Zugegeben: Deutschland liegt bei der Warenausfuhr hinter China und den USA aktuell auf Platz 3.  Doch in einigen Branchen sind die deutschen Unternehmen Exportweltmeister. Im Automobilbau spielen die heimischen Markenhersteller und Zulieferer eine weltweit führende Rolle. Auch die Maschinenbauer führen die Exportrangliste an. Nimmt man Chemie, Pharmazie, Elektrotechnik, Metall- und Kunststoffverarbeitung dazu, zeigt sich das Bild einer breit aufgestellten Industrie, die weit über den nationalen Bedarf hinaus produziert.

Besonders deutlich wird die führende Stellung der deutschen Exportwirtschaft bei einem Blick auf die Leistungsbilanz. Dort zeigt sich, dass China als bevölkerungsreiches und  wachstumsstarkes Land seine Importe kräftiger erhöht als die Exporte. Die chinesische Regierung setzt nach dem exportgetriebenen Aufstieg nun stärker auf die Binnenwirtschaft. In den USA setzt sich der starke Importtrend trotz einer restriktiveren Handelspolitik fort. Das Ergebnis: Deutschland hat 2018 den höchsten Leistungsbilanz weltweit erzielt und wird dies wohl auch in den kommenden Jahren tun. Gemessen an der Größe der deutschen Volkswirtschaft ist die Exportleistung spitze: Exportweltmeister eben.

Unternehmenskultur und Qualität entscheidend

Als Gründe für diese Exportstärke werden häufig makroökonomische Kennzahlen wie der vergleichsweise günstige Wechselkurs oder der geringe Lohnanstieg seit der Flexibilisierung und der Öffnung des Arbeitsmarktes im Zuge der EU-Erweiterung genannt. Wirtschaftswissenschaftler wie die Münchner Professorin Dalia Marin führen den Erfolg der Exportweltmeister dagegen auf die besondere Unternehmenskultur in den familiengeführten Industrieunternehmen zurück. Dazu zählen dezentrale Entscheidungsstrukturen und motivierende Arbeitsorganisation, starke Bedeutung der Produktentwicklung und -qualität im engen Austausch mit den Kunden. Hinzu kommen die Fachkräfteausbildung, die langjährige Erfahrung in der Planung, Fertigung und Inbetriebnahme sowie die internationale Mobilität der Mitarbeiter. Doch wer sind diese exportstarken Unternehmen?

Gute Mischung aus Markenherstellern und Zulieferern

Einen beachtlichen Teil der deutschen Exporte (41%) lieferten 2017 lediglich 110 Unternehmen mit einem Umsatz ab 1 Mrd EUR. Weitere 23% kamen von 1.353 Unternehmen mit einem Umsatz ab 100 Mrd EUR bis unter 1 Mrd EUR. Führend waren 2017 die Automobilhersteller, die 19,3% des deutschen Exports beitrugen, gefolgt vom Maschinenbau mit 10,8%. Im Automobilbau sind einige der Exportweltmeister aktiv: Volkswagen, Daimler, BMW, Audi und Porsche. Der Maschinenbau ist spezialisierter und weist dennoch einige Exportweltmeister auf. An ihrer Spitze: Siemens, Kion, Bosch und ThyssenKrupp. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch das Netzwerk aus Originalherstellern und Zulieferern – und die gemeinsame internationale Präsenz dieser Partner in der Nähe der Kunden.

Starkes Mittelfeld setzt auf Wachstum

Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 2 und 8 Mrd EUR bilden den Mittelbau der deutschen Exportweltmeister: sie sind Global Player und trotzdem ihrer Herkunft eng verbunden. Dazu zählen z.B. die nordhessischen Unternehmensgruppen B.Braun, Friedhelm Loh und Viessmann, die schwäbischen Maschinenbauer Voith, Trumpf und Festo, die westfälischen Hersteller Benteler, Hella und Miele. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Insbesondere im Süden und in der Mitte Deutschlands liegen exportstarke Standorte. So erzielen die Bundesländer Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern dir höchsten Exportumsätze, gefolgt von Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Exportweltmeister: die Masse macht’s

Viele kleinere Unternehmen tragen insbesondere mit Speziallösungen zum Erfolg und Umsatz der größeren Exporteure bei. Auf die 316.910 Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 100 Mio EUR entfielen 2017 lediglich 31,2% der Exporte. Darin sind Zulieferungen in die Exporte größerer Unternehmen jedoch nicht enthalten. Zu diesen Spezialisten gehören Unternehmen wie die Wenzel Group und Delo aus Bayern sowie Lauda aus Baden-Württemberg. Sie alle sind Meister des Exports.

 

 

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