Unsicherheit ist Gift für Investitionen: Nicht nur die Unternehmen halten sich mit Investitionen in Großbritannien zurück. Die Wirtschaftsleistung stieg 2018 lediglich um 1,4% (reales BIP), im vierten Quartal 2018 betrug der Zuwachs 1,3%. Die Neuzulassungen von Pkw sind 2018 deutlich gesunken und signalisieren die Zurückhaltung der privaten Haushalte. Entsprechend ging auch die Autoproduktion zurück. Zu Jahresbeginn 2019 stabilisierte sich die Wirtschaftsleistung. Im Außenhandel erhöhte sich das Defizit, vor allem im Handel mit Automobilen.

Deutsche Exporte nach Großbritannien

(Veränderung gegenüber Vorjahr in %)

Quelle: Statistisches Bundesamt

Warenaustausch leidet

Die deutschen Exporte nach Großbritannien lagen 2018 um 4,0% unter dem Vorjahreswert – mit negativer Tendenz: Der Exportwert sank im Dezember 2018 um 8,8% gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres. Und der Durchschnittswert der jüngsten sechs Veränderungswerte von Juli bis Dezember sank auf 5,8%. Etwas günstiger sieht es auf der Seite der deutschen Importe aus Großbritannien aus. Dort lag der Warenwert im Dezember 2018 nur um 4,7% unter dem Vorjahresniveau, für das Gesamtjahr 2018 wurde sogar noch ein leichtes Plus von 0,4% gemessen.

Im Januar 2019 stabilisierte sich die Exportentwicklung. Die deutschen Ausfuhren sanken um lediglich 0,7%. Die Einfuhr aus Großbritannien legte um 4,0% zu.

Brexit bringt zusätzliche Hürden

Wenn es nicht gelingt, eine Vereinbarung mit der EU zu erreichen, fällt der Handel zwischen Großbritannien und Deutschland auf das rechtliche Niveau eines Drittstaates (WTO-Land) ohne Verfahrenserleichterungen zurück. Dies würde besonders hohe Zulassungshürden für die Lieferungen der chemischen und pharmazeutischen Industrie mit sich bringen. Allein die Transportverzögerungen durch die wieder einzuführenden Grenzkontrollen dürfte die Lieferketten zwischen beiden Ländern belasten. So sind für den Automobilsektor weitere Einbußen im bilateralen Handel zu befürchten. Auch Zölle machen den Verkauf in das jeweils andere Land weniger attraktiv.

Britische Wirtschaft steht vor Umbruch

Auch wenn Großbritannien den Brexit wirtschaftlich wohl verkraften wird, sind die Kosten der bevorstehenden Abkoppelung aus dem Binnenmarkt bereits erkennbar: Sowohl die Finanzbranche, als auch die Industrie verliert international zunächst an Bedeutung. Denn ausländische Unternehmen wollen zumeist den ungehinderten Zugang zum europäischen Binnenmarkt behalten und verlassen im Zweifel das Vereinigte Königreich in Richtung EU. Und die britischen Unternehmen profitieren nach dem Austritt nicht mehr von den Handelsabkommen der EU mit Drittländern, solange die britische Regierung keine eigenen Abkommen schließt.