Exporteure setzen auf Sicherheit und neue Märkte

Die Exportmanager gehen mit positiven Erwartungen in das Jahr 2018. Vor allem vom Irangeschäft erhoffen sie sich starke Zuwächse. Entsprechend relevant ist – neben anderen Themen – die politische Entwicklung in diesem Land. Aktuell läuft es besonders gut in Europa und China. Für die Finanzierung der zumeist niedrigen Auftragswerte gewinnen digitale Plattformen an Bedeutung. Dies sind Ergebnisse des ExportManager-Panels, an dem sich im November 2017 insgesamt 444 Abonnenten beteiligt haben.

Gunther Schilling, Leitender Redakteur ExportManager, FRANKFURT BUSINESS MEDIA

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Die Stimmung unter den Exportmanagern ist gut, die Wachstumsaussichten sind jedoch verhaltener als 2017. Ein knappes Drittel der befragten Exportmanager veranschlagt die Exportzuwächse seines Unternehmens für das Jahr 2018 auf 2% bis unter 5%. Ein weiteres knappes Drittel sieht deutlich höhere Steigerungsraten. Ein Fünftel sieht einen Rückgang oder ein nur leichtes Wachstum von unter 2% für das kommende Jahr. Im Mittel ergibt sich daraus eine Zuwachsrate von etwa 4,5%, die zwar der aktuellen Steigerung im September 2017 entspricht, jedoch unter dem Exportplus von 6,3% in den ersten neun Monaten 2017 liegt.

Politische Risiken dämpfen Optimismus

Einen Grund für den vorsichtigen Ausblick stellen die aktuellen Entwicklungen in den wichtigen Absatzmärkten USA und Großbritannien, die von mehr als der Hälfte der Befragten als besonders relevant eingestuft werden, dar. Die Abkehr Großbritanniens vom EU-Binnenmarkt und die von US-Präsident Trump angekündigte Bevorzugung heimischer Unternehmen werden von 56,8% bzw. 53,0% der Befragten als besonders relevant wahrgenommen. Weiterhin geht nämlich der Löwenanteil der Exporte in die etablierten Industrieländer. Der Anteil der Schwellenländer an den Exporten beträgt bei 59,2% der Befragten maximal 25%. Bei 11% liegt er zwischen 25% und unter 50%, bei weiteren 6,4% über 50%. 23,4% machten keine Angabe.

Auch in den Schwellenländern stellen die Befragten relevante Entwicklungen fest, die die Exportaussichten beeinflussen. So sehen 60,5% eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland als besonders relevant an, für 60,2% ist die weitere Entwicklung im Iran von besonderer Bedeutung, für 54,9% die Spannungen zwischen der EU und der Türkei, doch nur 16,2% halten die Auswirkungen der „neuen Seidenstraße“ nach China aktuell für eine relevante Entwicklung. Innerhalb der Befragungsgruppe zeigt sich bei den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes sogar noch eine etwas geringere Bedeutung der Seidenstraße (11,4%) als in den Dienstleistungsunternehmen (30,1%).

Exportabsicherung für individuelle Risiken

Exportrisiken werden zumeist nicht in die eigenen Bücher genommen, nur 15,1% der Befragten verzichten auf eine externe Absicherung von Auslandsrisiken. Vor allem für Exporte in den Iran, nach Russland, China, Indien, Algerien und Brasilien sind die Unternehmen nicht bereit, erhöhte Risiken einzugehen, und fragen eine Absicherung nach. Dabei zeigt sich, dass die durchschnittlichen Auftragswerte relativ niedrig sind. Bei 48,9% der Befragten liegen sie unter 1 Mio EUR, für 10,6% sind Werte von 1 Mio EUR bis unter 3 Mio EUR üblich. Weitere 12,0% nennen Werte von 3 Mio EUR bis unter 10 Mio EUR, und bei weiteren 12,3% liegen sie darüber. Die übrigen Befragten machten keine Angabe dazu.

Mehr denn je stellt sich die Frage nach einer effizienten Abwicklung der Exportfinanzierung. Eine Absatzfinanzierung über digitale Plattformen können sich immerhin 25,6% der Befragten vorstellen, 37,7% sehen diese Möglichkeit nicht, und 36,7% äußerten sich nicht zu dieser Frage. Noch deutlicher fällt die Frage nach der derzeitigen Nutzung digitaler Angebote aus. Nur 3,3% sind bereits in digitalen Angeboten aktiv.

China und Europa sind Exporttreiber

Die Belebung in der Euro-Zone und die anhaltend kräftige Nachfrage aus China hinterlassen einen bleibenden Eindruck in der Exportentwicklung der Unternehmen. 35,4% der Befragten nennen die Euro-Zone als Region mit einem besonders starken Nachfragewachstum, bei weiteren 36,7% ist China aktuell der Wachstumstreiber. Aber auch Osteuropa (22,6%) und Nordamerika (21,3%) werden häufig genannt. Für jeweils 15,4% der Befragten sind Russland, Südostasien und Nahost/Nordafrika Wachstumsmärkte.

Zusätzliches Exportpotential sehen die Exportmanager in einigen ausgewählten Schwellenländern: Ein Viertel (26,7%) der Befragten bezeichnet den Iran als ein Land mit hohem bzw. sehr hohem Potential. Für Vietnam erwarten ein solches Potential 15,8%, für Indonesien 12,6% und für Argentinien 11,2%. Als weniger hoch wird das Potential in Ägypten (9,9%), Bangladesch (6,3%), Pakistan (6,0%) und Usbekistan (4,9%) eingeschätzt.

Für den nächsten Schritt der Markterschließung, die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland, sprechen sich derzeit nur 16,0% der Befragten aus. Dabei stehen China, Polen, Rumänien, die Tschechische Republik und Ungarn sowie generell Osteuropa auf der Liste der Standorte ganz oben. Eine Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland planen lediglich 5,2%.

Das ExportManager-Panel …

… ist eine Onlineumfrage unter Exportverantwortlichen im deutschen Mittelstand. Sie wird von der Redaktion des Export­Managers mit Unterstützung der LBBW alle sechs Monate durchgeführt. 444 Panelteilnehmer haben den Frage­bogen ganz oder teilweise ausgefüllt. 176 Teilnehmer gaben an, im verarbeitenden Gewerbe tätig zu sein, 73 nannten den Bereich Handel und Dienstleistungen. Ziel des Panels ist es, eine gleichbleibende Gruppe regelmäßig zu befragen, um ­Entwicklungen und Trends aufzuzeigen. Die erste Umfrage wurde im November 2017 durchgeführt.

gunther.schilling@frankfurt-bm.com

 

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