Folgen der US-Handelspolitik in Lateinamerika

Die protektionistischen Töne aus Washington haben nicht nur die deutsche Wirtschaft aufgeschreckt. Auch in Lateinamerika ­würden Beschränkungen des Handels und eine Besteuerung der Überweisungen von Arbeitskräften einige Länder hart treffen. Hinzu kommen mögliche Auswirkungen einer restriktiveren US-Handelspolitik gegenüber Drittstaaten wie China. Die daraus ­resultierenden Geschäftsrisiken sollten Exporteure im Blick behalten.

Von Christoph Witte, Country Manager, Credendo

Beitrag als PDF (Download)

Mexiko in der Schusslinie

Der Handelsprotektionismus der USA richtet sich in erster Linie auf den Abbau des Außenhandelsdefizits. Dies trifft unter anderem Mexiko, das das viertgrößte bilaterale US-Außenhandelsdefizit verursacht (nach China, Japan und Deutschland). Mexikos Exporte, vorwiegend Industrieerzeugnisse, gehen zu über 75% in die USA. Die Folgen der neuen US-Handelspolitik sind bereits sichtbar. So findet derzeit eine Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) statt, und Mexiko hat freiwilligen Ausfuhrbeschränkungen für Zucker zugestimmt.

Wie steht es um US-Freihandelsabkommen mit zehn weiteren Ländern Lateinamerikas?

Haben Chile, Kolumbien, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, die Dominikanische Republik und Peru Grund zur Sorge? Nur sehr bedingt. Die USA verzeichnen gegenüber fast all diesen Ländern einen Handelsüberschuss. Das gilt zwar nicht für Kolumbien, doch der Überschuss Kolumbiens gegenüber den USA ist ausgesprochen gering. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Trump Maßnahmen gegen das Land ergreift.

Venezuela ist anderen Ungewissheiten ausgesetzt

Nach Mexiko ist Venezuela das lateinamerikanische Land mit dem größten Handelsüberschuss gegenüber den USA (weltweit Platz 22 der Überschussländer). Dies ist insbesondere auf Ölexporte zurückzuführen. Trumps Maßnahmen gegen Venezuela sind jedoch nicht durch protektionistische Motive zu erklären. Die US-Sanktionen gegen venezolanische Bürger, Vermögen, Sicherheiten und Schulden sind vielmehr auf die politische Krise in Venezuela zurückzuführen.

Produktspezifische Gründe: Kupfer und Landwirtschaftserzeugnisse

Obwohl Lateinamerika – mit Ausnahme von Mexiko – vor potentiellen handelspolitischen Vergeltungsmaßnahmen der USA sicher zu sein scheint, gibt es produktspezifische Ansätze für Handelsbeschränkungen.

Unlängst hat das US-Außenministerium damit gedroht, eine Untersuchung der Kupferimporte gemäß Abschnitt 232 des Außenhandelsgesetzes einzuleiten. Dies könnte Chile und Peru treffen.

Es besteht ein anhaltendes Risiko, dass die Lobbyarbeit von US-Agrarunternehmen die Einführung von Einschränkungen für bestimmte Landwirtschaftserzeugnisse bewirkt. Diese Maßnahmen könnten vor allem Argentinien und Brasilien treffen.

Es wurden bisher jedoch noch keine Maßnahmen auf den Weg gebracht. Des Weiteren weisen Exporte aus Chile, Peru, ­Brasilien und Argentinien keine große Anfälligkeit für Entwicklungen in den USA auf, da sie im Schnitt nur 2,5% des jeweiligen BIP ausmachen.

Die Folgen einer möglichen Sperre gegen China

Der Handelsprotektionismus der USA gegenüber China könnte sich indirekt auf Lateinamerika auswirken. China ist ein wichtiger Handelspartner Lateinamerikas. Mögliche Maßnahmen der USA gegen dieses Land könnten lateinamerikanische Rohstoffexporte wie Öl-, Eisenerz-, Kupfer- und Sojaexporte beeinträchtigen.

Was wäre, wenn die USA die ­Rücküberweisungen ausländischer Arbeitskräfte stark besteuern ­würden?

Obwohl der Großteil der geschätzten 11 Millionen in den USA lebenden Arbeitnehmer ohne gültige Aufenthaltspapiere aus Mexiko stammt, hätte eine starke Besteuerung nur geringe Auswirkungen. Nur 6% der mexikanischen Leistungsbilanzeinnahmen gehen auf Rücküberweisungen zurück.

Andere lateinamerikanische Länder würde diese Maßnahme sehr viel härter treffen. Die folgenden Länder sind gemäß dem Anteil an ihren Leistungsbilanzeinnahmen in höherem Maße von Rücküberweisungen im Ausland lebender Arbeitskräfte abhängig:

  • El Salvador: 40%
  • Honduras: 35%
  • Guatemala: 35%
  • Karibische Inseln (z.B. Jamaika): 30%
  • Dominikanische Republik: 25%
  • Kuba: 25%

Bisher wurden diese Überweisungen jedoch nicht beeinträchtigt.

Weitere Länderberichte und aktuelle Risikobewertungen finden Sie auf der Internetseite von Credendo unter www.credendo.com.

c.witte@credendo.com

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.