Der Senegal als gutes Sprungbrett nach Westafrika

Bisher haben deutsche Unternehmen den Senegal kaum als Markt gesehen. Das ändert sich gegenwärtig – aus gutem Grund: Das Land weist ein stabiles Wirtschaftswachstum auf und bietet auch sonst sehr gute Rahmenbedingungen für ein geschäftliches Engagement. Bei den erneuerbaren Energien, in der Medizintechnik und bei Lebensmittel- und Verpackungsmaschinen etwa zeigen sich gute Marktchancen für Unternehmen aus Deutschland. Als Sprungbrett nach Westafrika ist die Hauptstadt Dakar ideal geeignet.

Von Marie Schütz, International Banking, ODDO BHF

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Wer vom Flughafen der senegalesischen Hauptstadt Dakar in die Innenstadt fährt, hört unterwegs die Brandung des Atlantischen Ozeans und kann die salzige Meeresluft riechen. Vom Taxi aus sieht man Gruppen junger Leute die Uferpromenaden entlangjoggen und an Fitnessgeräten trainieren – als Besucher fühlt man sich an Miami erinnert.

Dakar ist von Deutschland aus in fünf bis sechs Stunden Flugzeit zu erreichen, bei nur einer Stunde Zeitverschiebung ist kein Jetlag zu befürchten. Die Millionenstadt auf der weit in den Atlantik reichenden Halbinsel Cap Vert, dem westlichsten Ausläufer Kontinentalafrikas, erlebt – getrieben von zahlreichen öffentlichen und privaten Projekten – einen Bauboom. Prächtige Neubauten erheben sich über die Altstadtgassen, die noch das Flair der französischen Kolonialzeit spüren lassen. Französische Cafés und viele Alleen verleihen Dakar, das als eine der schönsten Großstädte Afrikas gilt, einen besonderen Charme. Dakar ist – wie der Senegal insgesamt – ein sicheres Reiseziel. Für die Einreise ist kein Visum nötig. Geschäftliche Chancen zu sondieren ist somit möglich, ohne große Hürden überwinden zu müssen.

Junge Bevölkerung, vielgestaltiges Land

Gut 14 Millionen Menschen leben im Senegal. Die größte und auch dem politischen Einfluss nach bedeutendste Bevölkerungsgruppe sind die Wolof, die etwa 40% der Bevölkerung stellen und im Nordwesten des Landes leben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Ethnien mit eigenen Sprachen. Die alle verbindende Amtssprache des Landes ist Französisch. 94% der Einwohner bekennen sich zum sunnitischen Islam.

Die Bevölkerung des Landes ist sehr jung, mehr als die Hälfte der Senegalesen ist keine 20 Jahre alt. Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Der Senegal hat eine der höchsten Geburtenraten der Welt. Das Land, das der Fläche nach in etwa mit Rumänien zu vergleichen ist, liegt im Übergang der Sahelzone im Norden zu den Tropen im Süden. Entsprechend vielgestaltig ist die Natur.

Politische Stabilität, solider Rechtsrahmen

Der Senegal ist eine der stabilsten und funktionstüchtigsten Demokratien Afrikas. Verfassung und Rechtsordnung wurden nach französischem Vorbild gestaltet, die rechtsstaatlichen Institutionen nehmen ihre Aufgaben verlässlich wahr, das bestätigen auch deutsche Repräsentanten vor Ort.

Der „Doing Business“-Report der Weltbank 2016 sieht den Senegal als eines der zehn Länder mit den aktuell größten Verbesserungen der Geschäftsbedingungen. Allerdings steht das Land in der Liste der 189 bewerteten Länder mit Platz 153 noch immer weit hinten. In den vergangenen Jahren wurden umfassende Reformen in die Wege geleitet, um die Korruption einzudämmen und die Infrastruktur auszubauen.

Die laizistische Verfassung sichert Religions-, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit zu. Aufgrund eines Referendums im März 2016 wurde unter anderem das Recht auf eine saubere Umwelt in die Verfassung aufgenommen. Die Präsidialrepublik wird bisher von einer Mehrparteienkoalition regiert. Am 30. Juli steht die Neuwahl des Parlaments an.

Weite Teile der Bevölkerung drängen darauf, dass sich ihre wirtschaftliche Situation verbessert. Das Bruttosozialprodukt je Einwohner betrug 2015 nur rund 1.000 US-Dollar, der Senegal muss damit zu den ärmsten Ländern der Welt gerechnet werden. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, viele junge Menschen machen sich auf den Weg nach Europa, um dort eine bessere Zukunft zu finden.

Wirtschaft wächst kontinuierlich

Der Senegal erwirtschaftete 2015 ein Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 13,8 Mrd USD. Viele Aktivitäten werden von den Behörden jedoch nicht erfasst. Die Wirtschaft ist stark auf die Hauptstadt Dakar konzentriert, die über den zweitgrößten Seehafen in Westafrika verfügt und auch als Knotenpunkt im interkontinentalen Luftverkehr sehr gute Voraussetzungen bietet, sich in der Region zu engagieren.

Das Wirtschaftswachstum betrug 2016 6,5%. Für 2017 werden 6,1% erwartet. An der Entstehung der Wirtschaftsleistung hat der Dienstleistungssektor mit 60% den größten Anteil, gefolgt von der Industrie mit 24% und der Landwirtschaft mit 16%. Die Landwirtschaft beschäftigt 80% aller Erwerbstätigen. Sie ist strukturell von Kleinbetrieben und kleinen Kooperativen geprägt und weist eine geringe Produktivität auf, weil kaum Maschinen eingesetzt werden. Haupterzeugnisse sind Erdnüsse und Baumwolle. Grundnahrungsmittel wie Reis muss der Senegal importieren.

Das Wirtschaftswachstum wird vor allem vom Dienstleistungssektor angetrieben. Die Telekommunikation erwirtschaftet rund ein Zehntel des BIP, statistisch hat jeder Senegalese ein Mobiltelefon. Weitere wichtige Dienstleistungsbereiche sind das Finanzwesen, die Immobilienwirtschaft und der Tourismus. Der Bankensektor ist mit etwa 20 niedergelassenen Banken gut entwickelt.

Der Senegal verfügt nach der Elfenbeinküste über den zweitgrößten Bankenmarkt in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA). In der Zusammenarbeit mit den Banken Senegals hat unser Haus durchweg sehr positive Erfahrungen gemacht. Die meisten von ihnen residieren im Geschäftsviertel Dakars rund um die Place de l’Indépendance in modernen Geschäftshäusern. Dakar ist der Hauptsitz der ­Zentralbank der Westafrikanischen Währungsunion (WAMZ), die wiederum mit Niederlassungen in zahlreichen anderen westafrikanischen Staaten vertreten ist.

Auch der Tourismus als wichtiger Devisenbringer gewinnt wieder an Schwung, nachdem er in den Jahren zuvor sehr unter dem Ausbruch von Ebola in den Nachbarländern gelitten hat. Das Land hat von Sandstränden über Mangrovenwälder und den Salzsee Lac Rose bis hin zu den Savannen landschaftlich, aber auch kulturell sehr viel zu bieten.

Verarbeitende Industrie gibt es bisher fast nur in den Großstädten. Die meist in ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen erzeugen Lebensmittel, chemische Produkte und Textilien. In letzter Zeit investieren Konsumgüterhersteller vor allem in Dakar in den Aufbau von Produktionsanlagen etwa für Getränke, Süßwaren und Waschmittel.

An Bodenschätzen verfügt der Senegal vor allem über Phosphat, das für die Düngemittelherstellung essentiell ist und in großem Umfang exportiert wird, sowie über Gold und Marmor. Neu entdeckte Erdgas- und Erdölvorkommen vor der Küste sollen von privaten Investoren erschlossen werden.

Bisher nur wenig Außenhandel mit dem Senegal

Der Senegal hat im vergangenen Jahr Waren im Wert von 5,7 Mrd USD importiert und für 2,5 Mrd USD exportiert. Die deutschen Geschäftsbeziehungen in den Senegal sind bisher gering, was mit daran liegt, dass Frankreich als ehemalige Kolonialmacht der dominierende europäische Partner ist.

2016 ist die Ausfuhr deutscher Produkte in den Senegal jedoch von niedrigem Niveau um 23% auf 125,5 Mio EUR stark angestiegen. Deutsche Unternehmen liefern vor allem Kraftfahrzeuge (gebraucht und neu), Maschinen und Ausrüstungen sowie Chemikalien. Die Investitionen deutscher Unternehmen im Senegal sind bisher kaum nennenswert, meist sind Unternehmen nur mit Repräsentanzen vertreten.

Plan Sénégal Émergent bietet Chancen

Den Blick auf den Senegal zu lenken kann sich aber für viele Unternehmen aus Deutschland lohnen. Mit dem Plan Sénégal Émergent hat die Regierung ein Investitionsprogramm für  Infrastrukturausbau, Landwirtschaft, Wohnungsbau, Tourismus und Bergbau aufgelegt. Für die Projekte stellen häufig Geldgeber wie die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), die Weltbank und die EU Mittel zur Verfügung.

Ein großes Thema ist der Ausbau der Stromversorgung. Rund die Hälfte der Menschen im ländlichen Raum ist noch ohne Stromanschluss. Der Senegal will künftig 20% seines Stroms aus alternativen Energien, vor allem aus Sonnenenergie, gewinnen. Auch Wasserkraftanlagen und Wasseraufbereitungsanlagen sollen gebaut werden.

Weitere interessante Felder für deutsche Unternehmen sind Medizintechnik und Pharmaprodukte, denn sowohl der öffentliche Sektor als auch Privatkliniken investieren in die Verbesserung ihrer Ausrüstung. Dakar ist das führende Gesundheitszentrum für Wohlhabende in Westafrika. Chancen sehen unsere Kontakte im Land auch hinsichtlich der Lieferung von Kühltechnik, denn geschlossene Kühlketten sollen die Marktfähigkeit von Landwirtschaft und Fischerei verbessern. Zudem bestehen bei Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen gute Aussichten für deutsche Hersteller. Generell sollte es sich für Ingenieurs- und Projektentwicklungsgesellschaften lohnen, Chancen im Senegal zu sondieren. Auch wenn die großen Infrastrukturprojekte in der Regel an Franzosen und Chinesen vergeben werden, ist es durchaus aussichtsreich, deutsches Know-how bei anderen Ausbauvorhaben anzubieten.

Markt mit Perspektive

Der Senegal ist ein relativ kleiner, aber nicht zuletzt aufgrund seiner Brückenfunktion für ganz Westafrika sehr interessanter Markt, der im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten sehr gut zugänglich ist. ODDO BHF kann als erfahrener Partner in der Außenhandelsfinanzierung bei der Verwirklichung von Geschäftsplänen zum Beispiel mit Hermes-gedeckten Finanzierungen oder Akkreditivbestätigungen zur Seite stehen. In Zukunft könnte sich die Finanzierungssituation noch verbessern: Laut einem kürzlich verfassten Eckpunktepapier der Bundesregierung steht in Aussicht, dass der Selbstbehalt bei Hermesbürgschaften auch im öffentlichen Sektor von 10% auf 5% gesenkt wird. Sollte es so kommen, gibt es ein weiteres Argument, sich mit dem Senegal als attraktivem Markt im Westen Afrikas zu beschäftigen.

marie.schuetz@bhf-bank.com

 

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