Irland hat den Rückschlag durch die Finanzkrise gut überstanden. Nun steht mit einer möglichen Zollgrenze zum Vereinigten Königreich ein neues Konjunkturrisiko vor der Tür. Derzeit profitiert das Land von dem niedrigen Steuersatz auf Unternehmensgewinne und dem florierenden Immobilienmarkt. Beide Einnahmequellen könnten schnell wieder versiegen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

Deutsche Exporte nach Irland

(Veränderung gegenüber Vorjahr in %)

Quelle: Statistisches Bundesamt

Handelszuwächse gehen deutlich zurück

Die deutschen Exporte nach Irland konnten 2018 zwar um 45,5% zulegen. Im September lag der Sechsmonatsdurchschnitt sogar bei 80,7%. Doch bereits im Oktober sank der Warenwert gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 12,4%. Bis Dezember verstärkte sich der Rückgang mit einem Minus von zuletzt 25,4%. Deutlich stabiler entwickelten sich die Importe aus Irland: Im Dezember lag das Plus bei 6,6% und für das Gesamtjahr 2018 wurde ein Anstieg von 17,8% gemessen.

Im ersten Quartal 2019 summierte sich der Rückgang der deutschen Exporte auf 31,6%. Der Sechsmonatsdurchschnitt lag im März bei –23,6%. Der Schrumpfungsprozess gegenüber den stark erhöhten Vorjahreswerten dürfte anhalten. Dagegen stieg der deutsche Import aus Irland im ersten Quartal 2019 kräftig um 54,6%.

Möglicher Einfluss des Brexits

Auch wenn die Nachfrage kräftig wuchs: Der Anstieg der Importe aus Deutschland um 80% im Sommerhalbjahr 2018 geht vor allem auf Pharmazeutika zurück. Irland exportierte 2018 deutlich mehr Medikamente – auch nach Großbritannien – (+31,3%) und importierte entsprechend mehr pharmazeutische Erzeugnisse aus Deutschland (+289,9%). Vermutlich geht ein Teil der Handelsentwicklung auf den bevorstehenden Brexit zurück. Pharmahersteller bauen ihre Kapazitäten in Irland aus, um auch nach dem Brexit lieferfähig zu bleiben. Der starke Rückgang der deutschen Exporte im vierten Quartal 2018 gegenüber den erhöhten Exportwerten des Vorjahres dürfte den Abschluss dieses Anpassungsprozesses signalisieren. Die Absatzerwartungen für 2019 fallen daher deutlich schwächer aus als das Ergebnis für 2018.

Wachstum schwächt sich ab

Der Höhenflug der irischen Wirtschaft dauert nun schon fünf Jahre. Um durchschnittlich rund 10% wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt seit 2014. 2018 schwächte sich die Konjunktur ab, das reale BIP wuchs allerdings im Gesamtjahr immer noch um 6,7%. Für 2019 liegen die Wachstumserwartungen auf dem Niveau des vierten Quartals 2018, in dem das reale BIP um lediglich 3,0% gegenüber dem Vorjahr stieg. Die Auswirkungen eines harten Brexits wären für Irland einschneidend – nicht nur im direkten Handel mit Großbritannien, sondern auch durch die Verlängerung der Lieferzeiten auf das europäische Festland.