Trade-Finance-Plattformen wollen Blockchain nutzen

Fast täglich kursieren neue Nachrichten aus der Blockchain-Welt. Die geplante Plattform „Digital Trade Chain“ will die Blockchain für Handelsfinanzierungen nutzen und firmiert künftig unter dem Markennamen „we.trade“. Acht Banken – Banco Santander, Deutsche Bank, HSBC, KBC, Natixis, Rabobank, Société Générale und Unicredit – wollen damit inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierungen für europäische Unternehmen erleichtern.

Von Sabine Paulus, Redakteurin, Der Treasurer

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Die acht Banken wollen noch in diesem Jahr ein Joint Venture mit Sitz in Irland gründen, das der Eigentümer der Marke „we.trade“ sein wird. Das Gemeinschaftsunternehmen wird den Banken zufolge die Plattform, die auch für weitere Kreditinstitute offensteht, betreiben und vermarkten. Insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen sollen davon profitieren und ihre Handelstransaktionen schneller und effizienter durchführen können.

Der Zeitplan für den Start der Blockchain-Plattform für Handelsfinanzierungen verzögert sich allerdings. Ursprünglich hätte die „Digital Trade Chain“ im Dezember an den Start gehen sollen. Nun sollen Testkunden die Blockchain-Lösung ab Februar kommenden Jahres nutzen können, der offizielle Start ist für das zweite Quartal 2018 vorgesehen.

Konkurrenz für Trade-Finance-Plattform formiert sich

Doch die Initiative ist nicht die einzige Blockchain-Lösung für Handelsfinanzierungen, die derzeit entwickelt wird. So sind die Commerzbank, die österreichische Erste Group, die spanische Caixa Bank sowie die kanadische Bank of Montreal einer Blockchain-Initiative von UBS und IBM beigetreten. Diese entwickelt ebenfalls eine Blockchain-basierte Plattform für inländische und grenzüberschreitende Handelsfinanzierungen.

Die Plattform mit dem Namen „Batavia“ diene der Finanzierung von Handelsaktivitäten aller Art, beispielsweise bei der Beförderung von Waren auf dem Luft-, Land- oder Seeweg, teilten die beteiligten Parteien mit. Für Unternehmen sollen Transaktionen so effizienter, transparenter und kostengünstiger werden. Anfang 2018 sollen erste Pilottransaktionen mit Kunden stattfinden.

Langfristig dürfte sich allerdings nur eine der beiden Blockchain-Lösungen für Handelsfinanzierungen durchsetzen. Der Erfolg der Plattformen hängt schließlich von der Anzahl der beteiligten Importeure, Exporteure, Banken, Zoll- und Steuerbehörden sowie Regulatoren und Kreditversicherer ab – und kaum eine der beteiligten Parteien wird auf zwei Plattformen gleichzeitig aktiv sein wollen.

Handelsfinanzierung gilt als Paradebeispiel für Blockchain

Die Handelsfinanzierung ist Experten zufolge neben dem Schuldschein und der Wertpapierabwicklung für die Anwendung der Blockchain-Technologie prädestiniert, da dadurch die Risiken bei internationalen Handelsgeschäften minimiert und die Handelsprozesse vereinfacht werden können. Denn über die Blockchain als dezentrale Datenbank sind Importeur, Exporteur und die involvierten Banken und Transporteure direkt miteinander verbunden.

Zudem können die Handelsprozesse deutlich schneller abgewickelt werden, da eine papierbasierte Dokumentation nicht mehr notwendig ist. Stattdessen findet die Interaktion quasi in Echtzeit statt. Alle Vertragsbestandteile wie die Bestellung, die Rechnungsstellung und die Zollunterlagen können über die Blockchain abgebildet werden.

Das schafft für alle beteiligten Parteien volle Transparenz, Sicherheit und Datenintegrität. In einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium könnten auch Akkreditive, Warenkreditversicherungen und andere Supply-Chain-Finance-Instrumente über die Blockchain-Plattform vertrieben werden.

paulus@dertreasurer.de

 

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