben frühestmöglich vorgestellt werden.

Textkasten: Exportkredite für Südafrika

Die Industrial Development Corporation of South Africa (IDC), eine staatliche Gesellschaft zur Wirtschaftsförderung, hat mit der UniCredit Bank AG eine Rahmenkreditvereinbarung in Höhe von 150 Mio Euro abgeschlossen. Damit können mittel- und langfristige Finanzie­rungen von deutschen und europäischen Investitionsgüterexporten nach Südafrika abgeschlossen werden. Dieser Rahmenkreditvertrag ermöglicht eine Finanzierung in Form eines ECA-gedeckten Bestellerkredites für bis zu 85% des Lieferwertes. Für deutsche Exporteure fallen lediglich die üblichen Abwicklungsprovisionen im Auslandsgeschäft an. Weitere Kosten entstehen nicht, da die Zahlung der Zinsen, Bereitstellungsprovision, Bearbeitungs­gebühr und ECA-Prämie durch die IDC erfolgt.

Kontakt: ralph.eckle[at]unicreditgroup.de ; christian.naegele[at]unicreditgroup.co.za

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