G20-Staaten wollen Handel mit Afrika stärken

Am 7. und 8. Juli trafen die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten in Hamburg zusammen. Ein Thema der Gespräche war die Zusammenarbeit mit Afrika. Im Vorfeld hatte die Bundesregierung am 12. und 13. Juni zur zweitägigen Partnerschaftskonferenz mit ausgewählten ­Delegationen aus Tunesien, Ghana und der Elfenbeinküste in die Hauptstadt  eingeladen. Zur Unterstützung dieser und anderer Länder Afrikas wurde ein Eckpunktepapier der Bundesregierung mit 16 Maßnahmen verabschiedet.

Moritz Flocke, Redaktion ExportManager, FRANKFURT BUSINESS MEDIA

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Zurzeit ist die Bedeutung Afrikas für den deutschen Außenhandel noch gering. 2016 exportierte Deutschland Waren im Wert von 24,5 Mrd EUR nach Afrika. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts war dies ein Anteil von 2% am gesamten deutschen Außenhandel. Deutschland führte gleichzeitig Waren im Wert von 16,6 Mrd EUR aus Afrika ein. Wichtigster Handelspartner Deutschlands auf dem afrikanischen Kontinent ist Südafrika. 35,9% aller Exporte nach Afrika gingen dorthin. Südafrika ist auch der einzige afrikanische Mitgliedstaat der G20-Gruppe. Doch die Rolle Afrikas in der Welt ist trotz der aktuell geringen Wirtschaftskraft nicht zu unterschätzen. Denn Prognosen zufolge werden im Jahr 2050 dort 2,5 Milliarden Menschen leben, von denen die Hälfte jünger als 25 Jahre alt sein wird. Das entspricht einer Verdoppelung zu heute. Damit diese Bevölkerungsgruppe eine berufliche Zukunft hat, bedarf es einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen Afrika und die G20-Gruppe zusammenarbeiten.

Deutsche Unternehmen setzen auf Reformen in Afrika

Ein deutscher Unternehmer will schon heute das wirtschaftliche Potential Afrikas nutzen. Dr. Thomas Helle ist Geschäftsführer der Novis GmbH mit Sitz in Tübingen. Er ist seit Jahren auf dem westafrikanischen Markt tätig und kennt die Probleme, aber auch die Chancen vor Ort. Novis hat sich auf die Behandlung von Sondersubstraten mittels Biotechnologie spezialisiert. Auf diese Weise kann aus Reststoffen der Landwirtschaft entweder ein neues Produkt oder Biogas entstehen.

Zum Beispiel realisierte der schwäbische Anlagenbauer ein Biomassekraftwerk für eine ländliche Gemeinde im Senegal. Hierdurch hat das Dorf eine stabile Stromversorgung erhalten. Grundlage für die Biogasherstellung sind Erdnussschalen und Hirsestengel. Diese werden unter Sauerstoffausschluss erhitzt, wodurch Gas zur Verbrennung entsteht.

Ein weiteres Projekt von Novis befindet sich kurz vor der Fertigstellung. In Berlin wurde eine Fabrik zur Behandlung von Kakaobohnenschalen aus Ländern wie der Elfenbeinküste mit Bakterien und Enzymen errichtet. Durch diesen Prozess entsteht eine kakaohaltige Rohmasse. Diese kann zur Weiterverarbeitung beispielsweise für die Herstellung von Backwaren verwendet werden.

Allerdings findet die Wertschöpfung nicht in den Ländern statt, in denen die Kakaobohnen geerntet werden, sondern in Berlin. In der Stadt also, in der kürzlich Verhandlungen über wirtschaftliche Reformen in Afrika geführt wurden. In den Ländern Westafrikas habe niemand Interesse, die Kakaobohnenschalen an Ort und Stelle mittels deutscher Technologie zu verarbeiten, hat Helle erfahren müssen. Der Grund: mangelnder politischer Wille und eine zu geringe Industrialisierung. Diese strukturellen Defizite haben zur Folge, dass selbst in Millionenstädten Afrikas kaum industrielle Arbeitsplätze vorhanden sind.

Dr. Thomas Helle betonte im Gespräch mit dem ExportManager dennoch die positiven Aspekte dieses Marktes: Grundsätzlich gebe es in diesen Ländern gut ausgebildete Arbeiter. Sollten die dringend benötigten Reformen umgesetzt werden, stünde einer schrittweisen Industrialisierung nichts mehr im Weg.

Eckpunktepapier der Bundesregierung

Zur Förderung des Unternehmertums hat die Bundesregierung am 07. Juni 2017 als Teil der G20-Präsidentschaft ein Eckpunktepapier mit konkreten Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zu Afrika beschlossen. Dabei handelt es sich um:

  • die Verbesserung der Finanzstrukturen,
  • die Förderung der Außenwirtschaft,
  • die Stärkung der Instrumente zur Entwicklungszusammenarbeit.

Die von der Bundesregierung aufgeführten Maßnahmen berühren Themen, die von Wirtschaft und Volkswirten schon seit langem angesprochen werden. Ein wichtiger Bestandteil des  Papiers der Bundesregierung ist vor allem die Reduzierung des Selbstbehalts von Unternehmen bei Hermesbürgschaften von 10% auf 5%. So können Kredite zur Sicherung deutscher Exporte deutlich stärker abgesichert werden. Einziger Knackpunkt ist die Auswahl der Länder, die für diese weitergehende Absicherung in Frage kommen. Das sind von den 54 afrikanischen Ländern nur fünf: die Elfenbeinküste, Marokko, Ruan-da, der Senegal und Tunesien. Diese Länder waren die ersten Verhandlungspartner auf dem G20-Gipfel.

Die Idee ist, dass die Länder Afrikas an-stelle der klassischen Entwicklungshilfe Anreize für selbständige Reformen erhalten. Die Bedingungen für die Unterstützung durch die G20-Staaten, den IWF, die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank sind im „Compact with Africa“ (CwA) festgehalten. Diese Vereinbarung wurde in Hamburg auf dem G20-Gipfel beschlossen.

Reaktion der deutschen Wirtschaft

Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft (AV) kritisierte diese Beschränkung auf nur wenige Staaten scharf. AV-Vorsitzender Stefan Liebing erklärte, dass deutsche Unternehmen, die in Afrika tätig seien, durch diese Pläne gegenüber Unternehmen aus anderen OECD-Ländern diskriminiert würden. Laut Sylvia Sedlacek, Vizepräsidentin der KfW IPEX-Bank, sind andere Länder bezüglich ihrer Förderung der Versicherung von Exportkrediten deutlich innovativer. Dies verhindere ein größeres Engagement deutscher Unternehmen in Afrika. Der AV fordert unter anderem eine deutliche Ausweitung der geförderten afrikanischen Länder und eine Reduzierung des Selbstbehalts auf 1%.

Dr. Thomas Helle ist hinsichtlich der Hermesbürgschaften für den deutschen ­Mittelstand jedoch skeptisch. Hermesbürgschaften seien vor allem für große Unternehmen interessant, die sehr hohe Beträge absichern müssten. Das Verfahren sei für kleine und mittelständische Unternehmen meist zu aufwendig, ge-messen an dem geringen Volumen ihrer Geschäfte. Es gibt laut Helle zudem zurzeit nicht genügend Abnehmer für die teuren deutschen Produkte.

Fazit

Die G20-Staaten erhoffen sich durch den „Compact with Africa“ eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents. Dieses Abkommen schließt zu-nächst jedoch nur fünf Länder ein. Das Prinzip: Reformen als Gegenleistung für finanzielle Unterstützung und Privatinvestitionen. Langfristig müssen aber auch die strukturellen Probleme der übrigen afrikanischen Ländern gelöst werden. Dabei kann eine ­Ausweitung der von den Hermesbürgschaften erfassten Länder helfen. Vor allem bedarf es besserer Bildung und des politischen ­Willens, die Wertschöpfung im Land zu belassen.

moritz.flocke@frankfurt-bm.com

 

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