Latente Konkursgefahr in wichtigen Exportmärkten

Der globalen Konjunktur wird für 2018 erneut ein Hoch vorausgesagt. Für deutsche Exporteure ist die Gefahr von Forderungsausfällen damit aber nicht vom Tisch. Die Anzahl der gemeldeten Firmenpleiten ist in vielen Absatzmärkten trotz rückläufiger Quoten weiterhin hoch. Die Atradius-Risikoexperten haben dafür die Konkursentwicklung in 22 Ländern weltweit untersucht. In fast jeder zweiten Volkswirtschaft ist das Ausfallrisiko höher als vor der Finanzkrise.

Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

Beitrag in der Gesamtausgabe

Nur wenige Unternehmen beschäftigen sich mit Insolvenzprognosen, wenn die Konjunkturaussichten vielversprechend sind und am laufenden Band positive Nachrichten aus der Wirtschaft gemeldet werden. Doch mit der Gefahr von Forderungsausfällen sollte man als Exporteur immer rechnen. Ansonsten könnte es teuer werden – nämlich dann, wenn eine Forderung im Ausland plötzlich und unerwartet ausfällt und das Unternehmen auf dem entstandenen Verlust sitzenbleibt.

Gefahr von Forderungsausfällen ist weiterhin gegeben

In vielen Exportdestinationen wird mit rückläufigen Quoten bei den Firmenpleiten gerechnet. Insbesondere die südeuropäischen Länder verkünden rückläufige Zahlen – allerdings nur auf den ersten Blick:

In Griechenland wird für 2017 ein leichtes Plus von 0,3% für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) prognostiziert. Für 2018 gehen die Experten sogar von einem Wirtschaftswachstum von 2,3% aus. Bei den Firmenpleiten wird ein Rückgang von insgesamt 12% für das laufende Jahr geschätzt. Die Anzahl der griechischen Konkurse ist allerdings noch knapp dreimal höher als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007.

Auch in Portugal sieht es mit einem Rückgang von 11% bei den heimischen Firmenkonkursen ähnlich aus. Trotzdem liegt die Zahl der Konkurse im Land an der Algarve damit noch doppelt so hoch wie vor der Kreditkrise.

Für Spanien rechnen die Experten mit dem größten Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Gleichzeitig ist die Zahl der Unternehmenspleiten trotz eines prognostizierten Rückgangs von 6% noch immer fast viermal höher als vor der Finanzkrise.

In Italien sind die Konjunkturaussichten ebenfalls recht positiv. Für 2018 wird eine Zunahme des realen BIP um 1,4% erwartet. Das Land hat jedoch weiterhin mit Staatsschulden und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen, auch wenn sich die Arbeitslosenzahlen leicht erholen konnten. Ein weiteres Problem: Die im März 2018 durchgeführten Neuwahlen brachten keine eindeutige Mehrheit, so dass sich die Regierungsbildung wie in Deutschland über Monate hinziehen könnte. Die Firmenpleiten gehen laut Expertenschätzung wahrscheinlich um 6% zurück. Allerdings ist die Zahl der Insolvenzen in der drittgrößten Volkswirtschaft der EU fast doppelt so hoch wie im Jahr 2007 und damit vor der Finanzkrise.

Jedes zweite Land verzeichnet mehr Konkurse als vor der Lehman-Pleite

Die genannten Länder bilden nicht die südeuropäische Ausnahme innerhalb der untersuchten Staaten der Euro-Zone. Noch immer ist in jeder zweiten Volkswirtschaft das Konkursrisiko höher als vor der Finanzkrise – auch in wichtigen deutschen Exportdestinationen wie Belgien, der Schweiz oder Schweden.

Einen Sonderfall stellt Großbritannien dar. Die Briten befinden sich bei den Firmenpleiten fast auf dem Niveau von 2007. Allerdings haben die Firmenkonkurse 2017 aufgrund des geplanten Brexits wieder leicht angezogen. Diese Entwicklung wird sich 2018 laut Expertenprognose fortsetzen. Für das laufende Jahr wird mit einem Anstieg von 4% gerechnet nach einer Steigerung von bereits 2% im vergangenen Jahr.

Doch die britische Wirtschaft zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig. Die Exportnation profitierte 2017 vom schwachen Außenwert des Britischen Pfund und dem weltweiten Wachstum, so dass die Wirtschaft, entgegen den Erwartungen der Volkswirte, um 1,8% wachsen konnte. Die Industrieproduktion steigerte sich sogar um 2,1%. Das ist das beste Ergebnis seit sieben Jahren.

Unsere Experten haben auch die Entwicklung in den USA untersucht. Die Insolvenzquote konnte sich im achten Jahr in Folge verbessern, sogar so ausgeprägt, dass es deutlich weniger Firmenpleiten gibt als 2007. Die konjunkturelle Stimmung im Land ist prächtig, nicht zuletzt durch das positive Wachstum von 2,3%, das in diesem Jahr sogar noch übertroffen werden soll. Die Rate wird danach um 0,5 Punkte auf 2,8% steigen. Die Insolvenzen sind 2017 um 4% gesunken. Die gute Stimmung verdeckt die Tatsache, dass es in einigen Branchen durchaus Probleme gibt. In den USA mehren sich die Unsicherheiten unter anderem im Öl- und Gassektor sowie im stationären Handel, wo in puncto Firmenpleiten ein Negativrekord aufgestellt wurde. Die Konkurse im stationären Handel haben ein Sechsjahreshoch erreicht. Grund ist der starke Internethandel. Und nicht nur in diesem Bereich geben die USA einen Trend vor, der vielleicht auch bald in anderen Ländern beobachtet werden könnte.

Die USA sind auch die Vorreiter in der Zinspolitik und haben mit der Straffung unter Umständen einen Grundstein für eine konjunkturelle Wende eingeleitet. Davon kann mittel- bis langfristig auch die weltweite Konjunktur beeinflusst werden. Hinzu kommen die protektionistischen Bestrebungen des US-Präsidenten.

Die Analyse zeigt, dass es für Unternehmen wichtig bleibt, sich gegen konjunkturelle Einflüsse, die dann später auch einen negativen Effekt auf Branchen und unter Umständen sogar eigene Kunden haben können, zu schützen. So können sie sich abgesichert auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Den vollständigen Bericht in englischer Sprache finden Sie im Bereich Publikationen auf www.atradius.de.

thomas.langen@atradius.com

 

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